Ein Bikini-Top mit jamaikanischer Flagge, Bantu-Knoten – und ein riesiger Shitstorm: Die Diskussion um kulturelle Aneignung dreht sich diesmal um einen Instagram-Post von Adele. Die Sängerin posierte im Garten ihres Anwesens in Beverly Hills in besagtem Look und bezog sich in ihrem Instagram-Post auf den abgesagten Karneval von Notting Hill.
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Der Karneval, auf den sich Adele bezieht, wurde 1959 von einer Aktivistin als Protest gegen massive rassistische Übergriffe ins Leben gerufen. Bis heute ist der Karneval dafür bekannt, karibische Kulturen und Einwander*innen of Color zu feiern. Dieses Jahr wurde er Corona bedingt abgesagt – weshalb Adele das Bild auch postete.

Was sagen die Kritiker*innen

Laut den Menschen, die Adele für ihr Outfit kritisieren, bedient sich die Sängerin kulturellerer Merkmale einer benachteiligten Bevölkerungsgruppe – ohne deren massive Schwierigkeiten in der weißen Mehrheitsgesellschaft je selbst durchgemacht zu haben. Sie profitiere also von einem kulturellen Alleinstellungsmerkmal und nehme es ihnen damit weg, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätte, sich anders zu kleiden beziehungsweise eine andere Frisur zu tragen. Nach dem Karneval könne sie die karibischen Merkmale wieder ablegen und hätte keine Schwierigkeiten, BPoCs allerdings schon.

Man muss dazu sagen, dass der Bikini mit der jamaikanischen Flagge kein traditionell karibisches Kleidungsstück ist – die Frisur, die sie trägt (Bantu-Knoten) jedoch schon. Diese wird mit BPoCs assoziiert.

So werden Bantu-Knoten von BPoCs getragen

Das sagen Fürsprecher*innen

Unter Adeles Post finden sich viele Kommentare von BPoCs, die Adele für ihr Outfit feiern. So auch dieser hier: "Der Karneval von Nottinghill ist ein Karneval, der jamaikanischen Kultur in London FEIERT. Menschen jeden Hintergunds sind willkommen. Dies ist genau der richtige Ort für Adele, sich so zu kleiden. Dies ist WERTSCHÄTZUNG, nicht Aneignung. Lernt den Unterschied, Amerikaner!"

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Ein anderer: "Die weiße Arbeiterklasse feiert in London seit Jahren die schwarze Kultur. Bei uns gab es keine Segregation ("Rassentrennung" Anm. d. R.), so dass dies bei uns als Feier und Wertschätzung, nicht als Aneignung angesehen wird. Amerika, es tut mir leid, aber ihr müsst euch nicht in Dinge einmischen, die euch nichts angehen."

Die Kommentare dieser BPoCs erklären zwar, wie Adeles Outfit gemeint war und wohl auch von einigen jamaikanischen Bürger*innen Großbritanniens interpretiert wird – nämlich als Wertschätzung.

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Andererseits sprechen diese auch nicht für alle BPoCs und erst recht nicht für die, die sich durch das Outfit in ihrer kulturellen Einzigartigkeit beschnitten fühlen.

Quelle: Noizz.de