"Wieso bin ich so wertlos in deinen Augen?"

Zum Vatertag veröffentlichte Shirin David ihr Video zu "Fliegst du mit". Ein Song, der ungewohnt persönlich ist. Und eine Abrechnung mit ihrem Vater.

Sonst rappte Shirin bisher über ihren Style, Emanzipation und Cash. Nun kommen ungewohnt emotionale Worte. Wie man sich als Kind fühlt, dass seinen fehlenden Vater brauchte, wissen wohl nur die, die es durchleben mussten. Mit dem Video lässt Shirin uns näher an sich heran und visualisiert, wie verloren man sich auch noch als Erwachsener fühlen kann.

Shirin ist zu Beginn in einem baufälligen Haus zu sehen. Alles ist verwüstet. Es scheint für ihre Kindheit zu stehen. Die Trümmer, die ihr Vater hinterlassen hat. Sie sitzt dort in einem cremeweißen Ensemble im Dreck. Eine Kinderseele, die noch so unbefleckt war. Luftballons erzählen von Kindergeburtstagen. Dann kommt der Bruch.

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In einigen Szenen schaukelt Shirin im Meer. Die Wellen schäumen. Der Himmel zieht sich zu. Shirin trägt jetzt ein schwarzes, langes Kleid.

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Genauso fühlt es sich an. Man weiß nie genau, wann einen die nächste Welle trifft. Als Kind fühlt man sich verloren. Man ist abhängig von der Liebe seiner Eltern. Bekommt man diese nicht, weiß man nie so ganz, wo und auch wer man emotional ist. Und wie Shirins Kleid, trägt man dieses traurige Gefühl immer bei sich.

Auch neu ist Shirins Haarfarbe: dunkelbraun. Die matcht perfekt mit dem Pferd, das öfter in dem Clip zu sehen ist. Ein Zeichen für Stärke. Shirin singt sich von ihrem Vater frei, der immer wieder als steinerne Maske zu sehen ist. Mehr ist ein Vater, der seine Familie verlassen hat, auch nicht. Er bleibt als Geist, als traurige Erinnerung. Ein schlechter Traum.

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Um die Vergangenheit hinter sich zu lassen, beginnt Shirin ein neues Leben. Sie fährt in einer schwarzen Mercedes S-Klasse durch die Wüste Kaliforniens. Sie weint, versucht sich von ihrem Schmerz zu befreien. Konfrontation als Überwindungsstrategie.

In den letzten Sequenzen sieht man sie in einem Haus in den Hills. Sie hat die Maske, den Geist der Vergangenheit, hinter sich gelassen. Er bleibt in der Dunkelheit.

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Man mag meinen, dass die Bildästhetik kitschig ist. Sie bringt aber perfekt zum Ausdruck, was wir verlassenen Kinder fühlen und wie wichtig es ist, als Erwachsener Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und sich von seinen Eltern freizumachen. Danke dafür, Shirin.

  • Quelle:
  • NOIZZ-Redaktion