Mellas Handpoke-Tattoos sind süß wie Zuckerguss.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Heute haben wir mit Mella gesprochen, die bei "Coco Schwarz" in Hamburg arbeitet. Die 30-Jährige macht Handpoke-Tattoos (was das ist, haben wir hier mit Densha besprochen), die so filigran und zart aussehen, als könne man sie mit dem Finger einfach wieder von der Haut wischen. Dabei war es nie Mellas Kindheitstraum, irgendwann mal Tätowiererin zu werden. Der Beruf ergab sich bei der Wahlhamburgerin eigentlich nur durch Zufall: Nach ihrem Grafikdesign- und Illustrationsstudium war ihr Kunststil einfach viel zu aufwendig für "normale" Arbeiten auf Papier. Zum Glück für uns, denn Mellas Motive sind viel zu schön, um nicht unter die Haut gebracht zu werden!

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NOIZZ: Mella, erzähl mal, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Mella: Die Idee spukte schon in meinem Kopf herum, als ich vor rund fünf Jahren meinen Bachelor in Grafikdesign in Dortmund absolviert habe. Dort bestand meine Abschluss-Arbeit aus riesigen Porträts, die ich komplett in Dotwork umgesetzt habe. Die Worte meines damaligen Professors nach der Präsentation: "Damit werden Sie nichts verdienen können. Da bekommt ein Arbeiter in Afrika mehr Geld pro Stunde." Genau das, was man hören möchte, wenn man die Uni verlässt. Willkommen im wirklichen Leben.

Daraufhin hatten meine beste Freundin und ich die Idee ein eigenes Tattoo-Studio zu eröffnen. Das war zu dem Zeitpunkt aber immer eine Spinnerei und nie wirklich ernst gemeint. Vor knapp drei Jahren kam das Thema wieder hoch, weil ich so frustriert war vom Illustratoren-Dasein. Mein detailverliebter Dotwork-Stil war zu aufwendig und zeitintensiv, aber ich wollte mich auch nicht verbiegen und alles ändern müssen. Mein Freund meinte, dass ich es einfach mal mit dem Tätowieren probieren soll und so landete ich nach einigen lehrreichen Praktika bei "Coco Schwarz".

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Wie würdest du deinen Stil selbst in drei Worten beschreiben?

Mella: Zart, filigran und weich.

Was sind wiederkehrende Elemente deiner Arbeit?

Mella: Meine Arbeit lässt sich grob in drei Kategorien einteilen: Pflanzen, Tiere und all das, was über der Erde liegt. Was diese verbindet, ist die Leichtigkeit der Flächen und Formen durch zarte Grautöne. Ich mag es einfach, wenn Tattoos weich sind und zum Teil des Körpers werden. Wie Schatten auf der Haut.

Wer sind deine Kunden*innen?

Mella: Zu 90 Prozent weiblich, zwischen 20 und 30 Jahre alt, Studentinnen oder in sozialen oder kreativen Berufen tätig.

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Hat man es als Frau schwieriger in der Szene?

Mella: Ich habe bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass man es als weibliche Tätowiererin schwerer hat. Ganz im Gegenteil. Ich habe oft das Gefühl, dass meine Kundinnen es sehr zu schätzen wissen, dass sie eine Frau vor sich sitzen haben, die nicht dem gängigen Klischee des Tätowierers entspricht.

Was treibt dich an?

Mella: Die Freude an der Arbeit. Das sich ständige weiter entwickeln. Das fünf Schritte vor und vier wieder zurückfallen und das am Ball bleiben. Der Wunsch, immer besser zu werden und über sich hinaus zu wachsen. Geilen Scheiß zu machen!

Was war dein bisher bewegendstes Tattoo-Erlebnis?

Mella: Bewegend ist immer wieder, wie sehr sich die Kunden über ihr Tattoo freuen. Für mich ist es am verrücktesten, dass Kunden aus anderen Ländern angereist kommen, um von mir tätowiert zu werden. Das ist einfach total verrückt! Ich versuche, das nicht so sehr an mich ran zu lassen, weil ich sonst vor lauter Druck, den ich mir selber mache, die Nadel nicht mehr still halten könnte.

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Warum hast du dich für Handpoking entschieden?

Mella: Als ich mich bei "Coco Schwarz" als Auszubildende bewarb, weil ich die Arbeiten von Lara, Frauke und Nico so unfassbar toll fand und angenommen wurde, hieß es, dass man mir nur das Handpoking beibringen könne. Das Handpoking hat also mich gefunden und darüber bin ich so, so, so unfassbar glücklich.

Was macht diese Art des Tätowierens für dich besonders?

Mella: Dass sie so meditativ und langsam ist. Die Ruhe, die man mit supernetten, interessanten und manchmal auch bewegenden Gesprächen füllen kann. Das extrem präzise Arbeiten, bei dem man jeden Punkt einzeln und ganz bewusst setzt. Durch das alles entsteht eine ganz besondere Intimität.

Kannst du dir vorstellen, mit einer Maschine zu arbeiten?

Mella: Ich habe es schon mal probiert während diverser Praktika und auch schon ein Tattoo auf die Wade meines armen Freundes gestochen. Es ist ganz gut, dass ich von Hand steche. Aber sag niemals nie.

Deine Tattoos sind wahnsinnig filigran, wie schaffst du diese Leichtigkeit?

Mella: Puh gute Frage. Darüber habe ich nie wirklich nachgedacht. Ich denke, das liegt ein Stück weit an der Technik und an meinen superfeinen Nadeln, mit denen man ganz fein strukturierte Flächen aber auch sehr zarte dünne Linien stechen kann. Akribie und wahnsinnig viel Geduld spielt aber auch eine große Rolle.

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Es gibt ja die allgemein anerkannte These, dicke Linien würden besser halten als dünne – stimmt das deiner Erfahrung nach?

Mella: Totaler Quatsch, wenn du mich fragst. Beide werden dicker mit der Zeit, beide verblassen mit der Zeit und somit müssen beide irgendwann nachgestochen werden. Der Vorteil von dünnen Linien ist, dass man sie auch dünn wieder nachstechen kann.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal ein Handpoke-Tattoo stechen lassen?

Mella: Seid ausgeschlafen und satt. Das ist wichtig für euren Kreislauf. Bringt etwas zu essen mit. Am besten etwas mit Zucker. Plant ausreichend Zeit ein. Weder ihr, noch der Tätowierer sollten gestresst sein. Seid ehrlich, wenn euch etwas nicht gefällt und ihr euch unsicher seid. Das ist euer Körper. Ihr sollte euch am Ende mit dem Tattoo wohlfühlen. Habt Spaß! Die Schmerzen vergehen und ihr verlasst das Studio mit einem Schmuckstück.

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Was war dein erstes Tattoo?

Mella: Ich habe mir mit 20 in Dortmund einen alten Lampenschirm in den Nacken stechen lassen. New School und in Farbe. Die Spitze des Schirms schaut oben aus dem Kragen heraus und die Leute hatten schon die wildesten Ideen, was ich da wohl tätowiert habe. Mein bisheriger Favorit: eine Banane.

Und dein Letztes?

Mella: Das war ein kleiner Punkt im Nacken, den ich mir bei unserer Dot Donation von meiner Kollegin Lara habe steche lassen. Wir haben damit Spendengelder für Sea Eye gesammelt.

Was würdest du dir selbst niemals stechen lassen?

Mella: Rassistische, extremistische oder homophobe Symbole. Aber es ist wohl fast einfacher, mich zu fragen, was ich mir stechen lassen würde, denn ich habe selbst nur zwei Tattoos. Ich weiß weder was ich will, noch wohin damit.

Was steht noch auf deiner Tattoo-Bucket-List?

Mella: Ich bin gerade dabei, meinen Flash-Katalog auszubauen. Ich würde gerne mehr mit Farbe experimentieren, das wirkt einfach noch leichter und echter auf der Haut als schwarze oder graue Blätter. Außerdem will ich es im Laufe des Jahres endlich mal schaffen, Visitenkarten, Sticker und Klebetattoos zu erstellen. Das muss nämlich unbedingt mal gemacht werden. Und alles andere lass ich auf mich zukommen.

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Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, würde ich …

Mella: Kleine Illustrationsjobs annehmen, die total unterbezahlt sind und nebenher in Cafés oder im Einzelhandel arbeiten.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Mella: In einem kleinen Hexenhäuschen im Grünen mit Garten umgeben von meinen Liebsten.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Mella: @laramaju, @naraishikawa, @_jesschen_, @meester_prikkebeen, @pontotattoo, @stickaroundtattoo, @duhovka.ink, @fraukekatze, @natalia_holub, @tattooist_doy, @paula_roesch, @ashandwood und @ha._.ku

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Quelle: Noizz.de