Don't be tacky.

125 Euro. So viel hat mein erster Gucci-Gürtel gekostet. Bei Mientus am Kurfürstendamm 2014 im Sale gekauft. Bicolor. Schwarzes Leder. Made in Italy. 50 Prozent reduziert.

Stolz wie Bolle bin ich aus dem Laden gegangen. Fühlte mich wie ein Kind, das die neue Carrera-Bahn bekommen hat. Damals mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin, die mich zum Kauf ermutigte. "Megaschnäppchen, schlag zu."

Damals war ich 20 und fand es toll, einen auf reich zu machen. Mein Geld, statt für Lebensmittel und Miete, für Luxusgüter zu verprassen. Dazugehören. Zu diesem vermeintlich elitären Club.

Den Gürtel trug ich jeden Tag. Das Gucci-Monogramm voran, den Pulli, das T-Shirt in die Hose gesteckt. Das sah schon gut aus. Ich hatte ein Exemplar ergattert, das es nur in einer Saison gab. Nicht dieses Standardmodell, das es für weiß ich nicht wie wenige Taler an den Stränden der Türkei oder auf Malle tausendfach kopiert gibt.

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Vor Jahren fand ich den Gürtel gut. Heute sieht das anders aus. Die Mode ändert sich. Die eigene Einstellung ändert sich. Und so sehe ich den Gucci-Gürtel heute auch mit anderen Augen. Ein prolliges Stück Extravaganz. Ein bisschen Status zum Anziehen. Jedoch wirkt der Gucci-Gürtel an seinem Träger in der U-Bahn genauso fehlplatziert, wie ein Kaviarhäppchen an der Currywurstbude.

Gucci-Artikel werden tausendfach gefälscht. Im Internet gibt es mehr Plagiate als Originale. Dadurch sind auch die U-Bahnen und Straßen der deutschen Großstädte mit dem Gucci-Monogramm plakatiert. Überall Gucci – ob echt oder fake, schon fast egal. Gucci hat damit seinen Reiz verloren. Der Gucci-Gürtel ist nichts Besonderes mehr. Genauso wenig die T-Shirts, Caps und Taschen.

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Wenn ich heute einen Gucci-Gürtel sehe, ist er ein Indiz für schlechten Geschmack. Für jemanden, der etwas darstellen möchte, was er nicht ist. Vielleicht erinnert er mich auch an mich selbst, als ich 20 war und noch weniger als heute wusste, wer ich bin. In diese Riege reihen sich all die (schlecht gefälschten) Hermès-Gürtel, die Louis-Vuitton-Taschen und die Calvin-Klein-T-Shirts.

Wer sich einen Gucci-Gürtel umschnallt, der möchte ganz plakativ zeigen, dass er sich etwas geleistet hat. Und das finde ich so unsympathisch, wie für Abtreibungsverbote zu sein oder die Klimaerderwärmung zu leugnen. Wer wirklich Wert auf Qualität und Mode setzt, der greift zu anderen Labels, die nicht wie eine Neonreklame den Markennamen in die Welt hinausschreien.

Quelle: NOIZZ-Redaktion