Ablenkung! Wir brauchen Ablenkung!

Bei Game of Thrones bin ich monogam. Obwohl ich sonst lieber in langen Serienabenden versinke, obwohl GoT so grausam langsam in Wochenhäppchen serviert wurde: Ich blieb dabei und sah nichts anderes.

Jetzt, sieben Wochen später, ist es, als wachte ich aus einem langen Schlaf mit Drachenträumen auf. Und zwar mit einem leichten Kater und ganz viel Trennungsschmerz. Erst 2019 rechnen Experten mit der achten – und letzten – Staffel Game of Thrones :-O

Aber so lange kann ja niemand treu bleiben. Zeit für ein paar neue Serien. Worauf ich mich jetzt freue:

The Last Kingdom (Netflix)

Noch eine Vikinger-Serie? Ich hatte ein bisschen Sorge, dass ich das mit den „Vikings“ (Amazon Prime) durcheinander bringen würde. Reingeschaut habe ich dann doch und keine! Sekunde! bereut!

Als GoT-Ausstiegsdroge ist TLK perfekt konstruiert. Es geht sofort los mit einem Angriff der Vikinger im 9. Jahrhundert, wir sehen Pferde, weites Nordland und eine Serie, die bitte ganz schnell einen Preis für gute Kameraführung und Schnitt bekommen sollte.

Romanvorlage sind die Uthred-Chroniken vom sehr genialen Autor Bernhard Cornwell. Netflix hat zwei Staffeln mit je acht Episoden und wer ein bisschen in Aegon Targaryen verliebt ist, der wird hier mit Sicherheit glücklich gemacht.

Cleverman (ARD One)

Was wäre, wenn… die Legenden wahr währen? Die Serie Cleverman spielt in einem Australien der Zukunft. Die „Hairypeople“ – Menschen einer alten Legende – leben nun in den australischen Städten. Sie sind schneller, stärker, härter. Und sie haben mehr Haare. Grund genug für reichlich Diskriminierung.

Der Cleverman ist der Nachfahre eines Aborigines und soll Aufräumen. Es geht um Grenzkontrollen und Rassismus, um Anpassung und Ängste. Insgesamt vielversprechend, ein bisschen schade, dass ARD One die Sendung im Spätabend- und Nachtprogramm versteckt. Schmankerl: „Jorah Mormont“-Darsteller Iain Glenn ist auch dabei.

Taboo (Amazon Prime)

Vergib mir Vater, denn ich habe wahrlich gesündigt, das sind die ersten Worte eines Sohnes an seinen toten Vater. Von weiteren Sünden hält ihn das allerdings nicht ab.

Es geht um Diamanten, es geht um Handel mit Kolonien, es geht um Kannibalismus und Inzest und all das spielt in London, 1814, einer Zeit, in der Hinrichtungen noch Spaß machen durften.

Taboo ist eine finstere Serie und in der Dunkelheit gibt man nicht viel auf Tabus. Tom Hardy und Ridley Scott haben uns hier ein kleines Meisterwerk geschenkt, komplett mit glaubwürdigem Setting und starken Kostümen. Und Franka Potente ist auch dabei, als Bordellchefin Helga in den Docks von London.

Die erste Staffel ist bei Amazon Prime komplett verfügbar. Die Serie startet ein bisschen langsam, macht dann aber sehr schnell süchtig.

The Expanse (Netflix)

Das Leben in unserem Sonnensystem kann so verdammt unromantisch sein… Für The Expanse haben die Macher sich überlegt, was in so einer Zukunft alles schlecht sein könnte - verdammt viel. Und wir gehen hier von verdammt großer Ungleichheit aus.

Mars ist kriegerisch, die Kolonien im Asteroidengürtel sind nur zum Arbeiten da und auf der Erde haben die Menschen nichts zu tun. Das führt zu Spannungen.

Am 8. September startet bei Netflix in die zweite Staffel. Die erste hat aber nur zehn Episoden und ist schnell aufgeholt.

Der Nebel (Netflix)

Ist eure Zeit nicht wert. Sorry. Nein. Mit großer Ankündigung und toller Romanvorlage hat Netflix hier eine Serie wie ein B-Movie produziert und ich war schon ganz aufgeregt.

Es beginnt ein wenig wie „Under the Dome“. Aber: Nichtmal die Gruselmomente sind wirklich gruselig, dafür aber die billig wirkenden Special Effects im Nebel. Wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es davon in dieser Serie ein paar mehr. Ich will meine Lebenszeit zurück.

Outlander (VOX, RTL Passion, Netflix)

Die zweite Staffel Outlander läuft gerade bei Netflix, die dritte soll angeblich erst 2018 kommen.

Trotzdem lohnt es sich, jetzt noch einzusteigen. Diese Serie saugt euch ein und entführt euch in das alte Schottland mit seinen Clan-Kriegen und manchmal ein bisschen viel Liebesgeschichte. Okay, die Sache mit den Zeitreisen ist auch nicht so ganz plausibel.

Dafür haben die Macher keine Angst vor Grausamkeiten und brutal-ehrlicher Darstellung der Lebensverhältnisse im alten Schottland. Sehenswert. Und mit Setting und Kostümen ein annehmbares Methadon für GoT-Junkies.

Quelle: Noizz.de