Wir haben die Gangster aus "Nur Gott kann mich richten" getroffen

Jana Kolbe

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Moritz Bleibtreu und seine Gang bei der Premiere von "Nur Gott kann mich richten" Foto: Jana Kolbe / Noizz.de

Bizepzvergleich, Araber-Clans und Familie.

Wenn Moritz Bleibtreu seinen neuen Streifen "Nur Gott kann mich richten" vorstellt, kann man mit einem illustren Gästeauflauf auf dem Roten Teppich rechnen!

Kida Khodr Ramadan ("4 Blocks"), Edin Hasanovic ("Brüder") brachten auch die ganz schweren Brüder zur Premiere im Cubix am Alexanderplatz mit – NOIZZ war für euch dabei!

[Mehr dazu: „4 Blocks“-Tour mit Massiv, Folge 2: Wie Gangster ist Berlin wirklich?]

NOIZZ zusammen mit Moritz Bleibtreu. Check! Foto: Jana Kolbe / Noizz.de

Gegen kurz nach 18 Uhr stehen Pressevertreter und Fotografen schon dicht an dicht am Roten Teppich – "Lächeln!", "Zeig mal Faust!", "Hier!" Weiter hinten drücken und drängeln sich Fans gegen eine Absperrung, um wenigesten einen kleinen Blick zu erhaschen.

"Ich bin Kanacke genug"

Moritz Bleibtreu (47) spielt in NGKMR den Kleinkriminellen Ricky, der nach einem missglückten Coup im Knast landet und anschließend ein letztes Ding drehen will, um ein neues Leben zu beginnen. So weit, so bekannt.

Der Film wurde fast ausschließlich in Frankfurt und Offenbach (der Heimat von Gangster-Rapper Haftbefehl) gedreht, dem sein Schuddel-Image schon lange vorauseilt.

So fern von seinem Leben sei die Story gar nicht, erzählt der Schauspieler. Denn: Aufgewachsen ist Bleibtreu im Milieu-Stadteil St. Georg in Hamburg.

Ob er sich zwischen Kida Khodr Ramadan, den Straßen-Rappern Xatar, SSIO und den anderen Bad-Boys machmal zu "kartoffelig" vorkommt? "Ich bin Kanacke genug unter Kanacken und deutsch genug unter Deutschen", sagt er zu NOIZZ. "Das Gangster-Genre gibt es aus allen Ländern der Welt, in allen Facetten und ist ein universelles Thema."

Die Brudis von "Nur Gott kann mich richten" Foto: Jana Kolbe / Noizz.de

Er wirkt ein wenig müde, trägt einen schwarzen NGKMR-Hoodie und seine graumelierten Haare stehen kreuz und quer. Kein Wunder, einen Tag zuvor war die Premiere zum Film – natürlich – in Frankfurt. Aftershow-Party inklusive (NOIZZ berichtete).

Auch nach dieser Fimvorführung geht's steil, verrät uns einer der Hauptdarsteller, Edin Hasanovic. Der Schauspieler mit dem verschmitzem Lächeln ist sogar so gut drauf, dass er uns kurzerhand erklärt, was ihn zu einem authentischen Gangbanger macht: "Mein Gangster im Film hat ein gutes Herz und edle Motive, aber leider wählt er den kriminellen Weg."

Auch Jella Haase, bekannt aus "Fack ju Göthe", lief im pinken Dress auf dem Teppich und hat ein Herz für schwere Brüder: "Sie erzählen Geschichten aus dem Leben, und die Leute haben einen Bezug dazu." Woher das Interesse kommt: "Ich bin in Kreuzberg aufgewachsen und kenne natürlich alle Jungs, die hier mitspielen", so Haase zu NOIZZ.

Rapperin Schwesta Ewa flaniert in Adidas-Sweater und mit dicken Kreolen über den Roten Teppich.

Die NGKMR-Jungs und -Mädels sind nicht nur reine Schauspiel-Kollegen, sondern auch im echten Leben waschechte Kumpels: "Den Film zu drehen, war großartig. Mit Kida am Set zu sein, ist einfach Wellness", schwärmt Edin Hasanociv.

Aber: halt! Welche Rolle spielt der Bizepz-Umfang im Gangster-Business eigentlich wirklich?

Wir wollen es ganz genau wissen und vor allem: sehen.

"Ich weiß nicht, ob ein Gangster einen dicken Bizeps braucht, aber ich hab' einen", sagt Edin Hasanovic und lässt für uns die Muckis spielen. Aber der blaue Baumwollanzug spannt noch nicht mal. Da geht noch was! Neben Xatars Muskelgebirge, der hinter ihm über den Teppich walzt, sieht Hasanovic mächtig schmächtig aus. (No offense!)

Und das, obwohl Rap-Kollege Kollegah ständig predigt, dass der Bizeps im Gangster-Business die halbe Miete ist. Die Lösung: "Ein Gangster muss auch smart sein", so Hasanovic.

Wir fragen uns einfach weiter durch. Warum werden Clans in Serien und Filmen zur Zeit so gehypt? Und wer könnte es besser wissen, als der Pate von Kreuzberg, Kida Khodr Ramadan?

[Mehr dazu: „F*ckt euch, Hurensohn-Partei!“: So deutlich disst „4 Blocks“-Star die AfD zurück]

Er hat die Kapuze seines schwarzen Hoodies aufgezogen, der lange grauschwarze Bart guckt raus und seine tiefliegenden braunen Augen gucken kritisch. Er schlurft zu uns rüber.

Wenn Ramadan spricht, wippt er von einem Bein auf das andere: "Die Leute müssen die Araber mal richtig kennenlernen, das sind ganz normale Menschen. Ich sehe das eher als Familienzusammenhalt, und die sind nicht immer kriminiell. Ein Familien-Clan, halt", erzählt er.

Wie ernst es ihm ist, zeigt er uns prompt und ruft seine Tochter Ayda zu sich: "Das ist Familie." Während Papa Kida sie im Arm hält, schwärmt sie: "Ich bin sehr stolz auf meinen Papa." Ob ihr Papas Rollen immer gefallen? "Ja, das finde ich toll", sagt Ayda und guckt zu ihm hoch.

In diesen harten Jungs steckt eben doch ein weicher Kern.

Quelle: Noizz.de

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