Die rechtsextreme US-Gruppierung Proud Boys trägt am liebsten ein bestimmtes Fred-Perry-Poloshirt. Die Marke kämpft seit Jahrzehnten gegen die Unterwanderung durch Rassist*innen und Extremist*innen und will sich das nicht länger bieten lassen. Dabei ergreift die Lorbeerkranz-Brand eine ungewöhnliche Maßnahme.

Einige Modemarken haben es nicht leicht. Sie starten ihre Firma besten Gewissens, stellen tolle Klamotten her – und werden dann plötzlich zur Uniform von Gruppierungen mit zweifelhaften Werten.

Die besten Beispiele dafür sind Brands, die von Skinheads getragen werden. Die Skinhead-Subkultur hat ihren Ursprung in England und war zu Anfang unpolitisch. Erst in den 1970er Jahren spaltete sich eine rechtsextreme Gruppe ab, und der Bomberjacken-Neonazi, wie wir ihn in Deutschland kennen, war geboren. Er trug – wie sein harmloser Verwandter – Springerstiefel von Doc Martens oder Turnschuhe von New Balance, Bomberjacken von Alpha Industries, Kapuzenpullis von Lonsdale und Poloshirts von Fred Perry.

Doc Martens und Co. konnten nichts für die feindliche Übernahme, wurden durch sie aber kontaminiert. Was? Du trägst Lonsdale? Bist du etwa ein Neonazi? So ungefähr war das in den 90ern.

Neonazis und Fashion-Brands: Oft können die Marken nichts dafür

Das Verwunderliche daran ist, dass die Marken selbst oft gänzlich anderen Ursprungs sind. Lonsdale zum Beispiel war zu Beginn eine Sportmarke, deren Name auf fünften Grafen von Lonsdale zurückgeht, der sich Ende des 19. Jahrhunderts sehr um den modernen Boxsport verdient machte. Sie wurde von schwarzen Boxlegenden wie Muhammad Ali und Mike Tyson getragen.

Leider ergeben die mittleren Buchstaben ihres Logos "NSDA", sodass Neonazis sie gerne unter ihrer offenen Jacke tragen. Das "P" am Ende des Schriftzugs denken sie sich dann einfach dazu (sodass dort theoretisch "NSDAP" steht, die Abkürzung für Hitlers Nazi-Partei).

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Ähnlich erging es Fred Perry. Die hochpreisige Fashion-Brand geht auf den gleichnamigen Tennisspieler und dreifachen Wimbledon-Sieger zurück. Von den Skinheads fand die Marke dann ihren Weg zu den Neonazis. Sie tragen am liebsten das schwarze Modell mit weiß-rotem Kragen, da dies die Farben der Reichsflagge sind. Außerdem lieben sie das Markenlogo: den Lorbeerkranz. Dieser hat sich mittlerweile verselbstständigt und erscheint zum Beispiel gerne zusammen mit der Zahl "88" – ein Code für "HH", also "Heil Hitler".

Freddy Perry von Proud Boys unterwandert: "Unheimlich frustrierend"

Dieses Jahr wurde Fred Perry wieder einmal mit seinen fremdenfeindlichen Fans konfrontiert. Im Mai regten sich Twitter-User*innen darüber auf, dass die Brand auf Instagram schwarze Models postete. Jetzt sieht sich die Marke gezwungen, sich von Rassisten in den USA und in Kanada zu distanzieren.

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Bereits 2014 hatte nämlich Gavin McInnes, der Begründer einer ultrarechten Bewegung namens Proud Boys, dazu aufgerufen, auf Kundgebungen schwarz-gelb-gelbe Polos von Fred Perry zu tragen. Das Kleidungsstück wurde zur Proud-Boys-Uniform – inklusive Lorbeerkranz. Und auch in Europa bedienen sich Rechte dieses Farbcodes: nämlich die österreichischen Identitären.

Diese Farbkombi des klassischen Fred-Perry-Poloshirts tragen Proud Boys am liebsten
Proud Boys demonstrieren im Juli 2019 in Washington, D.C.

Nachdem die Proud Boys den ikonischen Lorbeerkranz vergangene Woche benutzten, um eine Kundgebung im US-Bundesstaat Oregon zu bewerben, reagierte Fred Perry. Offenbar war der Marke in Anbetracht der wichtigen bevorstehenden Präsidentschaftswahl im November ihr Geduldsfaden gerissen. Der Bekleidungsproduzent veröffentlichte auf seiner Website ein Statement, in dem die Unterwanderung seiner Mode und seines Logos als "unglaublich frustrierend" bezeichnet wird.

Fred Perry unterstützt die Proud Boys nicht und ist in keiner Weise mit ihnen verbunden.

Aber es bleibt nicht bei Worten. Die Marke hat angekündigt, das schwarz-gelb-gelbe Hemd in den USA und in Kanada nicht mehr zu verkaufen – "bis die Assoziation mit den Proud Boys verschwunden ist. In der gesamten britischen Geschichte, so heißt es weiter, seien ihre Shirts von zahlreichen Subkulturen, denen Menschen verschiedenster Ethnien angehörten, getragen worden, darunter Mods, Ska- und Northern-Soul-Anhänger*innen. "Wir sind stolz auf diesen Stammbaum und darauf, was der Lorbeerkranz in den vergangenen 65 Jahren repräsentiert hat: Inklusion, Diversität und Unabhängigkeit."

Übrigens: Die Ironie an der Geschichte ist, dass Firmengründer Fred Perry Jude war. Aber Intelligenz war ja noch nie ein Markenzeichen von Rassisten und Extremisten.

ml

  • Quelle:
  • Noizz.de