Im Vergleich zu hochkomplizierten, wissenschaftlich ausgeklügelten Raumfahrzeugen sind selbst die fortschrittlichsten High Tech-Sneaker physisch eher geringen Anforderungen ausgesetzt.

Auch extrem moderne Schuhe, die wir im alltäglichen Leben tragen, sind auf die Umwelt und die Schwerkraft unserer Erdkugel ausgerichtet und die härteste Belastung ist vermutlich professioneller Sport. Es mag deshalb zunächst überraschen, dass die Fortschritte der Raumfahrttechnik unsere Füße stärker beeinflussen, als wir zunächst annehmen mögen.

Der Tom Sachs x Nike Mars Yard 2.0 Foto: urbansneakers.io / Noizz.de

Der unlängst enthüllte Tom Sachs x Nike Mars Yard 2.0 war für Sneakerheads weltweit eine erfreuliche Überraschung. So erfreut die Fans des OG auch sein mögen, so war es doch enttäuschend, dass Nike das alte Vectran-Material verworfen und durch gewöhnliches Mesh ersetzt hat.

In modernen Schuhen werden hochkomplizierte Materialien verarbeitet

Die Nasa verwendete Vectran für Airbags, die die Landung von Raumsonden wie der des Mars-Pathfinders abfederten. Das stabile, leichte, temperatur- und chemikalienresistente Material wurde außerdem in fast jedem Raumanzug als Material für eine der Schichten verwendet. Wenngleich die Verwendung solcher hochkomplizierter Materialien für moderne Schuhe vor allem Werbe- und Showzwecken dient, lassen sich die Ingenieure nicht selten von diesen Science Fiction-Technologien inspirieren – gerade, wenn es um Materialen geht. Vectran wurde beispielsweise auch für den extrem widerstandsfähigen Nike Flywire verwendet.

Auch diese Reeboks sehen aus wie von einer Science Fiction-Technologie inspiriert Foto: urbansneakers / urbansneakers.io

Sneaker-Design ist keine Raketenwissenschaft. Das Konzept für schnelle, leistungsfähige und moderne Schuhe kann auf die Basiselemente Stabilität, Gewicht, Energieeffizienz und Unterstützung heruntergebrochen werden. Sneakerhersteller reduzieren oft Gewicht auf Kosten der Unterstützung des Fußes oder der Gesamtstabilität. Wenn es allerdings um Raumfahrt-Accessoires geht, sind die Kompromisse ein wenig komplizierter. Jedes zusätzliche Kilogramm bei einem Raketenstart verursacht Kosten in Höhe von 220.000 US Dollar, weshalb es eines der Hauptziele der NASA ist, Materialien sowohl leicht als auch extrem stabil zu machen.

Sind Stabilität und Leichtigkeit vereinbar?

Ein schwerer Schuh belastet zwar die Geldbörse nicht so sehr wie ein schwerer, aber 100 Gramm zusätzliches Gewicht erhöhen den Energieverbrauch eines Athleten um etwa ein Prozent. Der durchschnittliche Marathonläufer, der etwa 40.000 Schritte in ein Rennen investiert, wird deshalb das Gewicht seinen Schuhs so weit reduzieren wollen wie nur irgendwie möglich. Wenn es allerdings ans Eingemachte geht und die Sohle auf den Asphalt trifft, ist auch ein federleichter Schuh nicht mehr viel wert, wenn es an Support und Traktion mangelt.

Eine der größten Innovation in der Sneaker-Geschichte war der Vorschlag des Ex-Nasa Ingenieurs Frank Rudy, aufblasbare Luftkissen zur Stoßdämpfung zu verwenden – eine Technologie, die gerade erst von der Nasa entwickelt worden war. Das Ergebnis war der Nike Air Tailwind – der allererste Schuh mit einem Nike Air System.

Das Verfahren wurde auf andere Art und Weise von Vibram für die Superflex-Außensohle des unvergleichlichen New Balance 990 verwendet. Das von AVIA entwickelte Kompressionskammer-Verfahren für Reebok beruhte ebenfalls auf luftgefüllten Gummikammern.

„Sneakers of the Space“ Foto: urbansneakers / urbansneakers.io

Die Dynacoil Technologie, die KangaROOS in den Achtzigern so populär gemacht hatte, wurde nach dem Vorbild des dreidimensionalen „Spacer“ Materials gefertigt, welches zu Zeiten der Apollo in Lunar-Boots verwendet worden war. Die Marke entwickelte die Technologie nach einer Forschungszeit von zwei Jahren und verwendete dazu Studien des Aerospace Research Applications Centre der NASA.

Auch die schwammige Substanz, die Sohlen ihren Halt verleiht, haben wir der NASA zu verdanken. Um die Astronauten bei den extremen Belastungen durch den Andruck beim Abheben der Rakete zu unterstützen, wurden ihre Sitze mit einem speziellen Viskoelastizitätsschaum ausgekleidet. Das Formgedächtnispolymer, das lange in seiner Stellung verharrt, bis es wieder in seine Ursprungsform gerät, wurde also eigentlich erfunden, um die Hinterteile der Astronauten vor Schmerzen zu bewahren und hatte zunächst so gar nichts mit Schuhsohlen zu tun.

Es lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, wie groß der Anteil der Technologien ist, die es von der Raumfahrttechnik ins Sneakergame geschafft haben. Verschiedene Varianten von wasserabweisenden Substanzen und wärmeisolierenden Textilien wurden meistens von kleinen Vertragsfirmen der NASA hergestellt. Wenn man sich die gesamten Produktionsverfahren anschaut, gibt es so gut wie keinen Schritt, der nicht von Raumfahrttechnik beeinflusst ist, sei es das Recycling von Fabrikwasser, GPS Systeme bei der Logistik oder lapidarste Dinge wie Schmieröl von Kugellagern.

Wir können nur spekulieren, was die Zukunft der Raumfahrt noch bringen wird, um die Sneaker-Industrie damit zu beeinflussen. Boeing hat Anfang dieses Jahres beispielsweise einen Raumanzug für ihre CST-100 Starliner Raumkapsel enthüllt, die bereits 2018 abheben soll.

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Quelle: urbansneakers

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