4 Dinge, die mich an Burberry gerade echt nerven

Katharina Kunath

Tattoos, Mode & Kultur
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Burberry Reloaded: Alles neu, alles cool? Foto: Burberry / Instagram @burberry

Manchmal ist weniger Marketing einfach mehr.

Das britische Luxuslabel wird gerade ordentlich umgekrempelt: Nachdem Christopher Baily Ende Februar seine Abschiedskollektion zeigte, wird jetzt in Hochtouren am Burberry-Debüt Riccardo Tiscis geschraubt.

Der ehemalige Givenchy-Chefdesigner soll frischen Wind in das Traditionshaus bringen – das anscheinend immer noch denkt, es müsste seinem angestaubten, immerwährenden Trenchcoat-plus-Kaschmir-Karo-Schal-Image entkommen.

Ich finde ja, dass es das gar nicht muss, weil es genau diese englische elitäre Omiheritage ist, die das Label charming macht – nicht umsonst kleiden sich selbst Queen B, Nicki und Co. so gerne in dem ikonischen, beigefarbenen Karomuster.

Außerdem hat Baily dieser Heritage in den letzten 17 Jahren doch schon den perfekten classy-coolen Anstrich verpasst, der der britischen Marke zum globalen Erfolg verhalf: Mit Gesichtern wie den britischen Models Adwoa Aboah und Cara Delevigne, mit einem moderneren Karo-Design und schlussendlich mit seiner phänomenalen regenbogenfarbenen Abschlusskollektion (Fall/Winter 2018 Ready-to-Wear), die nicht nur die britische Streetculture der 80er und 90er, sondern auch die LGBTQ-Szene ehrte.

Aber Zeitgeist ist die Droge der Mode und im immer schneller drehenden Fashionkarussel will eben jedes Haus möglichst hip und edgy wirken um mitzuhalten. Und dieser Drang scheint aktuell auch Burberry fest im Griff zu haben – We got it, ist ja auch irgendwie natürlich.

Nun hat es sich aber leider eingebürgert, dass Designerwechsel bei großen Modehäusern nicht mehr mit einer klassischen Pressemitteilung eingeläutet werden, sondern mit einem möglichst lauten Knall stattfinden – branchenfernes Publikum könnte ja sonst die superdupergeile kommerziell wirksame „Alles Neu“-Stimmung verpassen.

Im Fall „Burberry Reloaded“ wird die Werbetrommel gerade aber meiner Meinung fast ein bisschen zu krass gerührt – und so langsam kotzt mich das ganze Getue an. Ja, wir haben alle verstanden, dass Riccardo Tisci zu euch wechselt. Und ja, wir haben auch verstanden, dass ihr cool sein wollt. Aber bleibt eurem edlen, britischen Unterstatement und eurer Geschichte doch wenigstens ein bisschen treu, anstatt jetzt komplett auf Supreme zu machen, liebe Burberry-Dudes!

4 Aktionen, die euch definitiv nicht cooler gemacht haben:

1. Die neue Botox-Schrift

Oh Burberry, dein Schriftzug war legendär. Konservative Serifen, Großbuchstaben, und darüber ein fescher Ritter auf seinem Pferd – die Zeiten sind passé. Das neue Markenlogo hat sich nämlich nichts vom traditionellen Charme behalten, selbst der „Equestrian Knight“ musste weichen:

Glatt und langweilig kommt das neue Logo daher – oder wie Branding-Expertin Heidrun Angerer gegenüber W&V treffend beschrieb: „Es kommt ein Gefühl auf, wie bei einer ehemals guten Type, einem echten Charakter, der ein Komplettlifting gemacht und Botox obendrauf gespritzt hat: Nichts rührt sich mehr.“ Word! Das neue Logo ist so austauschbar, dass es fast wehtut – vergleicht man es mit den Logos von D&G, Celine, Saint Laurent oder Balenciaga unterscheiden sich diese eigentlich nur noch durch eines: Die Reihenfolge der Buchstaben.

[Mehr dazu: Beim neuen Céline-Logo fehlt der Accent – das macht mich traurig]

2. Allgegenwärtige Logomania

Nicht nur das Markenlogo wurde „modernisiert“, auch dem Monogram-Muster der Brand wurde ein neuer Anstrich verliehen. Der ist tatsächlich ganz schön fresh: In orange und weiß kommt das #ThomasBurberryMonogram daher - aber muss damit gerade wirklich alles auf der Welt in-your-face-mäßig tapeziert werden? Ein leichter Monogram-Overload, findet ihr nicht? Ihr seid doch nicht Louis Vuitton.

3. Instagram-Verkaufe

Am kommenden Montag wird Riccardo Tisci seine erste Burberry-Kollektion im Rahmen der Londoner Fashion Week präsentieren. Der „revolutionäre Clou“: Innerhalb der ersten 24h nach der Show werden limitierte Stücke der Kollektion direkt zum Verkauf stehen – aber nur via Instagram, WeChat und im Londoner Flagshipstore.

Die Brand will mit der digitalen Verkaufsstrategie obviously besonders 2.0 dastehen – aber mal Hand aufs Herz: Zum einen gibts die Insta-Verkaufe jetzt auch nicht erst seit gestern – da waren andere Brands schon schneller. Und kann man so wirklich noch von einer schönen, exklusiven Shoppingerfahrung sprechen? Ja, E-Commerce ist das Ding, wer nicht mitmacht, geht unter.

Trotzdem klingt die Aktion einfach nur nach Konsum, nach Fast Fashion. Nennt mich altmodisch oder konservativ, aber gerade im Luxussegment erhofft man sich doch eigentlich ein etwas spannenderes, haptisch ansprechenders Kauf-Erlebnis (Champagner! Deluxe-Umkleiden-Selfies! 'Ne geile Tüte!) als das tägliche Instagram Scrollen, das wir eh schon zu genüge suchten.

4. Auf nachhaltig tun, ohne es zu sein

Vor etwa einer Woche gab Burberry bekannt, in Zukunft nachhaltiger produzieren zu wollen. Wer jetzt an faire Arbeitsbedingungen, transparente Transportwege und Biobaumwolle denkt, liegt falsch. „Nachhaltig“ heißt bei Burberry nämlich nur, dass sie ab sofort auf Pelz verzichten werden und unverkaufte Ware nicht mehr verbrannt werden soll. Say What? Letzteres war tatsächlich bisher gang und gäbe beim britischen Luxushaus: Laut „Harper's Bazaar“ vernichtete Burberry alleine im vergangenen Jahr nigelnagelneue Waren im Wert von mehr als 31 Millionen Euro – damit sie nicht „unter ihrem Wert" verkauft würden. Beschämend, überlegt man sich, wie umweltbelastend alleine die Herstellung der so entsorgten Produkte war.

Sich als umweltbewusst zu loben, weil man diese fast schon kriminelle Handlung aufhört, ist ja wohl mehr als witzig. Und auch was den Pelzverzicht angeht, ist Burberry im Jahr 2018 mehr als spät dran.

Armani stoppte den Pelzverkauf bereits 2016, Gucci 2017, im März diesen Jahres zogen auch Versace und Furla mit, Stella McCartney produziert seit Beginn tierfreundliche Mode. Tatsächlich wird die kommende Londoner Fashion Week komplett pelzfrei sein, gut also, dass Burberry auch endlich den Schuss gehört hat.

Quelle: Noizz.de