Alternative Beauty-Styles wandern gerade von Instagram in die Modewelt.

„We made it to Vogue!“ Selten hat man einen Alien so happy gesehen wie in der Story von Hannah Rose Dalton. Die „Außerirdische“ will sich normalerweise möglichst neutral geben; außerdem erschweren ihr kunstvolles Make-up und die Kleider aus Federn und Latex allzu starke Gefühlsausbrüche. Doch dann huscht doch ein Mona-Lisa-Lächeln über ihr Gesicht, als sie den Flur zur Vogue-Redaktion entlangläuft.

Die Designerin mit den fleischgewordenen High Heels (speziell angefertigte Silikon-Stiefel für 10.000 US-Dollar), dem nahezu kahlen Kopf und den schwarzen Augen, hat es von Instagram in den Fashion-Olymp geschafft. Sie ist Teil des Duos Fecal Matter mit ihrem Partner Steven Raj Bhaskaran und bringt es auf 400.000 Follower. Seit Mitte 2018 wird das Paar regelmäßig in Vogue-Artikeln gefeiert, erscheint auf der Fashion Week oder in Musikvideos wie „Fukk Sleep“ von A$AP Rocky. Damit gehört es zu den bekanntesten Vertretern einer neuen Beauty-Szene, die sich irgendwo zwischen modernem Drag, Goth und E.T. bewegt.

#dazedbeauty 

Das Londoner Lifestyle-Magazin Dazed ist daran nicht ganz unschuldig. Als im September 2018 sein Beauty-Ableger Dazed Beauty herauskam, wurde er zur Schnittstelle zwischen den Beauty-Performern auf Instagram und der Modeindustrie. Redakteure wie die bekannte Visagistin Isamaya Ffrench spüren Trends wie die Alien-Styles auf; kurze Zeit später findet man sie auch in Mainstream-Modemagazinen und auf Laufstegen wieder.

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Fecal Matter, Aun Helden oder Salvjiia treten zum Beispiel als schwangere Aliens auf; kurz darauf ließ Designer Xander Zhou seine Sommerkollektion 2019 von männlichen Models mit Babybauch präsentieren. Der Hashtag #dazedbeauty ist die Garantie dafür, dass neue ausgefallene Looks auch von den Großen gesehen werden.

Aus der Masse herausstechen

Neu ist das Phänomen nicht unbedingt. Berühmte Persönlichkeiten mit absolut verrücktem Make-up gab es auch früher; Club-Ikonen wie Leigh Bowery oder auch James St. James. Doch was passiert, wenn solche Idole täglich von Hunderttausenden am Smartphone verfolgt werden? Das krempelt den Kosmetikmarkt um: Wo früher einige wenige angesagt haben, wer Erfolg haben wird, entscheiden heute die Follower mit, wer Werbe- und Modelverträge bekommt.

Momentan sind das auffallend oft Menschen, die sich als besonders Einzigartig präsentieren. Sie stechen aus der Masse an schönen Instagrammern heraus. Letztes Jahr waren deswegen wohl Sommersprossen-Tattoos so angesagt, und weder Gesichtstattoos wie beim 2018 verstorbenen „Zombie Boy“ Rick Genest, noch Pigmentstörungen wie bei Winnie Harlow sind heute ein Hindernis, um als Gesicht für große Modemarken zu arbeiten. 

Vielfalt ist also offenbar auch für die Industrie interessant geworden. Mittlerweile tun es die meisten großen Kosmetikmarken Fenty Beauty von Rihanna nach, die erstmals Make-up für Frauen und Männern mit allen erdenklichen Hautfarben herausgebracht hat.

Alle wollen ein bisschen moderner wirken, verkaufen plötzlich ausgefallene Lidschatten, Lippenstifte und Augenbrauenstifte, klauen bei den Millennials von Instagram oder wollen sie am liebsten gleich mit an Bord holen. Aryuna Tardis – fast 100.000 Follower – hat mit ihren extremen Make-ups L'Oréal für sich gewinnen können und verkauft mittlerweile einen eigenen Luxus-Moisturizer. Das Puppenwesen Yazmin Bean hat eine eigene Make-up-Palette zum Nachschminken herausgebracht, Fecal Matter und Disturbed-Beauty-Queen MLMAL (melovemealot) jeweils eigene Mode-Kollektionen. Mittlerweile gibt es zig Direct-to-costumer-Marken, die durch die Faszination der Follower für Instagram-Stars gedeihen.

Auch wenn der Alien-Trend vielleicht bald wieder verschwindet – Instagram hat ja bekanntlich eine sehr kurze Halbwertszeit –, etwas bleibt: Schön und berühmt kann heute auch ein blasses Wesen mit Glatze sein. 08/15 ist over.

Quelle: Noizz.de