Adidas erneut unter Beschuss: Laut Mitarbeiter*innen ist das Unternehmen zutiefst rassistisch. Probleme von PoC werden nicht ernst genommen und eine feindliche Unternehmenskultur gepflegt.

Seit vergangenem Freitag hat eine Gruppe von 200 Beschäftigten (Tendenz: steigend) am US-Hauptsitz des Sportbekleidungsunternehmens in Portland, Oregon gegen Rassismus innerhalb der Firma protestiert. Diese Zusammenkünfte sollen jeden Tag um 12:00 Uhr mittags vor dem Adidas Village erfolgen, bis der Konzern sich öffentlich für seine Fehler entschuldigt.

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Julia Bond, Assistant Designerin bei Adidas, hat einen offenen Brief an die Adidas-Führungsspitze veröffentlicht, der letzte Woche die Proteste auslöste. In ihrem Brief skizzierte Bond systematische Rassismus-Probleme innerhalb der Unternehmenskultur. Seitdem haben sich auch mehrere andere Mitarbeiter*innen zu Wort gemeldet.

In einem Artikel der "New York Times" von 2019 wurde enthüllt, dass innerhalb des Unternehmens keine Diversität herrscht: 4,5 Prozent der 1.700 Angestellten in den Headquarters in Portland identifizierten sich selbst als Schwarz, nur etwa ein Prozent der mehr als 300 Vizepräsident*innen weltweit sind PoC – Stand 2018.

Eine Protestierende in Italien, die sich gegen Rassismus einsetzt. Sie gehört nicht zu Adidas, trägt aber eine Cap des Unternehmens.

Adidas nutzt Schwarze Kultur aus

Adidas wird von seinen Mitarbeiter*innen vorgeworfen, für ihre Kampagnen und Kollektionen Schwarze Kultur, Kreativität und Mode auszunutzen, ohne gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich dies auch innerhalb des Unternehmens widerspiegelt. So wurden in der Vergangenheit etwa öffentlich geäußerte Rassismus-Vorwürfe weggeschwiegen oder als nichtig betrachtet.

Aaron Ture, Produktmanager beim Tochterunternehmen Reebok, äußerte in diesem Artikel eine der Hauptursachen für die Diversity-Probleme: Die globale Führungsspitze des Unternehmens sei gegenüber interner Probleme taub. Er erinnert sich an ein Reebok Town Hall Meeting im vergangenen Jahr, bei dem die globale Personalchefin Karen Parkin die zahlreichen Beschwerden der Mitarbeiter heruntergespielt habe.

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Adidas reagiert: Mit Geld und Versprechen

Das Unternehmen reagierte diese Woche mit der Ankündigung, in den nächsten vier Jahren 120 Millionen Dollar in US-Initiativen zu investieren, jährlich 50 Stipendien für Schwarze Student*innen an Partnerschulen zu finanzieren und mindestens 30 Prozent PoCs bei Adidas und Reebok einzustellen. Adidas gab auch eine Erklärung zur #BlackLivesMatter-Bewegung in den sozialen Medien ab, in der die neuen Initiativen vorgestellt wurden.

Darin hält Adidas fest: "Der Erfolg des Unternehmens wäre nicht möglich ohne Schwarze Athleten, Schwarze Mitarbeiter*innen und Schwarze Kund*innen". Es wird davon gesprochen, dass Schweigen zum Thema #BlackLivesMatter nicht mehr geht und nun Aktionen folgen müssen. In diesem Rahmen werden die erwähnten Initiativen und Stipendien genannt.

Adidas-Mitarbeiter*innen glauben nicht daran, dass sich etwas verbessert

Obwohl die Änderungen für das Unternehmen ein Schritt in die richtige Richtung sind, sind die Protestierenden erst zufrieden, wenn sich öffentlich bei den Schwarzen Mitarbeiter*innen entschuldigt wird. Ihrer Meinung nach gehen die von Adidas skizzierten Initiativen auch nicht auf die systematischen Probleme ein: Es wird weder über den Rassismus gegen Schwarze Mitarbeiter*innen gesprochen, noch auf die geforderten Schulungen von Führungskräften in Sachen Diversity eingegangen.

Geld zu zahlen ist ja schön und gut – eine nicht komplett weiße Chefetage und tatsächlich ehrliches Anerkennen eines offenbar tief verwurzelten Problems könnten aber mehr bringen. Vielleicht sollte die weiße Führungsetage bei Adidas mal ihren eigenen Slogan verinnerlichen: "Impossible Is Nothing". Also: Nur zu, auch ihr könnt es schaffen, euch zu verändern und aus einem rassistischen Unternehmen mit ausbeuterischen Tendenzen einen Arbeitsplatz gestalten, der sich solche Vorwürfe nicht mehr machen lassen muss. Es ist an der Zeit.

Quelle: Noizz.de