Wir haben mit den Machern von „Good on You“ gesprochen.

Hauptsache, billig, Hauptsache, immer erhältlich und im neuesten Trend. So kaufen wir heutzutage unsere Klamotten.

Wir verbessern unser Gewissen mit dem Gedanken, dass wir selber nicht genug Geld haben für fair hergestellte Klamotten, dass ich als einzelner Verbraucher sowieso keinen Unterschied mache, und überhaupt: Es sind doch alle Hersteller gleich scheiße – ob ich nun fünf oder 50 Euro für mein Shirt ausgebe.

Wie viel denke ich beim shoppen über die Umwelt nach? Foto: Gyorgy Bakos / unsplash.de

Dabei vergessen wir oft die Konsequenzen. Im Jahr 2013 stürzte der Rana Plaza in Bangladesch ein: Mit 1135 Toten und über 2400 Verletzten war es der schwerste Fabrikunfall des Landes und noch bis heute einer der lautesten Weckrufe für die unmenschlichen Zustände der modernen „Fast Fashion“ von H&M, Zara und Co.

Gegen das Vergessen der Konsequenzen kämpfen die Gründer der App „Good on You“(Erhältlich im App Store und Google Play), die dem naiven Shopper eine Möglichkeit bieten will, nachhaltig und fair zu shoppen – und das ist viel leichter, als gedacht.

Die App besteht aus einer Sammlung an Modelabels, die auf ihre Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen überprüft und schließlich mit einer Bewertung versehen werden.

Ich lade mir die App runter und suche nach meinem momentanen Dauerbrenner: Monki. Und bin sofort schockiert. Der erste Satz:

„Monki is owned by H&M Hennes & Mauritz“

Bitte was?

Ich merke erst beim Weiterencruisen durch die App, wie wenig ich eigentlich über die Marken weiß, mit denen ich täglich meinen Körper bekleide. Monki, zusammen mit dem Eigentümer H&M, ist mit 3/5 Punkten bewertet. Hätte ich schlimmer erwartet. Größtes Manko ist die Verwendung umweltschädlicher Materialien, relativ gut hingegen die Arbeitsbedingungen für die Näherinnen und Näher.

Augen auf beim Klamotten-Kauf Foto: Becca McHaffie / unsplash.de

„Good on You“ bietet außerdem die Möglichkeit, ähnliche Marken zu finden, die in ihrer Bewertung allerdings um einiges höher eingestuft werden. Ich entdecke eine Bandbreite an Marken, auf die ich ausweichen kann, von keiner habe ich jemals gehört.

„Kuyichi“, No Nasties, MUD Jeans – alles Marken, die in der gleichen Preiskategorie umweltbewusster produzieren.

Die Macher wollen Verbraucher aufklären.

Gordon Renouf, einer der Gründer der App, redet mit uns klipp und klar über gute Marken, schlechte Marken und darüber, wieso Fashion wie Ernährung ist.

Unterschätzt in Hinblick auf Umweltfreundlichkeit sind unter anderem G-Star Raw und C&A sowie die Eigentümer von Gucci und Balenciaga. Sie wollen die Nummer eins in Sachen nachhaltige Mode werden. Trotzdem haben selbst diese Marken noch einiges vor sich, was humane Arbeitsbedingungen betrifft.

Oftmals denkt der Verbraucher, dass ein hoher Preis auch automatisch der Preis für eine höhere Qualität und bessere Arbeitsbedingungen sei. Das täuscht, sagt Mitgründer Renouf. Gerade Marken wie Ralph Lauren, Chanel und Michael Kors reden gerne über Nachhaltigkeit – ohne den Inhalt zu verwirklichen.

Luxus Marken bauen oft auf unluxuriöse Arbeitsbedingungen. Foto: Anna Utochkina / unsplash.de

Wenn „Good on You“ eine Marke niedrig bewertet, dann ist das nicht als Bestrafung gemeint, sondern als Druck auf die Marke, ihre Produktionspraktiken zu überarbeiten.

„Das Schlüsselelement zur Veränderung der Fashion Industrie sind die Konsumenten, die verstehen, wie viel Einfluss ihre Handlungen auf ihre Marken haben“, erklärt uns Renouf.

„Diese Generation ist die erste, die Information über alles und jeden an ihren Fingerspitzen herwünschen kann. Endlich verstehen Fashion-Marken, dass schöne Klamotten allein nicht reichen – die Menschen wollen auch wissen, wo sie herkommen.“

Renouf sieht viele Ähnlichkeiten zwischen der Fashion-Industrie und der Essensindustrie. Früher haben alle einfach irgendwas gekauft. Renouf spricht bei diesem Phänomen von einer „Obsession“. Nun, ähnlich zum Trend des „Clean-Eating“, fangen die Verbraucher an, aufzuwachen: Was ist das, wo kommt es her, was macht es mit dem Planeten?

Renouf sagt: „Mehr und mehr Verbraucher vermeiden undurchsichtige Marken und bevorzugen ethisch-bewusste Marken, wenn sie sie finden. Das macht allen anderen Marken enormen Druck, sich zu bessern. Unsere Vision ist eine Welt, in der die Verbraucher die Marken zwingen, nachhaltig und fair zu handeln.“

Momentan haben die App-Hersteller 2.000 Marken bewertet. Bald werden es über 10.000 sein. Bewusstes Einkaufen muss weder kompliziert noch teuer sein, aber existent. Den Wandel der Modebranche haben wir mit in der Hand – und Apps wie „Good on You“ helfen uns, diese Macht anzuwenden.

Quelle: Noizz.de