Und das seit mittlerweile fünf Jahren!

Modetrends sind mir egal. Ich weiß nicht, was die Modefarbe für diesen Herbst ist, und für den Frühling habe ich es auch nicht gewusst. Wozu auch? Manche Farben mag man eben lieber als andere. Und manche Farben stehen gewissen Leuten auch nicht. Was sollen die denn machen, wenn sie zum Beispiel kein Gelb tragen können und plötzlich laufen alle anderen in Gelb rum. Weil irgendjemand sich dazu berufen gefühlt hat, Gelb zur Farbe des Jahres zu kühren.

Nein, Modetrends interessieren mich nicht. Marken übrigens auch nicht.

Mir ist wichtig, dass ich mich in meinen Klamotten wohlfühle. Sie müssen mir ein Gefühl von zu Hause geben. So ist es auch mit meinen Cowboyschuhen. Die habe ich seit meinem zweiten Studiensemester vor mehr als fünf Jahren. Und seitdem ziehe ich sie fast jeden Tag an. Es ist ein schönes Gefühl, sie morgens vor der Haustür warten zu sehen.

30 Minuten in einem begehbaren Schuhschrank stehen und sich nicht entscheiden können, welche Schuhe für den bevorstehenden Tag die Richtigen sind? Nein, danke!

Deutliche Gebrauchsspuren, trotzdem noch voll einsatzbereit

Wir haben schon so manche Nacht in Diskos durchgefeiert oder sind im strömenden Regen zur Arbeit gerannt. Natürlich teilt nicht jeder die Liebe zu diesen Schuhen. Meine Studienkollegen haben mir regelmäßig angedroht, sie Rot zu färben, damit ich so rumlaufen kann wie Ted Mosby aus „How I Met Your Mother“. Ein Kumpel von mir, mit dem ich häufiger feiern gehe, war auf dem Heimweg regelmäßig irritiert, weil er durch das Klacken der Absätze das Gefühl hatte, mit einer Frau unterwegs zu sein.

Einige Männer drehen sich regelmäßig in meine Richtung, weil sie durch das Geräusch der Schuhe denken, eine Frau würde um die Ecke kommen. Die Enttäuschung in ihren Augen, wenn sie ihren Irrtum bemerken, ist unbezahlbar. Meine Kollegen glauben stattdessen, dass jeder in meine Richtung guckt, weil die Schuhe meine Ankunft schon aus fünf Kilometern Entfernung ankündigen. Ganz ohne Sporen übrigens.

An den Sohlen wurde schon so einiges gemacht

Aber ich trage die Schuhe nicht für andere Leute, sondern weil ich sie mag. Außerdem hat man in den Stiefeln fast immer warme Füße. Dafür war aber auch schon viel Fürsorge notwendig. Unter normalen Umständen hätten die Schuhe spätestens vor einem Jahr das Zeitliche segnen müssen.

Zuerst gaben die Ledersohlen nach. Okay, das war auch meine Schuld! Cowboystiefel sind eigentlich nicht dafür gemacht, mit ihnen durch zugeschneite Innenstädte mit gestreuten Bürgersteigen zu stiefeln. Das Kalbsleder wurde hart und brüchig. Jetzt habe ich Gummisohlen von Continental drunter, die stellen immerhin auch Autoreifen her, also muss das gut sein.

So sah die Sohle aus, als sie neu war

Dann hatte ich dank der Schuhe schon häufiger ein für Männer untypisches Problem – ich habe meine Absätze verloren. Um diese nervigen Pannen zu vermeiden, hab ich sie an den Schuh genagelt. Die letzte Reparatur war an den Schuhspitzen nötig. Die komplette Unterseite drohte sich vom Schuh zu lösen. Da war klar, dass nur noch harte Mittel helfen. Kurzentschlossen wurden Metallplatten unter die Schuhspitzen geschraubt, seitdem ist Ruhe.

Ich will mich einfach nicht von diesen Schuhen trennen. Und da sind mir auch die zahlreichen Nachteile egal, die sie mit sich bringen. Autofahren wird zur neuen Kunst mit den Dingern. Die Pedale zu treffen, ist eine echte Herausforderung. In der Kantine trete ich meinem Vordermann auch gern mal aus Versehen in die Hacken, weil die Schuhe so lang sind.

Das Ausziehen der Schuhe ist auch eine Qual. Bis der Schuh sich vom Fuß löst, vergeht einige Zeit. Und natürlich sind sie nicht für längere Fußmärsche geeignet.

Gleichgesinnte trifft man damit eher selten

Diesen Sommer kam Verwandtschaft nach Berlin. Das ganze Wochenende Gewaltmärsche durch die Stadt. Eigentlich hätte nach fünf Jahren klar sein müssen, dass die Cowboyschuhe nicht die erste Wahl für so ein Event sind. Natürlich waren sie trotzdem mit dabei. Nach zwei Tagen konnte ich kaum mehr einen Fuß vor den anderen setzen. Daran waren zahlreiche Blasen schuld.

Und trotz dieser Macken werden die Schuhe mich noch lange durch die Welt tragen. Und wenn sie irgendwann doch den Geist aufgeben, kaufe ich mir die gleichen Schuhe noch mal. Egal, ob die Menschen in meiner Umgebung sich verwirrt umblicken oder gerade Budapester in Lila der Sommertrend sind.

  • Quelle:
  • Noizz.de