Achtung: Spoiler!

Ich musste an meine Lieblingsfiguren aus „The Walking Dead“ denken: Rick, Michonne, Carl, Daryl, Maggie und Jesus. Manchmal geht mir ihr Schicksal so nah, als wären sie meine eigenen Freunde, als würde mir dasselbe Schicksal widerfahren. Aus dieses Stoff sind wirklich gute Serien gemacht – und TWD ist so eine.

[Falls du glaubst, ein TWD-Experte zu sein: Teste dein Wissen in unserem „The Walking Dead“-Quiz!]

Dabei hätte ich beinahe nie angefangen, mich in die Welt nach der Zombie-Apokalypse einzufühlen! Ich hatte mich sogar geweigert!

Mein Freund war es, der unbedingt „diese neue Serie mit den Zombies“ sehen wollte und versuchte, mich zu überreden: „Weil da geht's gar nicht so um die Monster, eher um die Menschen an sich. Das wäre genau dein Ding!“

Mein Freund, muss man dazu sagen, war damals kein Fan irgendeiner Serie, und ich verzweifelte dabei, in dazu zu bewegen, eine Couchpoatato zu werden und mit mir irgendeine verfluchte Serie auf Netflix bingezuwatchen. Und dann schlägt der Typ mir etwas mit wandelnden Untoten vor und glaubt auch noch, dass mir solche Hinrgespinste gefallen würden. Ich zweifelte an seinem Verstand.

Dann verlor ich eine wirklich banale Wette gegen ihn. Mein Freund triumphierte, und als Wetteinsatz stand die erste Folge von „The Walking Dead“ auf dem Plan. Ich hätte ja nicht ahnen können, dass das Ganze meine Lieblingsserie werden würde.

Es folgten 115 Folgen, die ich teilweise in frühen Morgenstunden hintereinander wegstreamte; Szenen – etwa als Glenn von Negan vor den Augen seiner schwangeren Frau Maggie totgeschlagen wird – die mich in ihrer Grausamkeit sprachlos machten, nachdenklich, dankbar. Ich sah Frauen kämpfen und Männer weinen und Kinder bluten und Zombies, die Gedärme fressen.

Ich konnte das Ende der siebten Staffel schwer ertragen, blieb verstört zurück, müde von der ganzen Aufregung auf dem Bildschirm und doch konnte ich seitdem kaum erwarten, dass die nächste Satffel startet.

Bis diese verfluchte Serie endlich weitergeht, dachte ich, fühle ich mich auch wie ein Zombie – innen tot, rastlos und verdammt.

Am 23. Oktober war es dann endlich soweit. Ich wartete seit Monaten auf die erste Folge. Und fürchtete sie zugleich. „The Walking Dead“ ist eine Serie, in der kein Lieblingscharakter sicher ist – zu viele fiktive Freunde hatte ich schon verloren, ihren brutalen Tod mitansehen müssen.

Wie wollten die Macher das noch toppen? Wer würde als nächstes sterben?

Michonne, die Kämpferbraut mit dem Katana-Schwert? Rick, der Ex-Polizist, der Robin Hood der neuen Welt? Carl, der bereits seine Mutter sterben sah, fast sein Bein verlor und der nur noch dauertraurig mit einem Auge durch die verlassenen Straßen rennt?

Würde Negan gewinnen? Würde dieser beschissene Scheißkerl mit seiner Lucille, die Rekarnation des Bösen, wirklich gewinnen?

Ein bisschen hoffte ich, die neue Staffel würde gemählich beginnen. Das gibt's bei TWD nämlich auch – Folgen, die eher die kleinen Momente zeigen, die so dahinplätschern, die eine Art Idylle simulieren – bevor der nächste große, schwer verdauliche Schlag kommt. Bevor die Truppe um Rick wieder flüchten muss, angegriffen wird oder in einen Krieg hineingerät, der so nicht beabsichtig war.

[SPOILER-ALARM!]

Doch die erste Folge der achten Staffel war wie ein Schlag in die Magengrube! Denn Rick riskiert alles – seine Liebsten, sein Leben, sein Zuhause – um sich endlich und für immer von Negan und den Saviors zu befreien.

Dieser Krieg kam viel zu früh. Und kommt doch zu spät. Jedenfalls kam ich aus dem Heulen nicht mehr heraus. Dabei ist keiner gestorben. Doch ich habe mitgelitten – mit Michonne und Maggie, Rick und Carl, Carol und Daryl.

All Maggie hochschwanger verkündet, dass sie sich die Welt, ihre Welt, endlich zurückholen werden und Rick ihr ins Ohr flüstert, dass er IHR in Zukunft folgen wird, wenn das alles vorbei ist, kommen mir das erste Mal die Tränen.

So sehr ich Glenn auch vermisse – seit seiner Ermordung durch Negan ist Maggie ein starke Schlüsselfigur und mit ihrem ungeborenen Baby die Hoffnung für die Zukunft.

Als Jesus sich gegen den Anführer von Hilltop wehrt und sagt „Wir hören auf Maggie“ und alle vereint vor den Saviors stehen – bereit ihr Leben zu geben füreinander. Und King Ezekiel ruft: „Wer heute mit uns Blut vergießt, wird zu meinen Brüdern.“

Als Gabriel aus Nächstenliebe in eine Falle tappt, den Plan gefährdet und damit das Leben aller gefährdet und mit Negan alleine eingesperrt ist. Das potenzielle nächste Opfer des Erbarmungslosen.

Die 45 Minuten sind so schnell um, dass ich aufschreie, als der Bildschirm wieder schwarz wird und der Abspann läuft. Die Titelmelodie hat mich in meinen Träumen verfolgt. Ich weiß nicht, warum ich mich noch so quäle.

Ach, doch: Weil Michonne und Maggie, Rick und Carl, Carol und Daryl mich an das Gute im Menschen glauben lassen. Daran, dass es auch in einer Welt, in der es kaum noch Hoffnung gibt, kaum noch Leben, nicht alles zu Ende sein muss – solange man einander hat. Füreinander kämpft. Füreinander einsteht.

Quelle: Noizz.de