Ja, sie macht Schleichwerbung. Anerkennung verdient sie trotzdem ...

Kaum ein Artikel hat in den letzten Tagen in meinem näheren Umfeld für so viel Aufregung gesorgt wie jenes Interview, welches das Manager Magazins mit Super-Influencerin Caro Daur geführt hat.

Für alle, die es nicht mitbekommen haben, hier ein kurzer Recap: In dem Interview sollte es mal wieder (keine Wertung, einfach ein Fakt) um Frau Daurs Werbeinnahmen gehen. Wo und wofür sie wie viel Geld bekommt, wie viel sie überhaupt im Jahr verdient und ob sie der Meinung sei, dass ihre Werbe-Posts richtig gekennzeichnet seien.

Aber: Hätte, hätte, Fahrradkette – Frau Daur verweigerte die Antworten. Daraufhin veröffentlichte das Manager Magazin ebendiese unbeantworteten Fragen.

So weit, so gut – oder eben schlecht, wenn man mich fragt.

Ich finde nämlich, dass durch dieses ganze Interview nicht nur Frau Daur sondern eine ganze Branche lächerlich gemacht wird.

Warum wurden diese unbeantworteten Fragen so gepusht?

Okay, bis zu einem gewissen Grade verstehe ich es ja: Das Thema Schleichwerbung bei Instagram nervt. Ebenso nervt es, wenn man sich für ein Interview schöne Fragen zurechtgelegt hat und diese dann einfach nicht beantwortet werden.

Aber warum Fragen wie „Wie viel bekommst du für einen Post“ und „Wie hoch ist dein Jahreseinkommen“ angehängt werden mussten, ist mir ein Rätsel. So gut wie niemand würde auf solche Fragen antworten. Vermutlich darf Caro auch nicht einmal darüber reden, selbst wenn sie es wollte. Und, wie die meisten Kommentatoren anführen: Wer würde schon gerne öffentlich über sein Gehalt reden?

Warum wird Caro Daur so von oben herab behandelt?

Da ich selber Journalistin und so wie Frau Lang auch eine Frau bin, weiß ich, was es bedeutet, wenn man nach einer Antwort des Gegenübers mit „Aha“ reagiert.

„Aha“ heißt: Erzähl du mal, was du willst, auch wenn es Bullshit ist. Passt schließlich gut in meinen Artikel. So rede ich zum Beispiel mit Anti-Feministen. Natürlich ist das jetzt bloße Unterstellung – aber nicht zuletzt bin ich bei weitem nicht der einzige Mensch (die einzige Frau), die das bei diesem Text so sieht.

Es bleibt ein fader Beigeschmack, vor allem, weil zu keinem Zeitpunkt die Leistung von Caro Daur gewürdigt wird, die unfassbar erfolgreich ist und dennoch alles alleine und ohne Managment regelt.

(UND NEIN: Ich finde nicht, dass alleine die Tatsache, dass sie im Manager Magazin ist, diesen Punkt aushebelt.)

Warum nur sie?

Grundsätzlich fragt man sich unwillkürlich, gerade wenn man in der Branche aktiver ist, ob es sich hier mal wieder um einen Fall handelt, in dem der Job „Influencer“ abgetan wird.

Natürlich macht sie Schleichwerbung, natürlich hat sie „nur“ schöne Fotos und zieht sich gut an. Aber auch das ist nun einmal ein Job – und kein sehr einfacher, wie etwa 2 Millionen scheußliche Insta-Accounts mit 70 Followern zeigen.

Desweiteren gilt: Auch wenn es bei dem Thema besonders interessant ist: In keinem der willkürlich von mir ausgewählten Interview im Manager Magazin wurde einer der Top-Manager nach seinem Stundenlohn gefragt. IN KEINEM.  

Verteidigen will ich Caro gar nicht, denn schlussendlich sprach das Interview ja für sich – immerhin konnte sie nicht in einem Satz beschreiben, was sie eigentlich tut.

Und ich verstehe, dass man das auch ganz anders sehen kann: Das Interview ist gekonnt, es ist der Job eines Journalisten die Menschen so hart anzugehen und wenn man Fragen rauskürzt, dann muss man mit so einer Reaktion rechnen. Find ich alles nachvollziehbar – aber leider eben auch kacke.

Quelle: Noizz.de