#Girlboss.

Schon lange ist das Silicon Valley Geburtsstätte der neusten Trends, in Berlin platzen die Co-Working-Spaces vor angehenden Entrepreneuren aus allen Nähten, und Shows wie die "Höhle der Löwen" haben Gründen und Selbständigkeit endgültig in den Mainstream gebracht. Trotzdem ist Unternehmertum noch immer eine Männerdomäne: Der Anteil der Gründerinnen in Deutschland liegt laut dem "Female Founders Monitor" bei nur 15 Prozent.

Dabei sind Gründerinnen mit ihren Start-ups durchschnittlich sogar erfolgreicher als Männer: Die "Boston Consulting Group" fand 2018 in einer Studie heraus, dass Frauen aus jedem investierten Euro mehr als doppelt so viel herausholen als Männer. Höchste Zeit also, dass mehr Frauen gründen!

Beim "Instagram Shopping Pop-up-Store" in Berlin haben wir mit fünf Gründerinnen gesprochen, die den Sprung ins Unternehmertum bereits erfolgreich geschafft haben – und zwar mithilfe von Instagram. Warum sie sich dazu entschlossen haben, Female Entrepreneurs zu werden, vor welchen Schwierigkeiten sie gerade als weibliche Unternehmerinnen standen und welche Tipps sie angehende Gründerinnen geben würden – das alles haben sie NOIZZ verraten. Hier sind fünf Fragen an fünf Gründerinnen.

"Die Idee kam, als wir zusammen in Indien reisen waren und gemerkt haben, was für ein krasses Tabu die Periode dort ist"

The Female Company

The Female Company, Co-Founderin Ann-Sophie Claus

Gründerinnen: Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier

#1 Was macht euer Unternehmen?

The Female Company: Wir verstehen uns als Unternehmen für Bio-Perioden-Produkte. Generell fahren wir den Ansatz, dass wir den gesamten Markt enttabuisieren möchten, das heißt, wir sind relativ laut mit unserer Kommunikation. Gleichzeitig steckt ein Herzensprojekt dahinter: Als Social Business unterstützen wir pro Kauf Frauen in Indien.

#2 Was hat euch dazu bewegt, euer eigenes Unternehmen zu starten?

The Female Company: Ich war schon sehr lange in der Start-up-Szene unterwegs und wollte sehr gerne ein eigenes Unternehmen gründen. Die Idee kam, als wir zusammen in Indien reisen waren und gemerkt haben, was für ein krasses Tabu die Periode dort ist und dass wir gerne etwas gründen würden, was von Frauen für Frauen ist – was wirklich etwas bewirkt, was zurückgibt. Das Tabu hat uns so darauf gestoßen, dass wir Frauen alle unsere Periode haben und es cool wäre, dafür ein Unternehmen zu starten.

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#3 Vor welchen Schwierigkeiten steht man gerade als Female Entrepreneur?

The Female Company: Es kann sehr große Vorteile haben, und es hat manchmal auch Nachteile. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Wir haben insbesondere innerhalb der ersten eineinhalb Gründungsjahre superviel Aufmerksamkeit bekommen. Wenn zwei Frauen auf einer typischen Investoren-Konferenz auf der Bühne stehen, wo sonst nur Männer ihre Tech-Start-ups vorstellen, macht es ziemlich Spaß, so aus der Menge herauszustechen, und es gibt entsprechend viel Aufmerksamkeit.

Anstrengend wird es in der männerdominierten Finanzierungswelt. Es ist immer schwer zu sagen, ob man es jetzt wirklich schwerer hat als Männer. Aber du merkst schon gerade als Frau mit Perioden-Start-up: Das ist bei den 50-jährigen Investoren nicht gerade ein Thema, wo die sofort aufspringen und sagen: "Yeah, ich bin dabei!"

#4 Wie habt ihr Instagram für euer Unternehmen genutzt?

The Female Company: Sogar vor Gründung schon sehr aktiv. Ich würde sagen, wir sind ein Instagram-Brand, weil uns immer super wichtig war bei dem Perioden-Thema, dass wir als transparentes Unternehmen wahrgenommen werden. Wir haben uns im Februar 2018 gegründet, und seit November 2017 kannst du schon komplett verfolgen, was bis zur Gründung und dann darüber hinaus bei uns passiert ist: was gut gelaufen ist, was schief gelaufen ist. Dadurch schaffen wir es, supertransparent die Leute mitzunehmen.

#5 Was ist der beste Tipp, den du angehenden Female Entrepreneurs geben kannst?

The Female Company: Sich nicht zu verstellen! Was wir mittlerweile machen: Wir fahren komplett unsere Linie. Wir wissen genau, wen wir wollen und was wir verkaufen mit dem Produkt, was unsere Firma ist. Wer sagt, ihm passt irgendetwas nicht, dann passt es nicht. Also einfach geradlinig sein und an das glauben, was man jeden tag tut.

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>> Der ehrlichste Text, den du diese Woche über Perioden lesen wirst

"Wenn du überzeugt davon bist, dass die Welt das braucht, dann musst du einfach durchziehen."

UND GRETEL Naturkosmetik

UND GRETEL Co-Founderin Stephanie Dettmann

Gründerinnen: Christina Roth und Stephanie Dettmann

#1 Was macht euer Unternehmen?

UND GRETEL / Stephanie Dettmann: Und Gretel ist 100 Prozent zertifizierte dekorative Naturkosmetik. Wir haben eine komplette Make-up-Range. Alle Inhaltsstoffe sind natürlich. Bei uns gibt es keine Parabene, keine Mineralöle, kein Aluminium, keine Silikone, kein Mikroplastik. Wir haben zwei Pole sehr konsequent miteinander verbunden: Auf der einen Seite sehr reine, zertifizierte Inhalte und gleichzeitig einen Fashion-Anspruch. Es kommt nicht daher wie herkömmlich Naturkosmetik – die Sachen performen wie die Großen. Wir haben total intensive Farben, sind HD tauglich, sind Partner vom ZDF. Wir sind der Beweis, dass das zeitgemäße Kosmetik ist.

#2 Was hat euch dazu bewegt, euer eigenes Unternehmen zu starten?

UND GRETEL: Meine Geschäftspartnerin Christina hatte die Idee schon vor fast 15 Jahren. Aus ihrer Arbeit als Make-up-Artist ist der Wunsch entstanden, mit guten, gesunden Sachen zu schminken. Weil es die nicht gab, hat sie beschlossen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. 2009 hat sie mir von ihrer Idee erzählt. Ich war damals in der Werbung, aber habe gemerkt: Ich würde gern etwas Eigenes machen. Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht genau, was. Als sie mir von der Idee erzählt hat, fand ich sie grandios. Für mich war das eine sehr bewusste Entscheidung. Ich habe 12, 13 Jahre große Marken betreut, immer in Agenturen gearbeitet und wusste dann: Ich habe Lust, etwas Eigenes zu machen.

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#3 Vor welchen Schwierigkeiten steht man gerade als Female Entrepreneur?

UND GRETEL: Wir haben immer das Gefühl, uns aufs Neue beweisen zu müssen. Man hält nicht einmal inne, klopft sich auf die Schulter und sagt: Hey, well done! Sondern man ist immer so getrieben, hat auch mit mehr Selbstzweifeln zu kämpfen als Männer – gerade, wenn es um Themen wie Finanzierung geht.

#4 Wie habt ihr Instagram für euer Unternehmen genutzt?

UND GRETEL: Instagram ist eine wunderbare Plattform, um ein Produkt bekannt zu machen. Ich komme noch aus den klassischen Zeiten, in denen du wirklich viel Geld brauchtest für TV, Radio und Print. Instagram ist ein günstiges Medium. Dort tummelt sich die Community, die heutzutage entscheidend ist dafür, wie schnell eine Marke bekannt wird. Für uns ist Instagram das perfekte Zusammenspiel von online und offline. Offline wird es immer brauchen – gerade bei uns in der Beauty-Branche. Auch wegen Influencern und Markenbotschaftern ist Instagram die perfekte Plattform.

#5 Was ist der beste Tipp, den du angehenden Female Entrepreneurs geben kannst?

UND GRETEL: Wenn du diesen starken Glauben an deine Idee hast, wirst du immer Menschen finden, die dir folgen. Das werden auch die Richtigen sein. Also: Sich nicht abbringen lassen, wenn Selbstzweifel bestehen, Feedback einholen, einfach weitermachen und diesen Glauben nie vergessen. Wenn du überzeugt davon bist, dass die Welt das braucht, dann musst du einfach durchziehen.

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"Die Message, für die wir beide wirklich am meisten brennen, ist der Zusammenhalt unter Frauen."

OH APRIL

Oh April Co-Founderin Julia Zwingenberg

Gründerinnen: Carmen Kroll, besser bekannt als Carmushka, und Julia Zwingenberg

#1 Was macht euer Unternehmen?

OH APRIL / Julia Zwingenberg: Unser Mission-Statement ist: In girls we trust. Carmushka und ich haben die Brand gegründet. Wir wollten ein Fashion-Brand machen, aber mit Message dahinter. Die Message, für die wir beide wirklich am meisten brennen, ist der Zusammenhalt unter Frauen. Das zu stärken, "Get girls to support girls" zu leben,und auch eine gewisse Freiheit in einen Fashion-Brand mit hinein zu bringen. Wir kreieren Lieblingsteile, die für jede Frau sind.

#2 Was hat euch dazu bewegt, euer eigenes Unternehmen zu starten?

OH APRIL: Wir wollten etwas Eigenes machen und hatten schon genau im Kopf, wofür wir stehen wollen. Dann haben wir gesagt, lass uns eine neue Art von Fashion-Brand gründen, wo wirklich eine Message dahinter ist, womit wir viele Frauen erreichen und sich viele wohlfühlen, identifizieren können.

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#3 Vor welchen Schwierigkeiten steht man gerade als Female Entrepreneur?

OH APRIL: Als Frau setzt man sich selbst sehr unter Druck und sagt: Ich muss das jetzt auf jeden Fall beweisen, statt sich mit anderen Female Entrepreneurs zu verbinden, zu vernetzen, einfach so eine Base zu haben, wo man auf Verständnis trifft. Oftmals ist es wirklich so, dass es eine sehr krasse Männerdomäne ist. Deswegen ist auch so ein Event mit Instagram total schön, weil hier super viele Gründerinnen sind, mit denen man sich super vernetzen kann.

#4 Wie habt ihr Instagram für euer Unternehmen genutzt?

OH APRIL: Unsere Community, die wir auf Instagram haben, ist sehr, sehr stark. Wir stehen in regem Austausch. Das sind unsere "Girls of April". Wir lieben es, zu sehen, wenn sie unsere Styles anziehen, Fotos damit machen. Wir reposten das auch immer, damit auch wirklich so eine schöne Community entsteht.

#5 Was ist der beste Tipp, den du angehenden Female Entrepreneurs geben kannst?

Mutig sein, sich vernetzen, mit anderen Gründerinnen sprechen. Ich finde Instagram ist eine super Plattform – gerade wenn man ein visuelles Produkt launchen möchte, weil man direktes Feedback von seinen Kunden erhalten kann

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"Wenn man gründet, dann für eine Sache bzw. für die Kunden – nicht für sich selbst."

Makaro

Hanna Plank-Bachselten, Co-Founderin von Makaro

GründerIn: Hanna Plank-Bachselten und Matthias Eckmayr

#1 Was macht euer Unternehmen?

Makaro: Wir stellen sehr hochwertigen Schmuck her. Wir spezialisieren uns dabei nur auf goldenen Schmuck, der so günstig ist wie Modeschmuck, aber nicht verfärbt – wie echter Goldschmuck. Das ist unsere Nische.

#2 Was hat euch dazu bewegt, euer eigenes Unternehmen zu starten?

Makaro: Ich habe das Unternehmen mit meinem Lebenspartner gegründet. Wir kommen beide aus einem technischen Background. Wir haben das Unternehmen gegründet, weil ich keinen Schmuck finden konnte, den ich mir einerseits leisten kann und der andererseits nicht verfärbt. Das betrifft vor allem goldenen Schmuck. Bei Silber ist das nicht so das Problem, weil Silber relativ günstig und langlebig ist. Mit diesem Problem und unserem technischen Background haben wir uns gedacht: Dafür wollen wir eine Lösung finden.

Wir haben das gemeinsam mit Goldschmieden gemacht und eine Vergoldung entwickelt, die circa hundert mal so dick ist wie normale Modeschmuck-Vergoldungen und dadurch auch viel hochwertiger und langlebiger. Der Kern ist dennoch aus Messing, deshalb ist es günstiger. Es ist ein Mittelding aus Modeschmuck und echtem Gold.

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#3 Vor welchen Schwierigkeiten steht man gerade als Female Entrepreneur?

Makaro: Sehr oft wird man nicht so ernst genommen. Ich weiß nicht, ob man das nur auf das Frausein schieben kann oder es auch so ist, wenn man jung ist. Grundsätzlich als Unternehmer – ich habe ja auch einen Co-Founder, ist es so: Unser Team aufzubauen, schnellen Wachstum zu stemmen, das sind immer Schwierigkeiten.

#4 Wie habt ihr Instagram für euer Unternehmen genutzt?

Makaro: Wir haben es von Anfang an genutzt, und für uns spielt es eine sehr große Rolle, weil wir wirklich mit den Kundinnen – wir haben eigentlich nur Kundinnen, weil wir Schmuck für Frauen machen – persönlich in Kontakt treten. Für uns ist die Plattform – neben unserer Stores, wo wir direkt mit unseren Kunden vor Ort in Kontakt sind – die zweitpersönlichste Ebene.

#5 Was ist der beste Tipp, den du angehenden Female Entrepreneurs geben kannst?

Makaro: Mein Tipp: Wenn man gründet, dann für eine Sache bzw. für die Kunden – nicht für sich selbst. Zu gründen, bedeutet, sehr viel zu geben und sehr viel Arbeit in etwas zu stecken, an das man ganz stark glaubt. Zu gründen, weil man kein Chef mehr haben will oder weil man sich das alles leichter vorstellt – ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Mein Tipp wäre wirklich, beim Kundennutzen anzufangen, bei dem Sinn für die Welt.

Makaro auf Instagram und Online

"Man muss einfach allen Mut zusammennehmen und es ausprobieren – sonst weißt du nie, was daraus geworden wäre."

Hey Soho

Rechts: Elise Seitz, Gründerin von Hey Soho

Gründerin: Elise Seitz

#1 Was macht dein Unternehmen?

Elise Seitz: Ich habe ein Fair-Fashion-Label gegründet vor eineinhalb Jahren.

#2 Was hat dich dazu bewegt, dein eigenes Unternehmen zu starten?

Elise Seitz: Es ist aus einer Mutterpause entstanden, in der ich noch einmal reflektieren konnte, überlegen konnte, was ich im Leben will. Da entstand die Idee, weil mir immer etwas gefehlt hat, was öko ist und trotzdem cool. Für mich hat sich durch die Geburt meiner Kinder mein Kaufverhalten total verändert, weil man nicht mehr nur oberflächlich ein Produkt sieht, sondern sich Gedanken macht: Wie wurde es produziert, was sind das für Materialien, was landet davon in meiner Haut. Da es das damals nicht gab, habe ich gesagt: Ich mache das jetzt. Das war ein Versuch und wir sind ganz happy, wie toll das läuft.

#3 Vor welchen Schwierigkeiten steht man gerade als Female Entrepreneur?

Elise Seitz: Ich finde es manchmal schwierig, das Ganze mit dem Privaten zu vereinbaren. Bei mir ist zum Beispiel eine ganz große Thematik, dass man als Mutter auch das Familienleben managen muss. Aber wir schaffen das ganz gut.

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#4 Wie hast du Instagram für dein Unternehmen genutzt?

Elise Seitz: Instagram bedeutet für uns alles. 99 Prozent unserer Verkäufe laufen über Instagram. Wir haben mittlerweile auch Werbung in Zeitschriften und arbeiten mit Google zusammen, aber Instagram ist so ein riesiges Medium. Tatsächlich hat auch damals unser Verkauf mit Instagram gestartet. Wir sind überwältigt, welche Kreise Instagram zieht, weil wirklich der Hauptverkauf über Instagram kommt und von dem her extrem wichtig ist für uns.

#5 Was ist der beste Tipp, den du angehenden Female Entrepreneurs geben kannst?

Elise Seitz: Mein größter Tipp ist, es zu machen. Ich habe so viele Bekannte, Freundinnen, jüngere Leute, ältere Leute, die Ideen haben, sich aber nicht trauen oder sagen: Ich habe eine coole Idee: Ich mache das irgendwann. Aber dann macht es jemand anderes! So ging mir das auch oft, dass ich Ideen hatte, die ich nicht verwirklich habe. Hinterher habe ich gedacht: Ich hätte es genauso gut geschafft. Man muss einfach allen Mut zusammennehmen und es ausprobieren – sonst weißt du nie, was daraus geworden wäre.

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>> Balbina im NOIZZ-Interview – über starke Frauen, Sexismus und ihre Freundschaft zu Rapperin Ebow

  • Quelle:
  • Noizz.de