Die Reaktionen auf Kopftuch und halal Mode in der Ausstellung machen Angst.

Ist jedes Kopftuch politisch? Steht es immer für Unterdrückung? Eine Ausstellung in Frankfurt provoziert schon vor Beginn heftige Reaktionen von mehreren Seiten.

Im Frankfurter Museum Angewandte Kunst wird nämlich nächste Woche eine Ausstellung über muslimische Mode eröffnet. Seit dieser Ankündigung bekommt das Museum massig Hass-Mails – sogar noch vor Eröffnung. Die Drohungen sind wohl so real, dass es zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses Taschenkontrollen und Leibesvisitationen geben.

"Contemporary Muslim Fashions" heißt die Schau, die diesen Donnerstagabend (4. April 2019) eröffnet wird. Ab Freitag läuft die Ausstellung dann offiziell bis voraussichtlich 15. September. Gezeigt werden 80 „Ensembles“ – so nennt das Museum die Modestücke für muslimische Frauen von Designerinnen und Designern aus aller Welt: Kopftücher, züchtige Kleider, Ganzkörper-Schwimmanzüge, Luxusartikel. Darunter auch der Sport-Hijab von Nike, den Profi-Boxerin Zeina Nassar bei ihren Kämpfen trägt.

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Die kontroverse Ausstellung lief bereits erfolgreich in San Francisco

Die Idee für das Thema stammt von Max Hollein, Ex-Frankfurter Museumschef. Bevor er nach New York weiterzog, war er in San Francisco tätig. Dort lief die Ausstellung vom 22. September 2018 bis 6. Januar dieses Jahres. Nach Frankfurt geht es für die Ausstellung weiter nach Rotterdam und schließlich in New York. Und damit nicht genug: Weitere Museen haben Interesse angemeldet.

Musliminnen kritisieren die Ausstellung

Schon Wochen vor der Eröffnung meldete sich eine Gruppe namens "Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung" in einem offenen Brief zu Wort. Die Unterzeichnerinnen sind "entsetzt“ über die Ausstellung, finden sie "absurd" und "zynisch". Sie sei "ein Schlag ins Gesicht inländischer und ausländischer Frauenrechtlerinnen". Mit der Schau werde "eine Kleiderordnung protegiert, mit der die Hälfte der Bevölkerung in muslimischen Ländern und auch in den muslimischen Communities in Deutschland unterdrückt wird".

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Hass-Mail aus dem rechten Milieu

Der Museumsdirektor Matthias Wagner K. reagierte mit einer Einladung der Frauen vorab ins Museum – zu einem vertraulichen Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Heftige Reaktionen löst die Ausstellung auch in einem anderen gesellschaftlichen Spektrum aus. Neben dem Brief der liberalen Musliminnen erhielt das Museum auch Hass-Mails aus dem rechten Milieu. Die rechtsextremen Drohungen sorgen für die verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Das Museum bestätigte, dass deswegen „zur Sicherheit aller Besucher und der Mitarbeiter“ Einlasskontrollen verfügt wurden.

Dass es schon vorab Reaktionen gab, hat Wagner K. nicht überrascht – wohl aber ihre Vehemenz. In San Francisco sei die Ausstellung nämlich äußerst positiv aufgenommen worden. In Deutschland dagegen beginne politische Debatte schon, bevor überhaupt jemand die Ausstellung gesehen habe. „Das zeigt den Zustand unserer Zeit.“

Moderne Muslimische Mode ist mehr als nur Kopftuch

Wagner K. findet es "schade", dass die Schau damit "auf eine Kopftuchausstellung verkürzt wird, was sie definitiv nicht ist“. Die Ausstellung zeige ganz im Gegenteil gerade die Vielfalt muslimischer Kleidung: eine spannende Modeszene, junge Influencerinnen und selbstbewusste Kundinnen. Wagner K. ist überzeugt: "Es war eine absolut richtige Entscheidung, diese Ausstellung hier und jetzt zu zeigen."

Burka und Hijab werden bewusst ausgespart in der Ausstellung

Für Frankfurt wurde die in den USA kuratierte Ausstellung um Designerinnen aus Wien, Berlin und Mannheim erweitert. Muslimische Mode sei "nicht zwingend mit Religiosität - egal welcher Art – in Verbindung zu bringen", betont eine Sprecherin. Es werde weder eine Burka noch ein Nikab gezeigt. Zudem kämen, vor allem mit den Arbeiten von Fotografinnen, auch kritische Stimmen zu Wort.

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Max Hollein lobt "die modernen, lebendigen und außergewöhnlichen Modeszenen" der muslimischen Welt und ist überzeugt: "'Contemporary Muslim Fashions'" ist eine überfällige, dringend notwendige Untersuchung eines facettenreichen Themas, das von Museen bisher noch nicht weitgehend erforscht wurde."

[Text: zusammen mit dpa/ Sandra Trauner]

Quelle: Noizz.de