Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd wird nicht nur in den USA heftig gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt protestiert, auch in Europa finden vielerorts #BlackLivesMatter-Demonstrationen statt. Du willst mitmachen? Diese Dinge solltest du bei der Wahl deines Outfits beachten.

Eines vorweg: Demonstrieren in Corona-Zeiten ist offensichtlich nicht das Unkritischste, was man tun kann. Zum Einen ist das Ansteckungsrisiko in Großversammlungen natürlich höher, als wenn du Self-Isolation praktizierst, zum anderen haben Proteste während einer weltweiten Pandemie eben durch dieses Risiko schnell den Beigeschmack einer gewissen Ignoranz, die man ungern mit den Alu-Hut-tragenden Hygiene-Demonstrant*innen und Berliner Raver von Pfingsten teilen möchte.

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Aber: Wer kein Rassist ist und nach den Morden an George Floyd, Breonna Taylor und Tony McDade sein Privileg der freien Meinungsäußerung und des Demonstrationsrechts, nicht verschwenden will, sollte seine Chance jetzt nutzen.

Was trägt man in Corona-Zeiten am besten während einer Demonstration? Wir haben aufgeschrieben, auf was du jetzt achten solltest.

Was ist ein gutes Demo-Outfit?

Denk daran, worum es bei der Demonstration geht: Struktureller Rassismus, ermordete Menschen, Polizeigewalt. Ein Protest ist kein Ort, an dem du mit einem besonders krassen Outfit flexen musst – es geht hier nicht um dich. Verzichte auf Kleidungsstücke, die von der übergeordneten Botschaft ablenken. Eine Demo ist nicht der geeignete Platz, um mit dem neuesten Supreme-Drop zu flexen und auch nicht, um irgendwelche Sprüche-Shirts mit unlustigen Botschaften zu tragen, die andere verletzen könnten. Verzichte auf auffällige Farben und großflächige Logos – auch, um im Fall der Fälle weniger gut identifizierbar zu sein.

Wenn du Tattoo an prominenten Stellen hast, solltest du überlegen, ob du sie abdecken kannst. Mach' einen auf Zwiebel: Trage verschiedene Kleidungsschichten, um weder zu stark zu schwitzen, noch zu frieren. Langarm-Shirts und lange Hosen schützen vor zu viel Sonne und Verletzungen. Zieh bequeme Schuhe an, in denen du gut laufen kannst. Informiere dich vor dem Protest, ob es einen Dresscode gibt (zum Beispiel, dass alle Teilnehmenden schwarz tragen) und respektiere die Veranstalter*innen, in dem du dich daran hältst. Verzichte auf Schmuck und trage deine Haare, je nach Länge natürlich, zusammengebunden – um nicht an Menschen oder Schildern hängen zu bleiben.

#blacklivesmatter

Sei besonders vorsichtig, was bestimmte Symbolik und Bekleidungscodes angeht. Was ich damit meine? New Balance und Lonsdale sind Marken, die in der Vergangenheit von Rechtsgesinnten missbraucht wurden – sie könnten dazu führen, dass sich andere Demonstrierende (auch wenn du gar nicht die Absicht hast) unwohl fühlen. Sei einfach besonders reflektiert, wie du auf andere Menschen wirken könntest (vor allem, wenn du als White Ally mitläufst) und check zweimal ab, ob irgendwas von dem, das du trägst, falsch verstanden werden könnte.

Weil wir in Corona-Zeiten leben, darf natürlich auf gar keinen Fall ein Mund-Nasen-Schutz fehlen. Wähle eine Maske, die fest genug sitzt, dass du sie stundenlang tragen kannst, ohne dir ständig ins Gesicht fassen zu müssen.

Das solltest du außerdem dabei haben:

  • Erste-Hilfe-Set
  • Wasser
  • Desinfektionsmittel
  • Sonnenbrille
  • Kopfbedeckung

Eigentlich alles Dinge, die relativ selbsterklärend sind, oder? Mit dem Erste-Hilfe-Set kannst du dich und andere versorgen, sollte es zu Tumulten kommen. Desinfektionsmittel ist in Coronazeiten wahrscheinlich eh schon dein treuer Begleiter – und bei einer mehrstündigen Demo, auf der du zwischendrin vielleicht auch mal die Maske abnehmen willst, um etwas zu snacken oder zu trinken, unabkömmlich. Hydration is key – achte darauf, genug Wasser dabei zu haben. Check' den Wetterbericht, bevor du losgehst, immerhin ist mittlerweile Juni: Damit du keinen Sonnenbrand oder Sonnenstich bekommst, solltest du dich vor der Veranstaltung mit Sonnencreme eincremen und unbedingt eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille dabei haben.

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Was du verdammt noch mal lassen solltest:

Eigentlich ist auch das selbsterklärend, aber wir sagen es lieber einmal zu viel, als zu wenig: Es geht auf dieser Demo nicht um dich, sondern um ein weltweites, strukturelles, Problem. Dass die aktuellen Proteste gerade von Weißen gerne mal zum Eigennutz missbraucht wird, zeigt dieses Beispiel ganz gut: Auf Twitter kursiert gerade der Chatverlauf zweier weißer Frauen, anscheinend Influencerinnen, die sich zu einer Demo verabreden wollen. "Lass uns betrinken und hingehen", schreibt die eine. "Ich bin sowas von dabei. Lass mich ein Riot-Outfit finden", antwortet die andere. Scheinbar geht es ihnen bei dem Protest nur darum, ihr Image aufzupolieren – und dabei gut auszusehen. Später posteten die beiden ein gemeinsames Foto auf Instagram, das sie bei den Protesten zeigt.

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Wenn es dir nicht ernst ist und du die Demonstration nur aus Image-Zwecken mitmachen willst: Lass es. Bleib zuhause. Das ist weniger scheinheilig, als den Kampf anderer als "coolen" Selfie-Hintergrund zu missbrauchen.

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  • Quelle:
  • Noizz.de