Corona zwingt uns, unsere Wohnungen und Zimmer zu hüten, weshalb wir uns gezwungenermaßen mit dem eigenen Konsum auseinandersetzen müssen und uns all der Kram ins Auge fällt, der von uns Besitz ergriffen hat. Deshalb rufen wir dazu auf, die Isolation zu nutzen und mal kräftig auszuräumen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat die japanische Aufräum-Heldin Marie Kondo mit ihrem Ausmiste-Wahn in Buch- und Netflix-Format für gigantische Müllladungen gesorgt und so, wie ich das aktuell verfolge, fangen nach nur einer Woche Quarantäne schon viele Leute an, ihre eigenen vier Wände nebst Inhalt zu verfluchen. Diese 24/7 Drinnengeblieben-Nummer stellt uns und all unser Zeug auf die ultimative Zerreißprobe.

Ständig ist man am Aufräumen, und kaum hat man das Geschirr zurück in die Küche gestellt, läuft man schon wieder mit einer Tasse von A nach B, vergisst Notizbücher, verteilt Post-its, nimmt die Decke mit, schmeißt sie wieder weg, zieht Dinge an und wieder aus, zündet Kerzen an, vergisst sie, rollt übers Sofa, schmeißt Kissen auf den Boden, krümelt alles voll und erstickt im Wahn, der aus unserer nicht ganz so toll kuratierten Ansammlung an Dingen resultiert. Also ran an die Schränke und losgeht das große Ausmisten. Doch Obacht, auch Aussortieren will gelernt sein, also behaltet diese Tipps und Tricks im Hinterkopf!

The Spark of Joy mit einem guten Vibe

Laut Marie Kondo, soll man alles rausschmeißen, was keine Freude bereitet. Ich würde sagen, liebe Marie, ganz so einfach ist es nicht, denn dann würde mein Schrank nur mit gelben T-Shirts und bunten Hosen gefüllt sein und essenzielle Basics wären verschwunden, ich hätte kein Putzregal, keine Wäschetruhe, keine Akten und keine Ablage und alles wäre in Windeseile weg. Also geht besonnen an die Sache ran! Das weiße Unterhemd und die Kniestrümpfe, werden euch wohl kaum ein Lächeln ins Gesicht zaubern, doch würde hier mit Sicherheit eine Lücke entstehen, die ihr schnell wieder füllt.

Symbolbild Chaos

Erschwerend kommt hinzu, dass der Durchschnittsmensch nach 10 Minuten ausmisten maximal angepisst ist, vor allem wenn man erst mal alles auf einen Stapel haut, der schon aus der Ferne 'Überforderung' schreit und ehe man es sich versieht, hat man vor lauter Wut Dinge weggeben, die einem doch ganz schön am Herzen lagen. Also seit nicht zu streng mit euch. Nehmt euch eure Regal, Schubladen und Kleiderstangen stückchenweise vor, macht eine starke Playlist dazu an und gebt euren Dingen auch die Möglichkeit euch wirklich glücklich zu machen – schließlich haben wir dieser Tage Zeit dafür.

Kein 'Aber' beim Kleiderschrank

Gerade merkt jeder wohl besser als je zuvor, welche Klamotten man WIRKLICH gern trägt. So sehr ihr euch keinen Druck beim Ausmisten machen solltet, so ehrlich solltet ihr auch mit euch selbst sein. Wenn dieser wunderschöne Pullover kratzt, dann kratzt er. Wenn diese eine Hose, zwar elegant fällt, aber komplett zerknittert, sobald man sich hinsetzt und euch das stört, dann raus damit. Manchmal reicht es leider nicht, seine Dinge zu lieben, manchmal müssen einen die Dinge zurück lieben und wenn ihr euch in diesem einen schulterfreien Top die Arme einschneidet, dann ist es leider nicht genug, dass ihr es gerne habt.

Alle, die noch ein bisschen radikaler sind, ohne in eine Krise zu geraten, können gleich die schönen Dinge aussortieren, die so schön sind, dass sich Duplikate ins Leben geschlichen haben. Ich liebe Bandshirts und habe einen ganzen Haufen, und trotzdem habe ich da meine absoluten Favoriten und entscheide mich zwischen diesen Shirts, doch immer für dieselben zwei. Ähnliches gilt für meine Jute-Beutel und Rucksäcke. Sogar in der Küche habe ich zwei Lieblingstassen, zwischen denen ich wechsle, eine liebste Schüssel und Gläser.

Symbolbild: Kram

Ein Style-Konzept muss her

Es ist gut, ein Style-Konzept zu haben und irgendwann an den Punkt anzukommen, wo es gar nicht mehr schwerfällt, Outfits zu finden, weil alles so schön zusammenpasst. Auch hier ist die große Regel: Überfordert euch nicht! Wer mit dem Minimalismus liebäugelt, dem wird sicher aufgefallen sein, dass viele einen ähnlichen Style haben, ganz einfach, weil alles mit alles kombinierbar sein sollte, was deine Farbpalette ganz schön einschränkt. Ganz so strikt muss man das nicht umsetzen. Aber seine Farbauswahl ein wenig einzuschränken und anzupassen ist ein guter Anfang. Zumindest zwei Farben sollte man für sich selbst vielleicht einmal ausschließen und aus dem Schrank werfen.

Widmet euch auch mal den verschiedenen Schnitten. Allein in der T-Shirt-Sektion gibt es so viele Möglichkeiten, dass einem schnell der Kopf schwirrt, wenn man sich damit auseinandersetzt. Schaut, welche Passform ihr an euch mögt, und was für Schnitte vielleicht nicht so für euren Körper oder euer Wohlbefinden gemacht sind. Auch da solltet ihr vielleicht einfach mal schauen, was für Teile in der Isolation zum Dauerbrenner wurden, denn nicht ohne Grund leben wir gerade im Comfy-Clothes-Himmel, also zieht eure Schlüsse daraus und achtet in Zukunft auf eben diese Kriterien.

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Gleiches gilt selbstverständlich für die Wohnung. Habt ein klares Farbkonzept und achtet auf einen einheitlichen Stil, denn anders als bei euren Outfits, die ihr täglich wechseln könnt, schafft ein zu großer Stilmix in der Wohnung einfach viel Unruhe. Nutzt die Zeit, um auf eBay Kleinanzeigen zu stöbern und vielleicht einige Möbelstücke, die zwar schön sind, aber an denen man sich etwas stört oder die einfach unpraktisch sind, dort zu verhökern. Dabei natürlich auf ausreichend Abstand achten und vielleicht die Stücke auch vor dem Weggeben noch einmal desinfizieren, um sicher zu sein, oder eben einen späteren Zeitpunkt ausmachen. Selbstverständlich könnt ihr auch Teile neu lackieren, eure Holzregale mal richtig entstauben und pflegen, sodass die neue Ordnung wirklich überall Einzug erhält.

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Easy Access

Ein simpler Tipp, der trotzdem nicht beherzigt wird: Dinge, die ihr oft braucht, sollten auch einfach zu erreichen sein. Deshalb sollte man auch im Kleiderschrank zu den verschiedenen Jahreszeiten umsortieren und kann so gleich ein kleine Ausräum-Routine entwickeln. Es gibt auch den Ansatz seinen gesamten Style auf die Saison auszurichten und den Rest an anderen Orten zu verwahren. Auch Kleinkram, der notwendig ist, kann in Boxen nach Gebrauch sortiert werden und so einen geeigneten Platz finden, an den man immer schnell kommt. Das Gleiche gilt in der Küche, im Kühlschrank mit eurer Kabelschublade oder im Bücherregal.

Zu verschenken

Erinnerungsstücke

Es tut manchmal weh, Geschenke auszusortieren oder eine kleine Figur, die nur noch einstaubt, wegzugeben, weil man früher gerne damit gespielt hat. Auch hier, bloß nichts erzwingen, und auf keinen Fall wegwerfen. Für Erinnerungen habe ich eine Kiste, wenn darin Platz ist, super - hinein damit und ab und an mal anschauen nicht vergessen. Manche Dinge passen da aber nicht rein, so wie die zwei Teddybären, mit denen ich so gerne Tee-Party gespielt habe. Aber weil ich die zwei liebe, muss ich sie loslassen. Denn wenn "Toy Story" uns etwas beigebracht hat, dann dass unsere Kindheitssachen eine Seele haben, die bespaßt werden möchte. Also weitergeben und vorher ein Foto machen und ein paar Sätze dazu aufschreiben. Schließlich haben genug in der Isolation den Luxus der Zeit und das Schwelgen in Erinnerungen tut wunderbar gut.

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Nachhaltigkeit

Bevor ihr jetzt mit Stapeln und Kisten zum Müll rennt, drückt erst mal auf die Bremse. Denn ausmisten ist nur dann wirklich gut, wenn man es mit Köpfchen tut und nicht einfach sein überschüssiges Zeug in die Tonne wirft. Es gibt etliche Stationen, wo ihr jeglichen Kram loswerden könnt: Insbesondere Wohlfahrtsstationen und karitative Einrichtungen, denn die haben nicht nur Interesse an Klamotten, sondern auch an Geschirr und jegliche Einrichtungsgegenstände. Gerade Dinge für Kids werden mit offenen Armen empfangen. Dinge, die allerdings kaputt sind, solltet ihr dort nicht hinbringen, das erspart dem Personal dort viel Arbeit. Lieber einen kurzen Ausflug zur Recyclingstation, denn da kann zum Beispiel aus Stoffen noch Dämmmaterial gewonnen werden.

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Transit-Stationen

Ich persönlich liebe es, Dinge in Netz zustellen, die nach wie vor an ihrem Platz in der Wohnung stehen, bis sie verkauft sind. So gehen die Teile Stück für Stück und es gibt keine Lagerprobleme für plötzliche Kisten. Dafür sollte man aber einen guten Überblick behalten. Auch bei Klamotten setze ich auf den Transit-Stapel an Teilen, die ich zwar mag und noch anziehen würde, aber die ich zu selten trage und oft vergessen. Meistens freue ich mich mehr über die paar Kröten, als darüber das Teil wieder anzuziehen.

Kleiderkreisel und eBay Kleinanzeigen sind eure besten Freunde! Kommt weg von dem Gedanken, dass von heute auf morgen alles weg muss, schließlich wollt ihr ja auch nicht, dass zu der aktuellen Einsamkeit auch eine räumliche Leere hinzukommt. Also stellt den Kram ins Netz. Achtet auf gute Lichtverhältnisse für die Fotos, denn die sind das A und O. Der Hintergrund sollte schlicht sein und aufgeräumt, damit das zu verkaufende Stück auf wirklich im Fokus steht. Bei Kleiderkreisel gibt es auch eine Tauschfunktion und gerade bei Anziehsachen, aus denen man herausgewachsen ist oder die nicht mehr eurer Farbpalette, Stil oder Passform entsprechen, könnt ihr selbst auf die Suche gehen und Tauschgeschäfte anbieten.

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Bei Designer-Stücken lohnt es sich, die Teile auf beiden Plattformen einzustellen und dank der Zeit, die wir momentan haben, floriert der Second-Hand-Onlinehandel derzeit sehr. Wenn ihr Dinge verschenken möchtet, ist auch Facebook eine gute Adresse, denn da gibt es Nachbarschaftsgruppen und der Handel läuft meist zivilisierter und zuverlässiger ab, als auf eBay, wo die Anonymität ziemlich schnell um sich schlägt.

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Auch Bücher, könnt ihr über einige Seiten verkaufen, denn manche nicht jede Geschichte ist zum mehrmaligen Lesen geeignet. Einige Handel bieten dir sogar einen Abholservice an, worauf ihr derzeit eventuell verzichten solltet, oder die Kontaktbestimmungen dringend befolgen solltet. Außerhalb der Isolation könnt ihr selbstverständlich auch auf die Flohmarktsaison warten oder Kleider-Tausch-Parties besuchen.

Lektion lernen

Die Lehre der ganzen Aktion, die uns bestimmt schon mehrfach erteilt wurde, sollte sein: Kauft weniger! Füllt die Lücken gezielter, nachhaltiger oder einfach gar nicht, denn Platz ist schön und Übersichtlichkeit strahlt Ruhe aus. Das muss nicht immer mit großen Ausgaben verbunden sein oder Qualitätsinvestitionen, wie der Tauschhandel ja beweist. Wenn ihr in Frustshopping verfallt, schaut in Foren nach gebrauchten Dingen. Macht euch eine Liste, an Dingen, die ihr aussortiert habt und die ihr zu selten, bis gar nicht brauchtet. Fragt vor dem Nudelmachen vielleicht einfach mal im Freundeskreis und holt nicht das nächste Küchengerät und backt erst mal ein Brot im Ofen, bevor ein Super-Angebot euch für einen Brotbackautomaten verführt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de