Das rassistische Designer-Duo hat sich mit dem falschen Land angelegt.

Ein Model, das Pizza mit Stäbchen isst, trump'eske Beleidigungen gegenüber dem chinesischen Volk und fadenscheinige Entschuldigungen: Das Designer-Duo Dolce & Gabbana hat sich gerade ganz schön in die Scheiße ... äh ... in einen Shitstorm geritten.

Und der ist so ausgeartet, dass die chinesische Regierung nicht nur die für heute geplante D&G-Modenschau in Shanghai gestrichen hat, anscheined müssen sich die Designer sogar vor der chinesischen Polizei verantworten. Wait, what?

Aber von vorne.

Im Rahmen der #DGlovesChina-Kampagne des italienischen Luxuslabels sollte heute eine riesige Modenschau in Shanghai stattfinden. Und wenn ich riesig schreibe, meine ich riesig: 500 Looks waren geplant – ein Mammutprojekt, das seit Wochen auf sozialen Netzwerken angekündigt worden war.

Nun denkt man doch, dass ein (einst) prestigeträchtiges Modelabel wie Dolce & Gabbana alles daran setzen würde, den Kulturkreis, dem es eine gesamte Kollektion widmet, möglichst respektvoll darzustellen. Und gerade in Zeiten, in denen kulturelle Aneignung ein heiß diskutiertes Thema ist, sollte auch dem Letzten in der Modebranche klar sein, wie riskant es für die eigene Marke ist, in kritische Fettnäpfchen zu treten.

Tja, Dolce & Gabbana hat dieses Memo anscheinend immer noch nicht erhalten – oder es mit italienischem Stolz verdrängt.

Nur so lassen sich die Videoclips erklären, die die Marke vor wenigen Tagen auf Weibo – dem chinesischen Pendant von Twitter – und auf Instagram verbreitete.

In ihnen sitzt eine westlich gekleidete asiatische Frau (Gerüchten zufolge ein koreanisches Model) jeweils vor Pizza, Spaghetti und Canneloni. Mit Stäbchen in der Hand versucht sie, das „fremde“ Essen zu verspeisen – und stellt sich dabei, man kann es leider nicht anders sagen, (natürlich gewollt) extrem doof an.

Auf dem Off erhält sie derweil von einer männlichen Stimme Anweisungen, wie sie das Essen richtig zu essen habe. Besonderer Fremdschäm-Moment: Die absichtlichen Versprecher des Kommentators bei englischen Worten – die ihn, stellvertretend für das komplette chinesische Volk, zum direkten Klischee des ungebildeten „Flühlingslollen-Chinamann“ machen.

Eine shitty Comedyshow, die auf die schlimmste Form von „Humor“ setzt: rassistisches Runtermachen und die stumpfe Stereotypisierung eines fremden Kulturkreises. Wertschätzung, Respekt oder eine tiefere Auseinandersetzung mit der chinesischen Kultur? Fehlanzeige.

Der Shitstorm folgte natürlich promt – denn tausende Chinesen fühlten sich in ihrem Nationalstolz verletzt. Zu recht. Sich als Modelabel eine fremde Kultur anzueignen, um aus dem „Hommage“ Profit zu schlagen und diese dann durch den Dreck zu ziehen? Kein kluger Schachzug.

Schlimmer machte den eh schon brodelnden Ärger der Beteiligten schließlich Stefano Gabbana. Der 56-Jährige, der in den letzten Monaten nicht nur Selena Gomez öffentlich als hässlich beleidigte und Melania Trump als „tolle Frau“ bezeichnete, sondern auch schon Boykott-Vorwürfe der LGBTQ-Community auslöste (er hatte Leihmutterschaft bei homosexuellen Paaren als falsch bezeichnet), musste noch einen oben drauf setzen.

In einer privaten Instagram-Kommunikation kritisch zu der Idee hinter der problematischen Werbeaktion gefragt, ließ der italienische Hitzkopf die Maske fallen, um seine rassistische Meinung gegenüber Chinas ein für alle mal klarzustellen.

Er bezeichnet Chinesen nicht nur als „dumm“ und das Land als „schmutziges, stinkendes Mafia-Land“. Nein, er springt sogar auf den trumpischen Shithole-Zug auf, und versucht mit dämlichen Klischees à la „Chinesen essen Hunde“ zu erklären, dass er ja gar nicht rassistisch sei.

Das brachte das Fass zum Überlaufen: Über hundert Models boykottierten die Teilnahme an der Show, geladene chinesische Prominenz sagte wieder ab. Und dann griff auch noch die chinesische Regierung ein: Das „Cultural Affairs Bureau“ ließ die Modenschau kurzerhand platzen.

Gerüchte über ein staatliche Untersuchung des Falls und ein Aufeinandertreffen zwischen der chinesischen Polizei und dem Designerduo stehen im Raum.

Die chinesische Regierung versteht scheinbar keinen Spaß, was Rassismus angeht ... Foto: @diet_prada / Instagram

Eigentlich müsste einem Domenico Dolce wirklich leid tun, bei so einem Kollegen. Auf der anderen Seite: Wie kann es sein, dass einer der prominenten Köpfe eines der bekanntesten Luxushäuser der Welt imstande ist, sich derart zu verhalten? Sollte da nicht längst die PR-Abteilung die Reißleine gezogen haben? Das Management diesen Ekel vom Chefsessel stoßen? Doch denen fällt nichts Besseres ein, als die rassistischen Auswüchse Gabbanas (und die eigenen problematischen Videoclips) mit einem Hackerangriff zu entschuldigen.

Eine lächerlich lahme Ausrede.

Besonders pikant an der Sache: Der chinesische Markt gehört zu den wichtigsten Abnehmern für Luxusgüter weltweit. Diese Zielgruppe zu verlieren, ist wirtschaftlich extrem riskant für das Unternehmen. Wenn Dolce & Gabbana weiterhin so seine beste Kundschaft vergrault, würde es mich nicht wundern, wenn das Unternehmen bald Insolvenz anmelden muss. Irgendwie wäre es fast wünschenswert. Sorry not sorry.

Quelle: Noizz.de