"Mindhunter" erzählt spannend ein Stück Kriminal-Geschichte und zieht die Zuschauer*innen auch wegen des faszinierenden Grauens in ihren Bann.

Die Netflix-Serie "Mindhunter" ist dem True-Crime-Genre zuzuordnen und ist ebenso wie der Welterfolg "House of Cards" von David Fincher produziert. Die Serie beginnt im Jahr 1977 und erzählt die Pionierarbeit der FBI-Fallanalytiker John E. Douglas und Robert Ressler bei der Erforschung des Phänomens Serienmörder. Dank ihrer Forschung machten sie das Wort "Serienmörder" überhaupt erst populär.

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Serienkiller erzählen von ihren Taten

Mit den Protagonisten kommen wir menschlichen Abgründen gefährlich nahe: Edmund Kemper freut sich, über seine grausamen Verbrechen sprechen zu können. Über die Menschen, die er überrumpelt, ermordet, geköpft, verstümmelt hat. "Menschen wie ich, die andere Menschen aus Berufung jagen, wollen gerne darüber reden, wie das so ist. Wie die ganze Scheiße abläuft, die Verrücktheit, die sich dahinter verbirgt", sagt der riesige und schwergewichtige Mann im Gesprächsraum des kalifornischen Zuchthauses Vacaville höflich zu seinem Gegenüber.

"Ist nicht einfach, Menschen abzuschlachten. Ist harte Arbeit." Holden Ford (Jonathan Groff) schreibt fasziniert mit. Der FBI-Mann sieht den aufgeräumten Verbrecher Kemper (Cameron Britton) als Forschungsobjekt. Dass Kemper auch umgekehrt ihn, den Polizisten, als Forschungsobjekt sehen könnte, kommt Ford dabei nicht in den Sinn. Das wird später üble Folgen haben.

Eine Szene aus der zweiten Staffel "Mindhunter".

Kriminal-Geschichte spannend erzählt

Selten ist ein Stück Kriminal-Geschichte so spannend erzählt worden. Die beiden Polizisten heißen hier Holden Ford und Bill Tench (Letzterer gespielt von Holt McCallany). Vieles ist frei erzählt, doch die Protokolle der Mörder sind wirklichkeitstreu, oft sogar Wort für Wort.

Stundenlang waren die Visagisten zudem bei den Dreharbeiten zugange, um etwa im Fall von Charles Manson ein perfektes Ebenbild des weltweit so bekannten mörderischen Sektenführers auf das Gesicht des Schauspielers zu zaubern.

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Mindhunter: Liebe zum Detail

Überhaupt ist auffällig, mit welch extremer Akribie die Ausstatter diese Serie bis ins kleinste Detail im Stil um 1980 gestalteten. Jonathan Groff, dessen Engelsgesicht Zuschauer unter anderem aus der Serie "Glee" kennen, verleiht Holden Ford einen faszinierende Mischung zwischen naivem Forscherdrang, Leichtsinn und kühler Routine.

Das ausgezeichnete Drehbuch hält nicht nur für diese Hauptfigur extreme Erfahrungen im Umgang mit Abgründen bereit. 2017 ging die erste Staffel online, 2019 die zweite. Leider verdichten sich die Anzeichen, dass es keine dritte Staffel geben wird. Das sollte aber niemanden davon abhalten, die bisher abgedrehten 19 Folgen zu sehen, allein schon wegen des großartigen Soundtracks.

[Text zusammen mit: dpa]

Quelle: Noizz.de