"Menschen lassen sich jetzt zusätzliche Körperteile annähen, um noch mehr konsumieren und ficken zu können."

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Dieses Mal haben wir Tätowierer Jumi für euch an den Start geholt. Und damit das erste Mal einen Künstler aus Leipzig! Yey! Jumi tätowiert im "Studio394", auf Instagram findet ihr ihn unter seinem IG-Handle @jumi_su.

Jumis Motive reichen von harmlos-süßen Shrimp, Delfinen oder Aufklapphandys zu Porn- und Fetischdarstellungen. Immer feinlinig, pur, unschattiert. Uns hat er erzählt, was sein bis dato liebstes Tattoo ist und warum er glaubt, dass sich in zehn Jahren niemand mehr tätowieren lassen wird.

Noizz: Jumi, wie hat deine Tattoo-Karriere ihren Lauf genommen?

Jumi: In meinem WG-Zimmer auf der Couch. Nach und nach hatte ich meinen Freundeskreis abtätowiert und fing an, auf Veranstaltungen gegen Spende cracky Tattoos zu machen. Vor einem halben Jahr bin ich dann aus meinem Zimmer in ein Studio umgesiedelt.

Wie würdest du deinen Stil selbst in 3 Worten beschreiben?

Jumi: Gloss, Sex, Violence.

Und wie würdest du dich in 3 Worten beschreiben?

Jumi: Ja, nein und vielleicht.

Warum hast du mit dem Tätowieren angefangen?

Jumi: Weil es eine schöne Art ist, mit kreativer Arbeit Zeit zu verbringen – zusammen mit anderen Menschen.

Wie hast du zu deiner Ästhetik gefunden?

Jumi: Ich bin lange Zeit durch Manga und Filme geprägt worden und habe selbst mal Comics und Storyboards gezeichnet. Mittlerweile ist Instagram und alles mögliche andere, was an Popkultur an mich rangespült wird, etwa durch Musikvideos und Mode, meine Quelle.

Was war dein bis dato seltsamstes Tattoo-Request?

Jumi: Auf einer Veranstaltung wurde ich gefragt, ob ich ein Tattoo mache, das über zwei Körper geht – mit einer gebrauchten Nadel.

Und was das Schönste, oder das, was am meisten bei dir hängen geblieben ist?

Jumi: Der Delfin, den ich meiner Freundin an dem Tag tätowiert habe, an dem wir uns kennengelernt haben.

Was treibt dich an?

Jumi: Es ist das größte Kompliment, wenn Leute sich deine Motive für immer in die Haut stechen lassen.

Welche Motive tätowierst du am liebsten?

Jumi: Am liebsten mag ich dynamische Sachen, die verschiedene Körperstellen miteinander verbinden oder mit der Körperform arbeiten.

Welches Motiv würdest du nie stechen?

Jumi: Alles was Ausdruck von Hass oder Diskriminierung ist – you know what.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, würde ich …

Jumi: … sehr viel weinen, weil ich kein Tattoo-Künstler wäre.

Gibt es etwas, was dich an der Tattoo-Szene anstrengt?

Jumi: Große Egos.

Und was schätzt du an ihr?

Jumi: Die meisten Leute sind sehr offen und hilfsbereit. Ich habe bereits so viele tolle Menschen kennengelernt! Ich denke, das ist auch das schönste letztendlich: das Kennenlernen und gegenseitige Inspirieren.

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Was war dein erstes Tattoo?

Jumi: Das erste Tattoo habe ich mir selbst auf den Knöchel gestochen mit einer Nähnadel und Filzstifttinte. Nicht sehr empfehlenswert!

Und was dein Letztes?

Jumi: "Plastic" als Schriftzug auf den Arm von der wundervollen Vesper!

Wer lässt sich von dir tätowieren?

Jumi: Ganz unterschiedlich, da gibt es keine spezifische Klientel. Bin auch immer wieder überrascht, wen mein Zeug interessiert. Also positiv überrascht!

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Jumi: Der Tattoo-Hype ist vorbei und an dessen Stelle ist eine andere subversivere Körpermodifizierung getreten. Menschen lassen sich jetzt zusätzliche Körperteile annähen, um noch mehr konsumieren und ficken zu können. Das heißt für mich: zurück an die Fritteuse – oder vielleicht wartet ja eine andere, schöne Beschäftigung auf mich.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Jumi: Immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen, haha.

Ist Leipzig eine gute Stadt zum Tätowieren?

Jumi: Ja, hier ist gerade noch viel am Entstehen und im Umbruch. Der Einstieg in die Szene ist leichter als anderorts, wo es schon etablierte Strukturen gibt und gleichzeitig haben viele Menschen Bock auf Tattoos, auf geile Tattoos!

Warum bist du nach Leipzig gekommen?

Jumi: Aus Neugierde.

Was steht noch auf deiner Tattoo-Bucket-List?

Jumi: Auf jeden Fall noch mehr Reisen, es gibt so viele coole Künstler, die ich noch kennenlernen möchte, die megaschöne Sachen machen. Time will tell.

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Quelle: Noizz.de