Der Film macht Schluss mit stereotypen Boyfriend-Typen!

Okay, wir wissen, dass Netflix nicht nur gut ist: Stundenlang vor der Glotze oder dem Laptop sitzen, dabei Serien ohne Unterbrechung gucken, ist auf Dauer dann doch schlecht für das Sozialleben. Oder für die Sehkraft. Oder beides.

Viele Serien sind vom Inhalt oder der Aufbereitung her auch nicht ganz unproblematisch. Stichwort: drastische Selbstmord-Szenen in „13 Reasons Why“ oder das Fatshaming bei „Insatiable“.

Manchmal ist Netflix aber auch ganz schön großartig.

Wer es noch nicht getan hat: Ich rate euch dringend, schaut euch unbedingt „To All The Boys I’ve Loved Before“ an.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Jenny Han und klingt erstmal nach einer stinknormalen Teenie-Coming-Of-Age-Rom-Com.

Und das ist der Plot: Aus unerklärlichen Gründen wurden Lara Jeans (Lana Condor) geheime Liebesbriefe an ihre fünf Angebeteten geschickt. Klar, dass die 16-jährige Halbkoreanerin völlig ausrastet: Ihr ruhiges Leben als Außenseiterin an der Highschool ist plötzlicg vorbei. Das Schlimmste: Unter den Liebesbriefempfängern ist auch ihr bester Freund Josh (Newcomer Israel Boussard). Der ist zu allem Unglück auch noch der Ex ihrer Schwester Margot („Pretty Little Liars“-Star Janell Parrish).

Auch High-School-Schwarm Peter Kavinsky (Noah Centineo), Topspieler im Lacrosse-Team der High School, hat einen der Briefe erhalten. Und der spricht Lara Jean direkt auf den Fauxpas an.

Um die ganze Situation noch irgendwie zu retten, schließen die beiden einen Deal: Sie gehen eine Fake-Beziehung ein. So kann Lara-Jean sicher sein, dass Josh nicht Wind von ihren Gefühlen kriegt und Peter kann seine Ex-Freundin eifersüchtig machen. Die ist nämlich Erzfeinding von Lara-Jean.

Achtung, Spoiler! Ja, das Ende des Films ist abzusehen und eine Mischung aus „10 Dinge, die ich an dir Hasse“ und „Eine wie Keine“: Peter und Lara Jean verlieben sich wirklich ineinander.

Der Weg dahin ist aber so erfrischend von Teenager-Stereotypen befreit, dass wir uns noch viel mehr solche Filme von Netflix wünschen!

Im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht Lara Jeans Fake-Boyfriend Peter. Der hat nicht nur mit seinem etwas einfältigen „whoa whoa whoa“ in die Filmgeschichte eingeschrieben, sondern widerspricht allem, was seiner Rolle „Highschool-Schwarm“ eigentlich entspricht.

Gut, er sieht schon verdammt gut aus (soweit ich das als nicht Teenager beurteilen kann) und natürlich ist er Mitglied in einem beliebten Sportteam (Lacrosse). Und bis zu dem Zeitpunkt, in dem er Lara-Jean anspricht, denkt jeder: Oh fuck, der Schmierlappen.

Aber sobald Peter Kavinsky in die fabelhafte und hilflos romantische, zugleich angsterfüllte Welt von Lara Jean eintritt, zeigt er sein wahres Ich. Er ist mitfühlend un gar nicht mal so egoistisch, wie man glaubt.

Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt, sondern sorgt dafür, dass seine Fake-Freundin sich wohl fühlt. Er hängt mit ihrer jüngsten Schwester ab, trinkt Kombucha, wenn er nach einer Party noch Auto fahren muss. Mein Gott, er rettet sogar Popcorn, bevor es zur Kissenschlacht geht.

Wer jetzt denkt: Okay, das sollte doch ganz normal sein für einen Freund – ja, eigentlich habt ihr damit Recht. Nur muss man bedenken, dass dies a) ein Film für und über Teenager ist und b) der Charakter-Typ High-School-Schwarm vor allem in den USA normalerweise anders besetzt ist.

Der Traum-Teenie-Schwarm der all american High-School ist stark, männlich und braucht vor allen Dingen ein heißes Girl an seiner Seite. Lara Jean ist hingegen die totale Außenseiterin. Aber auch mit ihr zeigt sich Peter überall – selbst bei der prestiegträchtigen Ski-Fahrt.

Diese Darstellung eines fiktiven Charakters in einem überaus populärem Film (in den USA geht der Film gerade richtig steil) sendet ein Signal aus.

Nämlich, das es vollkommen okay ist, ja sogar cool, nett zu sein und auch mal gegen Stereotypen zu denken. Jeder ist doch auch ein bisschen wie Lara Jean. Und jeder ist auch ein bisschen wie Peter Kavinsky.

Ganz abgesehen davon, dass auch dieser Film ganz selbstverständlich die reale Lebenswelt einer amerikanisch-korenaischen Mix-Familie darstellt  (was jetzt auch nicht so normal ist für die US-Filmwelt), macht dieser Teeniefilm gleich mehreren Gruppen von Teenagern Mut: den Außenseitern genauso wie den Cool-Kids.

[Dieser erfolgreiche Blockbuster ist erstmals nur mit asiatisch-amerikanischen Schauspielern besetzt]

Und genauo deswegen ist dieser Film neben all dem Kitsch und Romantik-Gebrabbel so etwas Besonders, trotz vorhersehbarem Zwangs-Happy-End.

Langsam tut sich etwas in der Filmwelt. Und das ist gut so. Und deswegen findet nicht nur mein 16-jähriges Ich, das diesen Film bestimmt zehn Mal hintereinander geguckt hätte, „To All The Boys I've Loved Before“ so großartig.

Quelle: Noizz.de