"Verstehen Sie Spaß?" lässt grüßen.

Es war ein wenig ruhig geworden um Deutschlands umtriebigsten Männer-Fashion-Blog "Dandy Diary", nachdem Carl Jakob Haupt, die eine Hälfte des Duos, im April dieses Jahres mit 34 Jahren an Krebs gestorben war. Sein Ableben war in vielerlei Hinsicht tragisch – die "Welt" hatte damals seinen literarischen Nachlass veröffentlicht.

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Jetzt hat David Kurt Karl Roth, Haupts damaliger Kompagnon, gezeigt, dass es "Dandy Diary" noch gibt beziehungsweise, dass der Tod seines langjährigen Partners nicht das Ende des ungemütlichen Fashion-Blogs bedeutet (wenngleich er natürlich – das muss betont werden – nie mehr auch nur annähernd derselbe sein wird). Hatten die beiden es sich regelmäßig zur Aufgabe gemacht, das Mode-Establishment hinters Licht zu führen und dergestalt zu hinterfragen, macht die neueste "Dandy Diary"-Aktion genau dort weiter.

Um es kurz zu machen – und die Überschrift hat es ja bereits verraten: Der Blog hat dem Hamburger Luxuskaufhaus "Alsterhaus" einen falschen Scheich mitsamt seinen drei Frauen untergejubelt. "Unser Scheich wird vorab per E-Mail und Telefon glaubhaft angekündigt, dementsprechend gebührend fällt sein Empfang aus", schreibt "Dandy Diary" dazu in der Beschreibung des gut 10-minütigen Videos.

Denn: Der Fake-Scheich und seine Fake-Frauen tragen jeweils eine versteckte Kamera – und schon nimmt der Streich seinen Lauf.

Unglaublich, was für ein Aufwand für den Scheich betrieben wird: Eine Handvoll Kaufhaus-Mitarbeiter begleitet den mutmaßlichen Superreichen und assistiert ihm nicht nur beim klassischen Shopping. Sie kratzen ihm den Rücken, ziehen ihm Socken an und tragen ihn am Ende sogar noch hinaus – sprich: Sie lassen alle Mutmaßungen des vermeintlichen VIP-Kunden geduldig über sich ergehen.

Auch seine frauen- und schwulenfeindlichen Sprüche nehmen sie kommentarlos hin. Es ist zum Gruseln.

Dabei weiß man eigentlich gar nicht, was am Schlimmsten ist: Dass der Schwindel als glaubhaft angenommen wird und man einem Scheich ein solches Verhalten und solche Aussagen also abnimmt? Dass sein Verhalten und seine Aussagen einfach so hingenommen werden? Oder ist es die Art und Weise, wie man glaubt, einen solchen Scheich offenbar behandeln zu müssen?

Das Kunstmagazin "Monopol" findet, dass "die vermeintliche Entlarvung am falschen Ende des Systems an[setzt]: bei den Angestellten, die vielleicht aus Sorge um den Arbeitsplatz einiges hinnehmen, statt bei den Entscheidern auf höherer Ebene". Deshalb sei die "Dandy Diary"-Satire vor allem "ein böse[r] Streich, der zunächst einmal und vor allem Vorurteile reproduziert".

Hm, joa, kann man so schreiben. Wir sehen in dem Video erst einmal einen Ausflug nach Absurdistan. Und sind die zehn Minuten gerne mitgereist.

ml

Quelle: Noizz.de