Immer mehr Designer und Modelabels vermarkten in Zeiten von Covid-19 ihre eigens designten Mundschutze. Dass das allerdings völlig falsche Signale an alle da draußen aussendet und noch dazu richtig ernste Folgen haben kann, scheint die meisten bisher wenig zu stören.

Puh. So berechtigt die Sorge um die weltweite Coronavirus-Epidemie auch sein mag, einige Entwicklungen gehen einfach zu weit. Ich rede nicht von Hamsterkäufen und ausverkauften Desinfektionsmitteln in der Drogerie oder ganzen Ländern, die sich zu Sperrzonen erklären. Ich rede von Atemschutzmasken als Fashion-Statement. Ja, ihr habt richtig gehört.

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Eine Besucherin der London Fashion Week trägt einen stylischen Mundschutz vor dem BFC Showspace.

Der Jahresbeginn, er ist traditionell auch die Zeit der internationalen Fashion Weeks

Fancy Modeschauen und spektakuläre Aftershowpartys vertragen sich leider nur schlecht mit einer grassierenden Viruserkrankung. Die Fashion Week in Südkorea wurde aufgrund des Coronavirus bereits abgesagt, die Fashion Weeks in Paris, London und Mailand fanden zwar statt – waren aber geprägt durch die Angst um den Covid-19-Erreger.

Eine Besucherin der London Fashion Week trägt einen Mundschutz.

Viele Besucher trugen einen Mundschutz und auch einige Designer und Luxusmarken kamen auf die Idee, daraus doch eine kluge Geschäftsidee zu machen. Statt eines ollen Einmalmundschutzes aus der Apotheke, der derzeit sowieso überall Mangelware ist und zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, kann man doch etwas stylishes vor seinen Mund packen.

An sich vielleicht eine nachvollziehbare Idee für alle Fashionistas, hat aber gleich mehrere Haken. Zuletzt hat die Urban-Fashion-Marke Marine Serre gemeinsam mit dem schwedischen Start-up Airinum eine Luxus-Atemschutzmaske herausgebracht. Die kann man für 295 US-Dollar, immerhin rund 260 Euronen, erwerben. Kurioserweise hat sie Ösen mit Löchern knapp unter der Mundpartie.

So sieht die Atemschutzmaske als Streetfashion-Statement aus:

So sieht der Marine Serre x Airinum Mundschutz aus.

In Asien gehören bunte und außergewöhnliche Atemschutzmasken bereits seit Jahren zum Straßenbild und sind ein aufs Outfit abgestimmtes Accessoire. Seit einigen Jahren haben sich auch nicht-asiatische Hersteller verstärkt modischem Mundschutz zugewandt: Marken wie Vogmask, Freka oder eben Airinum bieten zum Beispiel Atemschutzmasken mit Einhornmuster oder im Neon-Tarnfleckdesign an. Für jeden ist also etwas dabei. Bisher dienten diese vor allem dem Schutz vor Luftverschmutzung, doch im Zuge der Ausbreitung des Sars-CoV-2-Erregers hat sich die Nachfrage auch in Europa erhöht.

Ein Mundschutz ergibt aus medizinischer Sicht wenig Sinn

Abgesehen von der durchaus enthaltenen moralischen Komponente dieses Accessoires, das schon in gewisser Weise versucht, mit unserer Angst Geld zu machen oder aber perfide "lustig" unseren Zeitgeist widerspiegeln möchte und eben auf diesem Weg möglichst viel Kohle machen will, gibt es auch echte, wissenschaftliche Gründe, die gegen einen Mundschutz als Fashion-Statement sprechen.

Aus medizinischer Sicht ist richtiges Händewaschen, eine gute Hygiene, ein bis drei Meter Abstand zu einem Erkrankten sowie eine richtigen Husten-Nies-Etikette (in ein Taschentuch oder in den Ellenbogen niesen!) der effektivste Schutz gegen eine Ansteckung. Wenn sich eine bereits erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern. Dabei ist es aber auch wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt und bei Durchfeuchtung gewechselt wird.

Normaler Anblick bei der Lonfon Fashion Week.

Die WHO warnt sogar vor übertriebenen Einsatz von Mundschutzmasken

Es gibt keinen medizinischen Beleg dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person verringert. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, sogar ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnahmen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können. Aus einer Mundschutzmaske also ein Fashionstatement zu machen ist ziemlich kontraproduktiv.

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Ohnehin bieten einfache Mundschutze, die viele auf der Straße tragen, nur sehr bedingt Schutz vor irgendwelche Bakterien, Keime oder Viren. Solche Masken sollen lediglich verhindern, dass der Träger Tröpfchen in die Umgebung weitergibt und schützt im OP-Saal vor allem den Patienten. Nur Atemschutzmasken mit einem eingebauten Filter sind wirklich effizient, alle anderen Arten von Mundschutzmasken reduzieren ganz eventuell euer Risiko, bergen aber auch andere Gefahren – Stichwort: Atemfeuchte.

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Bella Hadid zeigt auf ihrem Flug zur Pariser Fashion Week Anfang diesen Jahres, wie eine Mundschutzmaske ausschaut, die geeignet ist – sieht zwar weniger schick aus, ist aber immerhin halbwegs sinnvoll. Denn nur Halbmasken mit einem Partikelschutzfilter der Stärke FFP2 und höher bieten Schutz vor Krankheitserregern. Wenn sie denn regelmäßig gewechselt wird.

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Quelle: Noizz.de