Solide Motive, leichte Hand.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Heute haben wir uns mit der Französin Emma Lola unterhalten. Die 23-Jährige hat bis vor Kurzem im Berliner Tattooshop "L.A.S Tattoo" gearbeitet, ab Januar findet ihr sie im ebenfalls in Berlin ansässigen Studio "Iron Cobra".

Emma beschreibt sich auf Instagram selbst als Baby Tattooer, angefangen hat sie nämlich erst vor eineinhalb Jahren. Ihren Motiven sieht man das nicht mehr an, Emma sticht wunderschönes Blackwork. Aber egal ob Drache, Panther oder Rosenmotiv: Trotz der dunklen Farbe sind Emmas Tattoos wahnsinnig filigran, sie schafft es, dem traditionellen Stil eine Leichtigkeit einzuhauchen, die man selten sieht.

Emma Lola

NOIZZ: Emma, wie hat deine Tattoo-Karriere ihren Lauf genommen?

Emma: Ich habe als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin angefangen – vor vier Jahren, da war ich 19 Jahre alt. Ich habe in den unterschiedlichsten Techniken gemalt und verschiedene Stile ausprobiert. Aber dann habe ich gemerkt, wie unzufrieden ich bin – sowohl was die Kreativität in diesem kommerziellen Umfeld angeht als auch die Beziehung zu meinen Kunden. Ich war total desillusioniert.

Parallel dazu habe ich meine spirituelle Seite entdeckt. Ich habe angefangen, meinen Körper wie einen Tempel zu behandeln, um den ich mich gut kümmern muss. Schon mit 16 hatte ich mich das erste Mal tätowieren lassen. Mir ist dann aufgefallen, dass das Tätowieren eigentlich alles beinhaltet, nach dem ich mich sehnte. Also habe ich im Sommer 2018 damit angefangen.

Wie würdest du deinen Stil selbst in 3 Worten beschreiben?

Emma: Zart, traditionell inspiriert, achtsam – auf spirituelle Weise.

Was ist das Schönste am Tätowieren?

Emma: Neue Menschen mit ganz eigenem Vibe kennenzulernen, mit denen man dann einen besonderen Moment ihres Lebens teilt!

Wie hast du zu deiner Ästhetik gefunden?

Emma: Mein Stil hat sich seit meinen Tattoo-Anfängen sehr verändert. Ich habe erst ziemlich minimalistisch gearbeitet, das hat mich dann zu einem Tarot-Style gebracht, detailliert und mit dünnen Linien, bis ich dann schließlich zu einem traditionelleren Stil gekommen bin.

Was war dein bis dato seltsamstes Tattoo-Request?

Emma: Ich wurde mal gefragt, ob ich jemandem eine braune Sommersprosse auf den Arm tätowieren könne – dabei war sein ganzer Arm schon voller Sommersprossen! "Nur für die Erfahrung", meinte er, kein Witz!

Und was das Schönste, oder das, was am meisten bei dir hängen geblieben ist?

Emma: Vor ein paar Monaten hatte ich die Gelegenheit, jemandem einen ziemlich großen Drachen auf den Oberschenkel zu tätowieren. Mein erster Drache, der bei mir in all seinen Entstehungsschritten eine Menge Gefühle offenbart hat. Dieses Tattoo ist für mich ein wichtiger Wendepunkt in meinem Schaffen.

Was treibt dich an?

Emma: Die großartigen Vibes, die ich jeden Tag von Menschen für das Zeichnen und Tätowieren bekomme. Und die Energie der Tattoo-Community, die ich durch internationale Guestspots und Treffen mit anderen Tätowieren erfahre.

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Welche Motive tätowierst du am liebsten?

Emma: Ich mag alle Designs, die man mit einer Single Needle stechen kann. Und alles, was an traditionelle Motive, egal aus welchem Kulturkreis, angelehnt ist, inspiriert mich.

Welches Motiv würdest du nie stechen?

Emma: Symbole, die meiner Ethik, meinen politischen oder spirituellen Werten widerspricht.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, wäre ich …

Emma: Die Frage stelle ich mir ehrlich gesagt gar nicht. Vielleicht eine Heilerin, die Naturheilkunde praktiziert. Oder Blumenverkäuferin. Aber irgendetwas mit Kunst müsste ich trotzdem machen.

Was war dein erstes Tattoo?

Emma: Mein erstes Tattoo habe ich mir in einem Laden in Montpellier, Südfrankreich stechen lassen: Eine Lilienblüte auf meinem oberen Rücken, das Symbol verbinde ich mit meiner Großmutter.

Und das Erste, das du je gestochen hast?

Emma: Das Erste habe ich mir selbst gestochen. Das Zweite habe ich dann direkt im Anschluss auf den Oberschenkel eines Freundes tätowiert, der mich von Beginn an supportet hat – in seiner Küche.

Was rätst du Leuten, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Emma: Du musst dich absolut sicher und wohl bei der Person fühlen, die dich tätowieren wird. Und du solltest das Gefühl haben, sagen zu dürfen, was dir an einem Motiv oder an einer bestimmten Platzierung nicht gefällt. Und natürlich rate ich immer, zu professionellen Studios zu gehen, die das nötige Fachwissen mitbringen und Hygiene-Standards erfüllen.

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Welchen Kollegen gibst du Props?

Ich mag Sara Kaltenhäuser in Berlin sehr gerne, ich trage einige große Motive von ihr auf meinen Beinen. Ich mag die Arbeiten von Faustink in Paris total gerne. Jordy Hooper sticht wundervolle Single-Needle-Tattoos in Hobart. Und Chingy Fringe und Alexis Hepburn, die an der Gold Coast in Australien arbeiten.

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Quelle: Noizz.de