Dank "Tiger King" und Joe Exotic ist Carole Baskin derzeit überall im Gespräch – nur leider kommt sie in der Doku-Serie und bei den Fans nicht ganz so gut weg. Neben Mord-Anschuldigungen werden nun auch neue Theorien über ihre Vergangenheit laut.

In "Tiger King" erscheint eine Figur schlimmer als die andere: Doc Antle, Jeff Lowe, James Garretson, Carole Baskin oder eben Joe Exotic haben alle eines gemeinsam. Nein, nicht die Tatsache, dass sie alle dumme Frisuren tragen – sondern dass sie alle irgendwie nicht ganz koscher wirken. Eine weiße Weste hat hier jedenfalls keine*r.

Joe Exotic, der exzentrische Zoo-Besitzer und Held der Netflix-Serie "Tiger King" ist am Ende allerdings der Einzige, der für seine Machenschaften büßen muss. Er wurde Anfang diesen Jahres zu 22 Jahren Haft verurteilt. Außerdem zeigten die Macher der Serie immer auch seine weiche und sympathische Seite. Nachdem man sich Joe Exotic und sein Kabinett aus grotesken Figuren angeschaut hat dürfte man zwar zutiefst irritiert sein – aber irgendwie auch eher mit Exotic mitfühlen, als mit allen anderen.

Joe Exotic mit seinem Tiger.

Carole Baskin: Ist sie wirklich so schlimm?

Carole Baskin hingegen wird allseits zum Anti-Christ höchstpersönlich erklärt. Und zwar nicht nur von Joe Exotic: Auch die Macher der Serie widmen die Sendezeit ihrer Doku vor allem der Tatsache, dass Baskins reicher Mann auf mysteriöse Art und Weise verschwunden ist und sie selbst als beinahe alleinige Erbin seines Reichtums fungiert.

Sie wird als geldgeile Furie präsentiert, die Joe Exotic verklagt und nicht mal vor dessen armer, tattriger Mutter halt macht – nachdem Exotic versucht hat, ihren Namen in den Dreck zu ziehen, ihr mehrfach Mord androht und seine Besitztümer vor allem auf seine Mutter überschreibt. Vor allem Letzteres war einfach ein ziemlich dummer Move von Joe Exotic und der verzweifelte Versuch, sein Geld vor Baskin zu schützen – ohne seine Mutter tatsächlich davon zu unterrichten, worauf sie sich eigentlich einlässt. Genereller Tipp: Immer erst lesen, bevor man etwas unterschreibt.

Außerdem wird immer wieder unterstrichen, dass Baskin und ihr "Big Cat Rescue" im Prinzip dasselbe macht, wie jeder andere private Großkatzen-Zoo: Sich daran bereichern, Tiger und Löwen auszustellen. In Baskins Fall ist es aber angeblich noch viel schlimmer: Joe Exotic bezahlt seine Mitarbeitenden immerhin (wenn auch nicht gut), wohingegen Baskin hauptsächlich freiwillige Helfer*innen am Start hat und niemanden bezahlt – so die Narrative der Doku.

Doc Antle züchtet Tiger auf seinem Answesen.

Die Tatsache, dass Baskin allerdings keine Züchtungen vornimmt um immer neue Tigerbabys ausstellen zu können, wird zwar genannt, aber auch schnell wieder fallengelassen. Tatsächlich sind die kleinen, niedlichen Tigerchen aber das, womit etwa Joe Exotic oder Doc Antle ihr Geld machen.

Baskin veröffentlicht Statement gegen Netflix

Nun hat Carole Baskin kürzlich ein sehr langes Statement auf der Website von "Big Cat Rescue" veröffentlicht, in dem sie die Macher von Netflix scharf verurteilt. Ihr Hauptvorwurf: Es ging dem Streaming-Dienst und allen Beteiligten nie um irgendwas anderes, als um den Profit und Zuschauerzahlen. Daher auch die reißerische Aufmachung der Doku und vor allem die Inszenierung Baskins als "die Böse". Sie selbst sei unter falschen Vorzeichen zur Teilnahme an den Dreharbeiten verleitet worden: Ihr wurde damals gesagt, dass es der Doku darum ging, das Leid von Großkatzen zu beenden.

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Ganz unrecht dürfte Baskin mit ihren Anschuldigungen nicht haben – allerdings ist die Tatsache, dass es bei der Produktion einer Show ums Geld geht jetzt auch keine Überraschung. Hat halt echt nie jemand behauptet, dass Netflix die Wohlfahrt ist. Das wird auch Carole Baskin nicht geglaubt haben – so naiv kann sie nicht sein. Aber vielleicht war ihr bis zum Ende nicht klar, welche Rolle sie in der Geschichte um Joe Exotic einnehmen würde.

Die Sache mit dem verschwundenen Ehemann

Eines der Hauptargumente Joe Exotics ist, dass Baskin für das mysteriöse Verschwinden ihres Mannes Don Lewis verantwortlich ist. Angeblich soll Baskin ihn 1997 umgebracht haben – er wurde nie gefunden. Exotic ist sich sicher: Die Raubkatzen-Retterin hat ihren Mann getötet und an ihre Tiger verfüttert.

>> Netflix-Serie "Tiger King": Hat Carol Baskin ihren Ehemann getötet?

Baskin kritisiert, dass in der Netflix-Serie nur zwielichtige und vor allem nicht glaubwürdige Personen zu dem Fall "Don Lewis" aussagen würden. Auch da kann man ihr recht geben – aber: Es sind halt alle zwielichtig und auch die Glaubwürdigkeit scheint in dem Großkatzen-Milieu, in dem sich hier alle bewegen, ein sehr weit gedehnter Begriff. Jedenfalls gibt Baskin eine sehr lange und detaillierte Erklärung für alle in der Serie gemachten Vorwürfe was das Verschwinden ihres Mannes angeht.

Einerseits erklärt sie eingängig, dass Lewis tatsächlich Alzheimer hatte und auch von seinen Mitarbeitenden, etwa Anne McQueen beklaut wurde. Andererseits gibt es Stimmen, die Don Lewis als Drogenbaron mit entsprechenden Beziehungen nach Costa Rica zeichnen. Sein Verschwinden könnte also durchaus auch etwas mit einer dieser beiden Möglichkeiten zu tun haben.

Angeblich hat die Serie bewegt, dass nun der Fall um Don Lewis wieder aufgerollt wird. Es soll sogar eine ganz neue True Crime Serie geben, die sich nur mit seinem Verschwinden auseinandersetzt. Möglicherweise sieht Baskin das als Grund, ihr Statement jetzt rauszuhauen. Wer weiß: Vielleicht geht Baskin der mit Wildkatzenprint bekleidete Hintern auf Grundeis, vielleicht ist es auch zu schmerzhaft, sich dieser ganzen Geschichte erneut zu stellen – wir werden es wohl nie erfahren.

Neue Theorien: War Baskin mit Jeff Lowe verheiratet?

Es ist ziemlich eindeutig, dass keiner genug von "Tiger King" bekommen kann – irgendwie halten vor allem in Corona-Zeiten alle an den bizarren Figuren dieser Doku fest. Da allerdings Netflix keine weiteren Inhalte stellt und auch sonst erstmal alles auserzählt ist, muss man selbst kreativ werden: Verschwörungstheorien um Carole Baskin werden laut.

Jeff Lowe in der Serie "Tiger King"

Angeblich soll Jeff Lowe früher, vor Don Lewis, mit Baskin verheiratet gewesen sein. Als ob diese Anschuldigung allein nicht schon schlimm genug wäre (Jeff Lowe ist mit Abstand der Unangenehmste der ganzen Bande), wird behauptet, Baskin habe ihren Ex Jeff Lowe engagiert, um Joe Exotic den Zoo wegzunehmen. Beweise: Keine. Nur fragwürdige Nebeneinanderstellungen von Fotos, die nichts beweisen, außer dass Baskins Ex und Jeff Lowe ein fliehendes Kinn haben:

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Die Tatsache, dass Carole Baskins Ex-Mann Michael Murdock heißt und heute 81 Jahre alt wäre, während Jeff Lowe 67 ist, interessiert hierbei nicht. Was allerdings aus Murdock geworden ist, weiß keiner.

Wer ist denn jetzt der Teufel?

Liest man sich Carole Baskins Statements durch und betrachtet die Doku von allen und vielleicht auch mal kritischeren Blickwinkeln, muss man tatsächlich sagen: Eigentlich gibt es dieser ganzen Geschichte nur Loser und Menschen, die sich gegenseitig verraten, belügen und ausnutzen. Aber wohingegen Joe Exotic gefeiert wird und sich alle einig darüber sind, dass er zu hart bestraft worden ist, hat Baskin an ihrem zerstörten Image zu knabbern.

In ihrem Statement spricht sie von den vielen Nachfragen und Mails, die sie nach der Serie bekommen hat und dass viele ihre Arbeit mit "Big Cat Rescue" kritisch sehen. Kein Wunder: Von ihr wird das altbekannte Bild einer rachsüchtigen, geldgierigen und skrupellosen Mörderin gezeichnet.

Auch wenn die Netflix-Serie eine Doku ist, sind die Produzenten ja dennoch daran beteiligt, wie das Auge des Betrachtenden gelenkt wird. So wird Baskin zur perfekten Gegnerin Joe Exotics stilisiert – auf die Vollständigkeit von Beweisen oder einem echten Interesse an Wahrheit wurde hier offenbar nicht so sehr geachtet. Und das ist tatsächlich nicht fair. Denn genau wie auch Joe Exotic ist bei Carole Baskin die Frage nach Opfer und Täter nicht eindeutig zu beantworten – in "Tiger King" wird aber so getan, als sei sie die Einzige, die wirklich von allen Vorgängen profitiert. Reichtum, Katzen, Freiheit hin oder her: Es muss gerade richtig ätzend sein, Carole Baskin zu sein.

>> Ich habe 3 Jahre für Joe Exotic gearbeitet – und Netflix hat nicht einmal 50 Prozent seiner Verrücktheit gezeigt

Quelle: Noizz.de