In kaum einer Branche wird so krass voneinander kopiert, wie in der Mode. Besonders unfair und asozial wird diese Taktik, wenn erfolgreiche Marken die Ideen und Visionen junger Talente klauen. Zum Beispiel: Balenciaga. Die Luxusmarke hat gerade die gesamte Masterarbeit-Idee eine Jungdesignerin geklaut – und sieht sich jetzt einem Shitstorm ausgesetzt.

Ihr dachtet bisher, Balenciaga sei unantastbar, was Kreativität und Einfallsreichtum angeht? Davon könnt ihr euch verabschieden: Die Brand sieht sich gerade heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie allem Anschein nach die Idee einer jungen Modedesign-Studentin geklaut hat – und zwar auf besonders perfide Art und Weise.

Einfach mal die Masterarbeit-Idee einer Studentin für Insta ausschlachten? Why not, dachte sich Balenciaga anscheinend

Tra My Nguyen, die an der renommierten Berliner Universität der Künste studiert, hat das Label jetzt bezichtigt, ihr komplettes Masterarbiet-Portfolio für einen Instagram-Post geklaut zu haben. Und zwar, indem sie ihr vorgegaukelt haben, Unterlagen ihres Projektes für eine mögliche Praktikumsstelle zu brauchen.

Aber von Anfang an: Die viet-deutsche Studentin hat sich für ihre Masterarbeit mit der Subkultur von Motorradfahrerinnen in Vietnam auseinandergesetzt. Inspiriert von der Lebensgeschichte ihrer Mutter, die ihren eigenen Roller verkauft hat, um genug Geld zu haben, um nach Deutschland zu emigrieren, hat die Studentin angefangen, Motorroller mit bunten Kleidungsstücken zu umhüllen, um "tragbare Skulpturen" zu erschaffen. Als sie das Projekt einen Monat später an ihrer Uni vorstellte, war auch eine Mitarbeiterin von Balenciaga anwesend, die sich als Recruiterin ausgab und prompt das Portfolio der jungen Designerin forderte. Wenig später meldete sie sich ein zweites Mal bei Tra My Nguyen, um noch weitere Fotos der Arbeit zu bekommen. Alles unter dem Vorwand, sie wolle diese firmenintern weiterleiten, weil Balenciaga Praktikant*innen suche. Natürlich eine krasse Chance für die Jungdesignerin, die ihre Fotos gerne weitergab.

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Kulturelle Aneignung und Ideenklau – ohne Credit an die eigentliche Künstlerin

Doch nachdem die Studentin ihre Fotos an Balenciaga geschickt hatte, kam keine Antwort mehr – bis jetzt: Denn nun ist plötzlich ein Foto auf dem Instagram-Feed der Brand aufgetaucht, das 1:1 aus ihrem Portfolio stammen könnte – würde es sich bei den verwendeten Kleidungsstücken nicht ausschließlich um Balenciaga-Kleidung handeln. Natürlich wurde der Beitrag ohne das Einverständnis der Designerin veröffentlicht – und ohne sie als Quelle zu nennen.

Auf Instagram hat Tra My Nguyen ihrer Enttäuschung und ihrem Frust jetzt Luft gemacht: "Was ist eure Inspiration? Warum hängt ihr Klamotten über ein Motorbike? Was wollt ihr uns mit diesem Foto sagen? Ich bin nicht euer Moodboard", wendet sie sich erzürnt an Balenciaga. Ihr Ärger ist komplett nachzuvollziehen, schließlich sieht es ganz danach aus, als hätte sie die Marke einfach um ihre Idee betrogen. Und es ist nicht nur das Abkupfern der Idee: Das Projekt der Designerin mit vietnamesischen Wurzeln spielt mit Identität und Herkunft, basiert auf ihrer Familiengeschichte und der reichen Kultur des südostasiatischen Landes. Die Modemarke hat sich mit dem veröffentlichten Insta-Post nicht nur an ihrem geistigen Eigentum bereichert, es eignet sich damit auch eine kulturelle Identität an.

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Der Fall zeigt mal wieder, wie ausbeuterisch große Modemarken sind – und wie sie ihr Privileg gezielt ausnutzen

Der richtige Weg wäre gewesen, dem Nachwuchstalent eine Zusammenarbeit mit dem Label anzubieten, sie also für ihre Idee zu bezahlen und sie den Instagram-Beitrag umsetzen zu lassen. Dass das nicht passiert ist, zeigt mal wieder, wie mächtige Brands ihr Privileg ausnutzen: Weil sie wissen, dass die wenigsten Jungdesigner*innen die Aufmerksamkeit, Reichweite und die finanziellen Ressourcen haben, gegen sie vorzugehen, werden Designs und Ideen einfach auf Kosten anderer übernommen. Das Instagram-Duo "Died Prada", die Ungerechtigkeiten in der Modebranche aufdecken, haben Tra My Nguyens "Fall" nun geteilt – mittlerweile hat der Beitrag schon über 100.000 Likes. Viele Tausend Menschen haben den Beitrag kommentiert und zeigen Solidarität mit der UDK-Studentin. Viele berichten, dass ihnen Ähnliches mit der Brand widerfahren sei – und versuchen nun, Aufmerksamkeit auf diese unlautere Taktik zu lenken. Ob die Modemarke auf die Anschuldigungen reagieren, mit der jungen Designerin in Kontakt treten und sich öffentlich entschuldigen wird? Bisher gab es noch kein Statement.

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  • Quelle:
  • Noizz.de