Die beiden Fußball-Profis stehen für eine neue Spieler-Generation.

Antonio Rüdiger würde leider nicht klappen, sagt die Mitarbeiterin von Nike und schaut mich todestraurig an. Er sei gerade in den Privatjet gestiegen, käme erst in zwei Stunden an. Dann Shooting. Dann zu spät fürs Interview. Ich solle die Fragen einfach per E-Mail schicken, Toni würde sie schriftlich beantworten.

Männerfußball kann sich das erlauben. Frauenfußball nicht.

Deshalb ist Manjou Wilde natürlich vor Ort. Mit ihr, der 24-jährigen 1,64-Meter-Frau vom Erstligisten SGS Essen, und mit Antonio Rüdiger, 26, Stammspieler beim FC Chelsea, deutscher Nationalspieler, wollte ich eigentlich gemeinsam reden – über das Verhältnis zwischen Männer- und Frauenfußball, den Swag, den Spielerinnen und Spieler wie die beiden mittlerweile abseits des Rasens pflegen und ob das möglicherweise an ihren Wurzeln liegt.

Denn: Toni und Manjou sind zwar born and raised in Deutschland, haben aber elterlicherseits internationalen Hintergrund. Und beide sind in Ecken aufgewachsen, die nicht zu den gemütlichsten zählen: Toni in Berlin-Neukölln, Manjou in Bremen-Huchting.

Der größte Unterschied zwischen ihnen scheint zu sein: Manjou ist eine Frau, Toni ist ein Mann.

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Es ist Januar. Nike bastelt gerade an der Kampagne für den neuen Air-Max-Schuh. Er läuft unter dem Namen "720" und verfügt über das größte sichtbare Luftkissen aller Air-Max-Zeiten. (Die Historie reicht zurück bis 1987.) Der Slogan lautet "Just Go Bigger" beziehungsweise für Berlin "Bigger Than Berlin". Auf den Plakaten, die bald übergroß in ganz Berlin zu sehen sein sollen, wird neben Manjou Wilde und Antonio Rüdiger auch die deutsche Stabhochspringerin Jacqueline Otchere den neuen Sneaker präsentieren. Außerdem produziert der Regisseur Lil Internet – er hat schon für Beyoncé und Diplo gearbeitet – spaceige Clips mit den drei Protagonisten.

Die Shootings finden in den Havelstudios statt, am äußersten Rand von West-Berlin. Nebenan das Seeschloss Pichelsberg, Yachtclubs, Wasser, Wald.

Gerade steht Manjou Wilde noch im Scheinwerferlicht, ein Mann, Typ: erfolgreicher Kreativer aus London, ruft noch ein paar letzte Kommandos in den Raum, grandios alles, wie im Film – so machen das die Profis also. Ich hab schon mein iPhone in der Hand, will Fotos machen, Instagram-Stories, da sehe ich den Hinweis: "No pictures."

Manjou Wilde Foto: Nike / Jan Kapitän

Manjou ist fertig und wir gehen ins Nachbargebäude. Mir fällt auf, dass ich aus Versehen Adidas trage: komplett schwarze Stan Smiths. Dabei besitze ich sogar mehrere Nikes! Internationalists, Air Jordans I und sogar Air Max' 90, frühe Vorfahren des Modells 720. Aber wie sagte der große TV-Journalist Hanns Joachim Friedrichs mal: "Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten."

Wir legen los – ohne Antonio Rüdiger. Seine Antworten, die später per E-Mail kamen, habe ich nachträglich eingefügt. Stellt euch einfach vor, er hätte auch am schönen, dunklen Holztisch gesessen. Ich jedenfalls hab es so gemacht.

NOIZZ: Manjou, woher kommt eigentlich dein Vorname?

Manjou Wilde: Aus Indien. Also, mein Papa kommt aus Indien. Meine Mama ist Deutsche.

Hast du dort noch Verwandtschaft?

Manjou: Die sind tatsächlich alle ausgewandert. Mein Papa ist in Deutschland gelandet, der Rest in Kanada, weswegen ich da auch schon öfter war. In Indien war ich leider noch nie ...

Wie ist das bei dir, Toni …

Antonio Rüdiger: Meine Mutter kommt aus Sierra Leone. Verwandtschaft, die dort lebt, habe ich aber nicht mehr. Meine Familie wohnt immer noch in Berlin – dort, wo ich auch aufgewachsen bin.

Antonio Rüdiger Foto: Nike / Jan Kapitän

Toni, du bist in der Vergangenheit mehrmals Opfer von Rassismus geworden. Im März 2017, als du noch beim AS Rom warst, haben dich die gegnerischen Lazio-Fans mit Affenlauten bedacht – der Stadionsprecher musste eingreifen. Ein halbes Jahr später, du warst mittlerweile zum FC Chelsea gewechselt, gab es bei einem Champions-League-Spiel erneut Affenlaute – diesmal von deinem Ex-Verein AS Rom. Ende letzten Jahres hast du offen über Rassismus gesprochen. Worum ging es dir dabei?

Antonio: Ehrlich gesagt habe ich es in solch einem Ausmaß bisher nur in Italien in den Stadien erlebt. Zuvor weder in Deutschland, noch in Italien außerhalb der Stadien. Mir ging es darum, noch stärker auf das Problem aufmerksam zu machen in der Hoffnung, dass die Verbände bei den Strafen noch härter durchgreifen.

Wie war das bei dir, Manjou: Hast du jemals Rassismus erlebt?

Manjou: Dadurch, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin und die Sprache perfekt beherrsche, im Alltag eher weniger. Auf dem Fußballplatz, wenn wir in Berlin gespielt haben, in der Zweiten Bundesliga, wo's noch semiprofessionell zuging, da ist der einen oder anderen schon mal was rausgerutscht. Das war aber nicht böse gemeint, die haben sich danach immer sofort entschuldigt. Ich hab's nicht als Rassismus empfunden.

Vom Publikum kam eigentlich nie was, aber das nehm ich sowieso nicht so wahr. Aber wenn man so einen Vornamen hat wie ich und nicht gerade blond und blauäugig ist, ist das Thema natürlich durchaus präsent.

Ich finde ja, durch die Spieler, die einen internationalen Background haben, ist Fußball sehr viel cooler geworden. Früher war der Höhepunkt der Gefühle Stefan Effenbergs Tiger-Frise 1994. Heute haben nicht wenige Bundesliga-Profis genauso viel Swag wie Basketballer oder Rapper. Wie sieht das bei den Fußball-Frauen aus?

Manjou: Im Frauenfußball vermiss ich das manchmal. Wenn ich an Jérôme Boateng denke, der keine-Ahnung-wie gestylt zum Training kommt, abgelichtet wird und man darüber redet: Das gibt’s halt im Frauenfußball nicht, weil er nicht so im Fokus steht. Es gibt auch keine Fußball-Frau, die so richtig auffällt. Ich finde auch, dass das ein deutsches Problem ist. Deshalb leuchtet mir die These ein, dass die internationale Mischung der Swagness gut tut. Beim Frauenfußball kommt hinzu, dass man sich eher ein bisschen versteckt.

Manjou Wilde Foto: Nike / Jan Kapitän

Wie meinst du das?

Manjou: Mit allem, was man tut, was man sagt, bloß nicht auffallen – vor allem kleidungstechnisch. Egal, was ich anhabe: Wenn ich in die Kabine komme, fragen alle immer "Wo kommst du denn her?" Und ich: "Von zu Hause. So lauf ich rum!" Ich will nicht sagen, dass sich alle langweilig kleiden, aber es gibt schon sehr wenige schräge Vögel und wenige, wo ich denken würde: So würd' ich mich jetzt auch anziehen, das ist schön oder cool oder lässig.

Fußballerinnen sind also noch keine Style-Vorbilder?

Manjou: Genau. Die jungen Mädels finden uns wegen des Fußballs gut, nicht wegen der Kleidung.

Vielleicht ist das auch schwerer, weil Weiblichkeit oft automatisch mit Äußerlichkeit zusammengedacht wird.

Manjou: Vielleicht sind manche auch nicht selbstbewusst genug. Das Klischee im Frauenfußball ist halt einfach ein anderes. Da schwingt ja auch noch die homosexuelle Komponente mit. Die Vergangenheit des Frauenfußballs ist nicht Ästhetik pur. 

Bist du der schräge Vogel bei euch in der Mannschaft?

Manjou: Ja. (lacht) Ich mag's nicht, einfach nur T-Shirt, Jeans und Laufschuhe anzuziehen. Ich liebe Mode. Nur, weil ich Fußballerin bin, muss ich ja nicht nicht eine normale Frau sein, die sich auch so kleiden würde. Fußballerinnen sehen immer gleich aus. Die Leute sagen: "Man sieht euch an, dass ihr 'ne Fußballmannschaft seid!" Das ist jetzt nicht unbedingt ein Kompliment! 

Sind Fußball-Frauen eigentlich auch so krass tätowiert wie Fußball-Männer?

Manjou: Es gibt jedenfalls kaum noch welche, die nirgends ein Tattoo haben. Aber jetzt nicht so bamm-bamm wie bei den Männern.

Welche Rolle spielt Instagram für dich?

Manjou: Ganz am Anfang hatte ich gar keinen Account, dann hatte ich einen, dann hab ich ihn wieder gelöscht. Ich mochte nicht, wie sich da manche darstellen, wie das ganze Insta-Game Überhand genommen hatte. Dann bekam ich Fanpost: "Warum bist du nicht auf Instagram? Würden gern mal sehen, was du sonst so machst." Und ich merkte: Es geht bei der Sache nicht nur um mich. Du erreichst da Menschen, und es ist nunmal das Tool der Jugend.

Also hab ich mir ein zweites Mal einen Account gemacht. Und dachte mir: Wenn du das jetzt noch mal machst, dann richtig. Zeigst, wer du bist – wie du dich kleidest, wie du Fußball spielst, und nicht nur das Wunderschöne. Das bin ich, daran kann man sich ein Beispiel nehmen. Dank Instagram bekomm' ich kaum mehr Fanpost: Ich bekomm' fast nur noch Direktnachrichten.

Welche Rolle kann Instagram dabei spielen, das Bild von Frauenfußball zu verändern?

Eine extrem wichtige – dadurch, dass Frauenfußball nicht jedes Wochenende im Fernseher läuft. Es ist die einzige Plattform, auf der wir Präsenz zeigen können und wo die Leute sehen können: Ah, ist ja doch ganz cool, kann man sich ja mal angucken! Auf Instagram kommunizieren wir auch, wenn mal was ansteht – zum Beispiel Spiele, die dann doch mal im Fernsehen übertragen werden.

Und bei dir, Toni? Du hast ja auf Instagram fast eine Million Follower. Wie wichtig ist es dir, die Million zu knacken?

Antonio: Ich möchte meine Follower dort immer up to date zu halten, vor allem im sportlichen Bereich. Bei privaten Themen bin ich aber nach wie vor der Ansicht, dass vieles einfach nicht in die Öffentlichkeit gehört und lieber privat bleiben sollte. Die Eine-Million-Follower-Marke werd' ich dieses Jahr wahrscheinlich noch knacken. Das freut mich, aber dafür werde ich nicht extra ein Fest veranstalten. (lacht)

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Beim Frauenfußball werden momentan noch keine Millionen verdient, und die Stadien sind noch nicht rappelvoll. Du, Manjou, bist heute vermutlich nicht im Privatjet nach Berlin geflogen …

Manjou: (lacht) … Aber ich bin Business Class geflogen! Das war wundervoll!

Immerhin! (lacht) Und trotzdem gibt es noch immense Unterschiede zum Männerfußball. Was motiviert dich, trotzdem so hart zu trainieren und im Spiel über deine Grenzen zu gehen?

Manjou: Wenn man von kleinen Mädchen Nachrichten bekommt, in denen steht "Weil du spielst, will ich auch spielen". Oder wenn mich in Bremen, wo ich aufgewachsen bin, wo mich jeder kennt, die Leute ansprechen. Es geht nicht mehr nur um Fußball. Klar, wir sind alle mit dem Traum groß geworden: Irgendwann in ‘nem Stadion, mit 'ner Million Zuschauern vor den Fernsehern, und alle kreischen deinen Namen.

Und jetzt sieht man: Die Wirklichkeit ist anders, und man liebt trotzdem, was man tut, und man erreicht und inspiriert trotzdem viele Menschen. Man merkt, es geht nicht nur darum, Fußball zu spielen, sondern darum, das zu tun, was man will. Wenn die Kinder aus dem Bremer Bezirk, in dem ich aufgewachsen bin und der nicht wirklich schön ist, sehen: Sie hat bei Werder angefangen, jetzt spielt sie in der Ersten Bundesliga – das zu kommunizieren, ist einfach toll. Das kann kein Geld der Welt bezahlen.

Toni, welche Rolle spielt dabei die Mannschaft?

Antonio: Natürlich sollte man immer genug Eigenantrieb mitbringen, aber die eigenen Mitspieler sind dafür schon auch sehr wichtig. Ich hatte das Glück, dass ich erst in Rom mit extrem talentierten Spielern jeden Tag trainieren durfte und in London nun auch wieder. Legen deine Mitspieler schon im Training die Messlatte sehr hoch, hast du gar keine andere Chance, als immer an deine Grenzen oder darüber hinaus zu gehen, um dann mithalten zu können. Das ist sicherlich auch mitentscheidend dafür, dass ich jede Saison bei meinen Leistungen immer noch ein Stückchen mehr zulegen konnte.

Um einmal den Unterschied zwischen Frauen- und Männerfußball aufzuzeigen: Könnet ihr beide mal erzählen, wie so eine durchschnittliche Woche bei euch aussieht?

Antonio: Wir haben in England täglich Training am Vormittag, außer an Spieltagen. Je nach Situation im Anschluss vielleicht noch eine Behandlung beim Physio oder noch eine private Gym-Session. Den Nachmittag haben wir vor allem Mitten in der Saison häufig frei zur Regeneration. Wir haben meist zwei Spiele pro Woche, teilweise noch mit größeren Anreiseaufwand, sodass die Belastung sehr hoch werden kann. Entsprechend wird die Trainingsbelastung etwas heruntergefahren, um trotzdem frisch und fit zu bleiben.

Manjou: Dadurch, dass ich mich entschieden hab, Jura zu studieren, ist meine Woche ziemlich voll. Ich mag es, immer beschäftigt zu sein, meine Zeit zu nutzen. Ich bin Frühaufsteherin – das ist eine gute Voraussetzung.

Was heißt bei dir früh aufstehen?

Manjou: Fünf, allerspätestens 6.30 Uhr. Da würd' ich auch aufstehen, wenn ich nichts zu tun hätte. (lacht) Also. Abends – außer mittwochs – täglich Mannschaftstraining, außerdem einmal morgens. Ich habe drei- bis viermal Krafttraining, weil ich ziemlich dünn war und mich nicht durchsetzen konnte. Zwischendurch noch Einzel-Techniktraining. Sonntags Spiel, samstags frei. Da trainiere ich für mich selbst. Ich bin Fußballerin und studiere nebenbei, nicht andersrum. In der Klausurenphase hat Jura natürlich Prio.

Jérôme Boateng hat seit Ende letzten Jahres sein eigenes Magazin "Boa". Toni, wann kommt dein eigenes Magazin raus und wie wird es heißen?

Antonio: Ich würde es wahrscheinlich "Rüdi" nennen. (lacht) Nein, Spaß bei Seite. So etwas habe ich derzeit nicht geplant. Wenn, würde es darin aber wohl sehr viel um Sport-Themen gehen. Vielleicht aber auch ein paar witzige Themen. Oder Tipps aus der italienischen Küche aus meiner Zeit in Rom. (lacht)

Manjou, welchem weiblichen Fußball-Profi würdest du ein eigenes Magazin zutrauen?

Manjou: Mir! (alle lachen)

Wie würdest du es nennen?

Manjou: "Moa". (Alle lachen) Tatsächlich gibt es im Frauenfußball kaum jemanden, wo ich sage: Der Style interessiert mich, die Meinung interessiert mich. Wenn ich nicht glauben würde, dass Printmedien irgendwann aussterben werden, würde ich so ein Magazin rausbringen.

Inhalt?

Manjou: Es würde ganz viel um Mode und Musik gehen.

Apropos Musik. Boatengs Magazin ist ja sehr lifestylig aufgestellt, es kommen sehr viele Musiker vor: Kanye West, Rin, Eunique, DJ Khaled, Veysel, Shindy. Toni, was hörst du privat? Bist du mit irgendwelchen Rappern befreundet?

Antonio: Ich höre auch bevorzugt Hip-Hop. Migos, Drake oder DJ Khaled treffen es schon einmal ganz gut. Privat kenne ich einige Rapper aus Berlin ganz gut, da ich dort wegen meiner Familie auch noch öfters hinreise.

Manjou, was läuft bei euch in der Kabine?

Manjou: Da versuche ich immer, das Zepter zu übernehmen. In Freiburg wollten alle, dass ich DJane bin und sind auf dieses Rap-R'n'B-Ding abgefahren – der Stil, den ich mag. In Essen hab ich das Amt dann aufgegeben. Da hören alle eher so Charts – Lieder, die in diesen Clubs laufen. Manchmal setz ich auch Kopfhörer auf. Vorm Spiel will ich schon was hören, was mich motiviert.

Dein Lieblings-Motivations-Song?

Manjou: Ich hör' vorm Spiel ganz viel Meek Mill. Ist schon lange einer meiner Lieblings-Rapper.

Deutschrap?

Manjou: Gar nicht.

Zum Schluss noch mal ein anderes Thema: Manjou, wer waren als Kind und Jugendliche deine Fußball-Stars? Hast du dich als Bremerin an Werder-Ikonen wie Torsten Frings, Ailton und Pizarro orientiert? Oder gab es schon immer Frauen, zu denen du hochgeschaut hast?

Manjou: Ich war immer ein riesiger Ronaldinho-Fan – wegen seiner Spielart, seinen Tricks. Ich würde sagen, meine Spielart ähnelt mehr Ronaldinho als Torsten Frings. Ich war nie so richtig Bremen-Fan. In Bremen wird Werder ja mega gelebt, das waren damals die Übermenschen. Aber ich fand die einfach auch nicht cool. Es waren schon eher die Ronaldinhos, Zidanes, Ronaldos. Nur einmal, da bin ich mit Ailton als Einlaufkind ins Stadion gelaufen – das fand ich dann natürlich doch ganz gut.

Toni, gibt es andersherum Fußball-Frauen, die du feierst?

Antonio: Von Spielerinnen wie Birgit Prinz hat man natürlich ziemlich viel mitbekommen in ihrer besten Zeit, sie hat den Frauenfußball für einige Jahr mitbestimmt. Auch vor Nadine Angerer muss man großen Respekt haben. Als Torhüterin als Weltfußballerin ausgezeichnet zu werden, muss man erst einmal schaffen und ist eine riesige Leistung.

Diesen Sommer findet in Frankreich ja die Frauen-Fußball-WM statt. Wie schätzt du die Chancen fürs deutsche Team ein?

Antonio: Ich denke, dass das Team eine gute Chance hat, weit zu kommen. Die USA und Frankreich sind natürlich auch extrem stark. Wie immer ist es wichtig, in solchen Turnieren einen guten Start zu erwischen und dann fällt alles leichter. Den positiven Start, den wir eben leider in Russland nicht erwischt hatten. Ich drücke natürlich die Daumen und hoffe, dass die Frauen es besser machen als wir 2018.

Ja, das Scheitern der deutschen Fußball-Männer bei der letzten WM … Manjou, glaubst du das ist ein schlechtes Omen für die Frauen?

Manjou: Die Mannschaft beeindruckt das, glaub ich, nicht – aber die Nation. Die schaut natürlich immer erst mal auf die Männer. Und wenn die Männer schlecht abschneiden, denkt man sich: Die Männer haben Mist gebaut, da brauchen wir uns die Frauen gar nicht erst angucken. Es gab ja eine Zeit, da waren die Männer unfassbar erfolgreich und die Frauen auch – da war das keine Frage. Weil: Wir sind Deutschland. Aber das hat sich in beiden Lagern drastisch geändert …

Wie sind die Chancen auf Titel?

Manjou: Schwer zu sagen. Alles offen. Die Gradmesser sind Frankreich und die USA.

Toni spielt ja seit 2017 beim FC Chelsea. Die haben mittlerweile auch eine ziemlich gute Frauenmannschaft. Kannst du dir auch vorstellen, im Ausland zu spielen?

Manjou: Ausland find ich total spannend – auch um andere Kulturen kennenzulernen, weil’s in Deutschland doch ziemlich festgefahren ist. Überall entwickelt sich alles, in England boomt der Frauenfußball, jetzt kommen gerade Italien und Spanien – Barcelonas Frauen spielen in der Champions League.

In England herrscht vor allem auch nicht so strenge Geschlechtertrennung. Bei Arsenal London machen Männer und Frauen zum Beispiel ein gemeinsames Mannschaftsfoto. Die wollen, dass ihre Frauen genauso erfolgreich werden wie ihre Männer. Das ist Gold wert. In Deutschland ist alles immer separat. Das hab ich in Bremen und Freiburg erlebt. Du trägst nur den Namen des Erstliga-Teams. Mehr nicht.

Was wäre dein Traumverein?

Manjou: Es wäre immer cool, für einen Riesen-Club zu spielen – egal ob in England oder Spanien.

Toni, die letzte Frage geht an dich. Hättest du damals in Berlin-Neukölln jemals gedacht, dass du mal bei einem der besten Vereine der Welt spielen würdest?

Antonio: Man hat natürlich davon geträumt. In England zu spielen, war damals tatsächlich schon mein Kindheitstraum. Aber es wäre fahrlässig gewesen, fest davon auszugehen. Gerade im Teenager-Alter hatte ich die eine oder andere Phase, wo ich fast komplett gescheitert und nicht mehr weitergekommen bin. Umso glücklicher bin ich heute, tatsächlich für Chelsea zu spielen und es geschafft zu haben.

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Quelle: Noizz.de