Einer der Gründer gehört zu den zehn reichsten Menschen der Welt.

Ein günstiger Segen für die einen, ein kapitalistischer Fluch für die anderen: H&M, Zara, Pimkie und wie die großen Fast-Fashion-Stores alle heißen, zu finden in nahezu jedem deutschen Kaufhaus, machen in Zeiten von "Fridays for Future" vor allem Negativ-Schlagzeilen.

Erschwingliche Kleidung angepasst auf die neuesten Trends auf der einen Seite, schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung auf der anderen - viel mehr ist über die Unternehmen in der Öffentlichkeit meist nicht bekannt. Doch wer steckt eigentlich hinter den Textilriesen, die unsere Innenstädte vollstopfen? Der Blick hinter die Kulissen überrascht mit bewegenden Gründungsstorys.

Zara – Vom Laufburschen zum Milliardär

Die Kultmarke Zara lässt nicht nur die Herzen vieler Fashionistas höher schlagen, auch der Gründer hat seine Entscheidung wahrscheinlich nie bereut, denn die hat ihn zum derzeit zweitreichsten Mann Europas und sechsreichsten Menschen der Welt gemacht. Es geht um den Spanier Amancio Ortega – er baute das Mode-Imperium Inditex auf, zu dem neben Zara unter anderem auch Pull & Bear und Bershka gehören.

Laut "Welt" ist Ortega in der Branche bekannt als außergewöhnlich scharfsinniger Geschäftsmann. Dabei absolvierte der Zara-Gründer weder Studium noch Ausbildung. Als kleiner Junge arbeitete er als Bote eines Hemdengeschäfts in Spanien und legte damit den Grundstein seiner Textil-Karriere. Im Jahr 1974 eröffnet er dann den ersten Zara-Store. Was für ein Aufstieg.

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Pimkie – Früher Revolutionär

Es ist 1971 und die Modewelt hat einen neuen Trend: die Hose für Frauen. Drei textilaffine Franzosen erkennen den Trend und entscheiden sich dazu, ihn weiter auszubauen. Laut "InStyle" gilt deren Interpretation der Damenhose damals als innovativ, ja als nahezu revolutionär. Der erste Pimkie-Laden öffnet schließlich ein Jahr später im französischen Lille seine Türen – und stößt auf große Begeisterung der weiblichen Kundschaft.

Heute ist Pimkie im Besitz der nordfranzösischen Familie Mulliez. Zum Mulliez-Konzern gehören unter anderem auch Orsay und Decathlon.

TALLY WEiJL - Ein Imperium aus der Garage

Die Geschichte des Stores mit dem Namen, von dem meist niemand so richtig weiß, wie man ihn richtig ausspricht – Tally Weijl – beginnt 1984. Tally Elfassi-Weijl will eigentlich an der Hotelfachschule in Lausanne studieren, hat aber eine Wartefrist und nutzt diese, um ihre ihre ersten Fashion-Designs zu entwickeln. Auch als die Wartefrist vorüber ist, macht Weijl neben dem Studium weiter: Im schweizerischen Lohn entwirft sie in einer kleinen Garage zwölf Kollektionen pro Jahr.

In Beat Grüring findet Weijl bald einen Geschäftspartner. Gemeinsam beliefern die beiden erst nur große Modehäuser und Boutiquen mit den Designs – damals sogar noch mit dem eigenen Auto. Im Jahr 1987 eröffnen die beiden schließlich den ersten TALLY-WEiJL-Store im schweizerischen Fribourg.

New Look – Der englische Traum?

Auch die Anfänge der englischen Fast-Fashion-Kette New Look waren sehr bescheiden. Tom Singh war als Baby Ende der 1940er mit seinen Eltern aus dem pakistanischen Punjab nach Großbritannien emigriert. Inspiriert durch die Arbeit an verschiedenen Marktständen, gründete er 1969 vor Beginn seines Studiums das Modehaus New Look im englischen Taunton, Sommerset – mithilfe seiner Eltern, von denen er sich 5.000 Pfund lieh.

Beachtlich, was New-Look-Gründer Tom Singh in weniger als 30 Jahren aus diesen 5.000 britischen Pfund gemacht hat: 1996 war das Modehaus so erfolgreich, dass er eine 75-prozentige Beteiligung für 170 Millionen Pfund an die Stadt verkaufen konnte. Singh hat also quasi das englische Pendat zum American Dream verwirklicht.

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C&A – Hunderte Jahre Tradition

Die Geschichte des Modehauses C&A geht bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurück. Die Vorfahren der Gründerbrüder Clemens und August Brenninkmeijer stammen aus der deutschen Stadt Mettingen, gegründet wurde das Unternehmen aber im niederländischen Sneek – die Brüder sind damals erst 20 Jahr alt

Clemens und August eröffnen 1841 ihr eigenes Leinen- und Baumwollunternehmen – C&A Brenninkmeijer. Damals leben die beiden direkt über den Lagerraum und machen vor allem mit Nachbarn Geschäfte. Die harte Arbeit der Brüder soll sich aber bald lohnen: 1860 eröffnen sie ihren ersten richtigen Laden, der Grundstein für C&A, wie es heute in unseren Fußgängerzonen zu finden ist.

H&M – von den USA über Schweden in deinen Kleiderschrank

Die Entstehungsgeschichte von "Hennes & Mauritz" beginnt 1947, als der Schwede, Erling Persson, von einer USA-Reise zurückkehrt. Im Gepäck hat er eine simple Idee: ein Geschäft für günstige Damenmode. Noch im selben Jahr eröffnet er im schwedischen Västerås sein erstes Geschäft unter dem Namen "Hennes", was auf schwedisch so viel wie "für sie" oder "ihres" heißt. Über 20 Jahre später kauft er den Jagdbekleidungshändler Mauritz Widforss auf, dessen Sortiment auch Männer- und Kinderkleidung beinhaltete – das H&M-Imperium war geboren.

Forever 21 – Ein wahrer Amerikanischer Traum

Im Jahr 1981 wagte das Ehepaar Do Won Chang und Jin Sook einen großen Schritt: Auswandern von Südkorea in die USA. Doch die ersten drei Jahre in der neuen Heimat sind nicht leicht: Do Won arbeitet gleichzeitig als Hausmeister, Tankwart und in einem Café. Irgendwann kommt ihm bei der Arbeit an der Benzinzapfsäule aber eine Idee: Er will ins Einzelhandel-Business einsteigen.

Das Ehepaar legt alles auf eine Karte und eröffnet 1984 in Los Angeles mit 11.000 Dollar aus eigenem Ersparten den ersten Forever 21-Laden. Damit legten Do Won Chang und Jin Sook den Grundstein ihres Fast-Fashion-Imperiums - das mittlerweile jedoch stark beginnt zu bröckeln... Die gesamte Geschichte hinter Forever 21 könnt ihr hier lesen.

Die rührenden Geschichten der Fast-Fashion-Riesen zeigen: Ein Blick hinter die Kulissen kann auch bei den schwarzen Schafen der Industrie überraschen. Die echte Welt ist eben selten nur Schwarz oder Weiß.

  • Quelle:
  • Noizz.de