Eigentlich kann künstliche Intelligenz unseren Alltag ziemlich aufpimpen – zum Beispiel bei der Wahl des perfekten Make-ups: Welcher Lippenstift passt am besten zu mir, welcher Lidschatten kommt am geilsten rüber? Solche Entscheidungshilfen findet man zuhauf im Netz, bisher benachteiligen sie häufig BIPocs. Die soziale Suchmaschine Pinterest will das nun ändern.

Der ein oder andere mag Make-up verteufeln und als Inbegriff unserer oberflächlichen Gesellschaft sehen, aber mal ganz ehrlich: Irgendwie macht es auch Bock, neue Looks auszuprobieren, mit Farbe zu spielen – und ein nicer Look gibt einem selbst auch ein gutes Gefühl. Auf der Suche nach dem perfekten Style für uns gibt es inzwischen immer mehr smarte Helfer im Netz. Sie basieren auf gängigen Algorithmen und KI – etwa wie oft Nutzer*innen mit einem hellen Hauttyp und blauen Augen nach dem Begriff "blauer Lidschatten" oder "Cat Eye" gesucht haben.

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Damit haben wir schon das Hauptproblem gefunden: Die Algorithmen vieler Suchmaschinen orientieren sich an der breiten Masse. So auch beim sozialen Netzwerk Pinterest, bei dem User*innen ihre Lieblingsfunde aus dem Netz pinnen und mit anderen teilen. Was aber nun, wenn du Schwarz bist und ein auffälliges Abend-Make-up auf der Plattform suchst? Eine einfache Suche mit dem Begriff "Make-up Going Out" wird dich mit dem weißen Mainstream konfrontieren – um für dich passende Ergebnisse zu finden, musst du die Begriffe weiter einschränken, etwa mit "Black" als zusätzlichen Suchbegriff.

Und das fühlt sich natürlich ziemlich doof und diskriminierend an. Pinterest hat das Problem erkannt und will etwas ändern: Mit einem neuen Filter.

Schluss mit der Diskriminierung von BIPocs

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Oder sie nach den Plänen des sozialen Netzwerkes zumindest deutlich einschränken, wie der "Spiegel" berichtet. Dem Bericht zufolge habe Pinterest für seine Nutzer*innen in den USA, Kanada, Irland und Großbritannien bereits seinen Hauttonfilter überarbeitet.

Mit einem Klick können User*innen so nun selbst entscheiden, welchen Hautton die Personen auf den Pins haben sollen, die Inspiration für neue Make-up-Looks geben sollen. In Deutschland gibt es den Filter noch nicht. Wann er kommt und ob er bei uns überhaupt angewendet wird, steht noch nicht fest.

Es ist zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Im US-Fachblatt "Medium" erklärt Pinterests KI-Chefin Nadia Fawaz, wieso das Unternehmen so lange gezögert habe, das Feature einzuführen. Die Bilder auf der wachsenden Plattform seien immer komplexer geworden, daher habe man sich in der jüngeren Vergangenheit von der Gesichtserkennung gelöst und eher mit Suchbegriffen gearbeitet.

"Es ist eine komplexe Herausforderung für Bilderkennungsprogramme die Bandbreite von Hauttönen auf einem Foto zu identifizieren."

Das hätte auch in Zeiten der Corona-Pandemie Vorteile gehabt, da viele Gesichter durch Masken verdeckt waren.

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Viele Plattformen arbeiten mit KI, die dadurch genährt wird, was die breite Masse sucht. Das führt dann leider oft auch dazu, dass sie zum Beispiel weiße Gesichter deutlich besser identifizieren kann als Schwarze, wie zahlreiche Studien belegen. Die Fehlerquote kann je nach verwendeten Kriterien bis zu 100 Mal höher sein. Das geht so weit, dass manche KI-Tools sogar damit werben, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: dass sie auch Gesichter von Schwarzen Menschen gut erkennen.

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So benutzt einer der Marktführer in der Beauty-Branche, L'Oreal, inzwischen die Software der Firma Algoface, wie man in diesem Interview nachlesen kann – sie hat ihre Software auch mit genügen Bilden von BIPoCs gefüttert, um gute Ergebnisse zu erzielen.

So kann jeder, egal welcher Hautfarbe, mit einer App die passenden Lippenstiftfarben, Lidschatten und Foundations auswählen. Bei vielen Social-Media-Plattformen und Make-up-Anbietern besteht in Sachen Künstlicher Intelligenz aber noch einiges an Nachholbedarf!

  • Quelle:
  • Noizz.de