Friseur-Salons dürfen geöffnet bleiben – Tattoostudios müssen schließen? Das war die bisherige Regelung im "Lockdown Light". Tätowier*innen im Saarland wollten diese Ungerechtigkeit nicht hinnehmen und haben sich vor Gericht gewehrt – mit Erfolg.

Hübsche neue Strähnen, denn lang ersehnten Vokuhila oder gleich einen Buzzcut? Alles Dinge der Möglichkeit in der Corona-Krise: Nicht nur, weil wir gerade eh alle mehr als sonst zu Hause sitzen und dementsprechende Haar-Experimente im Zweifel easy verstecken können, sondern auch, weil Friseursalons gerade – anders als im ersten großen Lockdown im Frühjahr – ganz normal weiter arbeiten dürfen.

Sich ein paar neue Piercings stechen oder endlich den lang ersehnten Sleeve tätowieren lassen? Waren im Teil-Lockdown bisher tabu, denn Piercer*innen und Tattoo-Artist mussten Anfang November ihre Geschäfte schließen – wegen der strikten Hygiene- und Sicherheitskonzepte, die gerade deutschlandweit gelten.

Saarland: Tattoostudios seien nicht relevant für die Verbreitung des Coronavirus

Dagegen haben jetzt mehrere Betreiber von Tattoo- und Piercing-Studios im Saarland geklagt: Sie konnten nicht nachvollziehen, inwiefern sie ein größeres Risiko in der Verbreitung des Coronavirus darstellen sollten, als Friseure und Friseusen. Das Oberverwaltungsgericht des Bundeslandes gab ihnen nun recht: Es entschied, dass ein umfassenden Piercing- und Tattooverbot eine voraussichtlich "nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung gegenüber anderen 'körpernahen Dienstleistern'“ sei, wie das Gericht am Montag in Saarlouis zur Entscheidung in Eilverfahren mitteilte.

Im Klartext: Niemand kann nachvollziehen, wieso Haare schneiden weiterhin erlaubt, der Betrieb in Tattoo- und Piercingstudios aber verboten ist und das hat jetzt auch das dortige Gericht eingesehen. Denn nach bisherigen Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts seien diese Studios nicht relevant für die Verbreitung des Coronavirus, stellte man dort fest.

Wie auch? Jede*r, der*die sich schon mal tätowieren oder piercen hat lassen, weiß: Dort sind die Hygieneregeln schon ohne Corona deutlich höher als in jedem Kosmetikstudio der Friseursalon: Desinfektion steht vor jedem*r Kund*in auf der Tagesordnung, Künstler*innen tragen Handschuhe (und Mundschutz), Utensilien wie Nadeln oder Rasierer werden nur einmal benutzt.

In anderen Teilen Deutschlands sieht es für Tattoo- und Piercingstudios leider weiter schlecht aus

Der Sprecher des saarländischen Gesundheitsministeriums sagte zu der Entscheidung: "Wir prüfen, wie damit umzugehen ist, und dann wird entsprechend reagiert." Sollte das Bundesland die Öffnung von Tattoo- und Piercingstudios erlauben, wäre das ein wichtiger Schritt für Tatto-Artists und Piercer*innen im Saarland – denn die sind in den allermeisten Fällen selbstständig – und dementsprechend darauf angewiesen, auch im Lockdown Geld zu verdienen.

Für Tätowieren*innen und Piercer*innen in anderen Teilen Deutschlands sieht es dagegen leider schlecht aus: Vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sind mehrere Betreiber von Tattoo-Studios mit dem Versuch gescheitert, gegen die Schließung wegen der Corona-Pandemie vorzugehen. Und auch in Hamburg hat das Verwaltungsgericht den Eilantrag eines Tattoo-Studios abgelehnt, das sich gegen seine Schließung wehrte.

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  • Quelle:
  • NOIZZ.de