Für ihr Roben-Statement bei den Oscars 2020 kritisierte Rose McGowans die Schauspielkollegin Natalie Portman scharf: "Bis du und deine Mitschauspielerinnen in der Realität angekommen sind, tu uns allen einen Gefallen und hänge deinen bestickten Aktivistenmantel auf, er sitzt nicht richtig."

Die Oscar-Verleihung am vergangenen Sonntag verdeutlichte wieder einmal, dass es in Hollywood nicht nur unglaublich talentierte Menschen gibt, sondern noch immer auch unglaubliche Geschlechterdiskriminierung, die scheinbar unberührt von der seit Jahren immer stärker werdenden Kritik auch im Jahr 2020 weiterhin gesund und munter ist. Das offensichtlichste Beispiel: In der Kategorie beste Regie wurden wieder einmal nur Männer nominiert.

>> Natalie Portman zeigt dem Patriarchat den Mittelfinger – mit ihrem Oscar-Outfit

Dass das nicht an fehlendem weiblichen Talent liegt, verdeutlichte die Schauspielerin Natalie Portman mit ihrem Oscar-Outfit. Über ihrem Kleid trug sie eine Dior-Robe auf dessen Saum in Gold die Namen von Regisseurinnen gestickt waren, "deren unglaubliche Arbeit in diesem Jahr nicht anerkannt wurde" – wie Portman selbst auf dem roten Teppich erklärte.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Es war nicht das politische Outfit der Schauspielerin, die die Kritik an der fehlenden Diversität der Gala auslöste, bereits zuvor hagelte es in den sozialen Netzwerken Empörung, etwa unter dem Hashtag #OscarsSoMale (Oscars so männlich). Dennoch sorgte Portman mit der Robe weltweit für Schlagzeilen und verschaffte damit den übergangenen Regisseurinnen – Lorene Scafaria, Lulu Wang, Greta Gerwig, Mati Diop, Marielle Heller, Alma Har'el, Céline Sciamma und Melina Matsoukas – zumindest ein kleines Stück der Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient haben.

>> Bonnie und Clyde und rassistische Polizeigewalt: "Queen & Slim"-Regisseurin Melina Matsoukas im NOIZZ-Interview

Trotzdem gab es ausgerechnet von einer Frau scharfe Kritik, die Schauspielerin und Aktivistin Rose McGowan schrieb in einem Facebook-Post über Portmans Roben-Statement: "Ich finde Portmans Art von Aktivismus zutiefst beleidigend für diejenigen von uns, die tatsächlich die Arbeit machen. Ich schreibe das nicht aus Bitterkeit, sondern aus Ekel." McGowan prangerte an, dass Portman selbst Teil des Problems sei und sich jetzt als Aktivistin für Frauen inszeniere.

"Ja, du, Natalie. Du bist das Problem."

"Natalie, du hast in deiner sehr langen Karriere mit zwei Regisseurinnen gearbeitet – eine davon warst du selbst. Du hast eine Produktionsfirma, die genau eine Regisseurin eingestellt hat – dich", kritisiert McGowan in dem Post. "Ihr 'A-Lister' könntet die Welt verändern, wenn ihr Stellung beziehen würdet, anstatt das Problem zu sein. Ja, du, Natalie. Du bist das Problem. Lippenbekenntnisse sind das Problem", so McGowan weiter.

Rose McGowan sollte schweigen

"Ich stimme Frau McGowan zu, dass es unzutreffend ist, mich als 'mutig' zu bezeichnen"

Die Antwort Portmans ließ nicht lange auf sich warten: "Ich stimme Frau McGowan zu, dass es unzutreffend ist, mich als 'mutig' zu bezeichnen, weil ich ein Kleidungsstück mit Frauennamen trage", sagte Portman in einer Erklärung, die dem Magazin "People" vorliegt. "Tapfer ist ein Begriff, den ich stärker mit Handlungen wie denen der Frauen verbinde, die in den letzten Wochen unter unglaublichem Druck gegen Harvey Weinstein ausgesagt haben".

>> Es lebe das Patriarchat?! Oscars nominieren wieder nur weiße Männer

Portman bestätigte sogar McGowans Vorwurf, sie selbst habe kaum Filme mit Frauen gemacht – erklärte jedoch, dass sie mehrmalige Versuche gestartet habe, Filme mit weiblichen Regisseurinnen zu verwirklichen, die letztendlich an den Hürden des Systems gescheitert seien. "Wie Stacy Smith von der USC gut dokumentiert hat, ist es für weibliche Filme unglaublich schwierig, in den Studios gedreht oder unabhängig finanziert zu werden", erklärte Portman.

Auch nach dem Dreh stünden Filme weiblicher Regisseurinnen erneut auf allen Ebenen vor Schwierigkeiten. "Deshalb möchte ich sagen, dass ich es versucht habe und weiter versuchen werde. Auch wenn ich noch nicht erfolgreich war, bin ich hoffnungsvoll, dass es eine neue Zeit beginnt", so Portman.

>> Oscars 2020: Billie Eilish lieferte den besten Red-Carpet-Look

Quelle: Noizz.de