Adieu, französischer Charme.

Am vergangenen Wochenende hat das französische Luxuslabel Céline auf Instagram sein neues Logo präsentiert. Ganz offiziell, mit ansonsten leer gefegtem Account.

Die Erklärung für das Redesign: Man wolle für eine „ausgewogenere Ästhetik“ sorgen. Inspiriert sei der neue Schriftzug von einem Logo, das in den Sechzigern benutzt wurde.

Für Mode-Insider ist die Änderung nicht überraschend, denn die Aktion ist wohl vor allem Hedi Slimane geschuldet. Der französische Modedesigner wird im Herbst seine erste Kollektion als neuer Kreativchef des Hauses vorstellen – und ist nicht neu im Name-Changing-Game. Schon bei seinem Wechsel von Dior zu Yves Saint Laurent hatte er es sich 2012 nicht nehmen lassen, die Traditionsmarke YSL kurzerhand in Saint Laurent Paris umzubenennen.

Jetzt also wieder das gleiche Spiel und das ist eigentlich kein großes Ding – wäre mit dem Rebranding nicht eine ganz entscheidende Sache weggefallen: Der „accet aigu“ über dem ersten „e“. Irgendwie stimmt mich das trauriger, als ich dachte.

Schließlich war es genau das „é“, dass dem Markennamen diesen Hauch französischer Eleganz schenkte, die dem alten-neuen, platten Logo völlig fehlt.

Es war das „é“, das einen auch beim Online-Shopping (nicht, dass ich mir das leisten könnte) an Pariser Boutiquen und die Croissant essende, rauchende, französische Femme Fatale erinnerte, die man so gerne wäre – während man sehnsüchtig durch die edlen Kollektionen des Hauses scrollte.

Denn so minimalistisch und modern die Entwürfe unter der Britin Phoebe Philo geworden waren – so sehr strotzte das alte Céline doch vor diesem unnahbaren, unbezahlbaren „French Chic“ – cooler als die opulenten Italo-Brands, sexier als Berliner Designer, unangestrengter elegant als US-Labels. Und ja, genau dieses Pariser Gefühl hatte verdammt nochmal auch mit dem Logo zu tun!

Celine ohne "é", das klingt eher nach schwer erziehbarem Kind, als nach französischer Prêt-à-porter. Ohne den Akzent kommt das neue Design des Namenzugs ganz seelenlos daher – schwarz, kompakt, minimalistisch. Wie gefühlt jedes andere kürzlich erneuerte Logo im Luxussegment. Denn das Rebranding war in den letzten Saisons definitiv der heißeste Fashiontrend: Vor einem knappen Jahr wurde das Balenciaga-Logo verschmälert ...

... im August mussten die traditionsreichen Serifen Burrberys weichen, um einem „moderneren“ Logo Platz zu machen ...

... und jetzt also auch noch Céline, ähm Celine.

Warum das Ganze?

Von wirtschaftlicher Seite macht ein solches Rebranding enormen Sinn. Zum einen zählt in Zeiten von Smartphone, Instagram-Vermarktung und Online-Shopping vor allem ein Aspekt im Logodesign: Die Lesbarkeit und Funktionalität auf der Größe eines Smartphonescreens. Auf dem liest sich schwarz, kompakt und minimalistisch einfach besser als ein langer, verschnörkelter Markenname.

Zum anderen weist ein neues Logo wunderbar auf einen Neubeginn hin – es schreit förmlich nach Achtung und Aufmerksamkeit. Ein kluger Schachzug kündigt sich ein Designerwechsel wie bei Celine mit Hedi Slimane an.

Und noch einen dritten Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen: Die Hauptkundschaft der europäischen Luxushäuser stammt längst nicht mehr aus Europa – sondern aus Russland, China und von der arabischen Halbinsel. Ein vereinfachtes Branding, bei dem sich nicht jeder Nicht-Franzose fragt, auf welchem „e“ und in welche Richtung der Akzent denn jetzt eigentlich zeigt, ist also durchaus nicht doof.

Aber so sinnvoll diese Überlegungen auch sein mögen: Sie lassen die Logos der ehrwürdigen Marken leider zunehmend vergleich- und verwechselbar aussehen. Fast ein bisschen ironisch, in Zeiten, die von Pseudo-Individualismus und Logomania geprägt sind – oder der einzig logische Schluss, wenn nur noch der Name, aber nicht mehr das Erbe der Marke zählt? Wo bleibt die Nostalgie? Die Kreativität? Das Schwimmen gegen den Strom, das im Modedesign doch so wichtig ist?

Die Einzige bin ich nicht, die das felende "é" in den letzten Tagen beschäftigt hat, wie diese Umfrage des beliebten Fashion-Instagram-Accounts Diet Prada zeigt:

Geteilte Reaktionen auf Instagram. Foto: Instagram / Screenshot/ Instagram / diet_prada

Eine Gruppe freut sich dagegen bestimmt über die aktuelle Rebranding-Welle: Schwarzmarkthändler, die die immer simpler gestalteten Logos teurer Luxushandtaschen jetzt noch einfacher faken können.

Quelle: Noizz.de