Wir erzählen euch, wie es gewesen war!

Ja, wir hassen Germany’s Next Topmodel. Die Casting-Show, die uns seit Teenager-Tagen einmal im Jahr in eine Kurzzeitdepression stürzt (und viele Meeedchen in Deutschland leider auch längerfristig und richtig ernsthaft), geht tatsächlich in die 13. Runde. Damit ist Heidi Klum genauso lange an der (Fernseh)Macht wie Angela Merkel! Und viele Meeedchen können sich an Privatfernsehen ohne Hexen-Heidis dämliche Mickeymouse-Stimme schon gar nicht mehr erinnern.

Wen die Show noch interessiert? Das wollten wir herausfinden. Ausgestattet mit Jägermeister und Sekt haben wir also die Vorpremiere der ersten Folge über uns ergehen lassen. Wenn ihr euch jetzt auch im Klum’schen Plusquamperfekt fragt: “Uuund, wie wars gewesen?” Hier die Zusammenfassung:

Aufreger des Abends

Laura: Ein Meeedchen, das mit 17 schwanger wurde und beim Casting stolz Bilder ihres 2-jährigen Sohnes herum zeigt, wird erst für ihre „tolle Figur“ gelobt, die sie „so schnell wieder hingekriegt“ hat. In der Karibik wird sie dann aber doch rausgeschmissen – wie soll der süße Kleine denn auch so lange ohne seine Mutter auskommen? Obwohl der Junge bestens versorgt bei den Großeltern lebt, spielt Heidi sich als Mutter der Nation auf und entscheidet, dass Mütter ihrer natürlichen Bestimmung nachkommen sollten, statt eine selbstbestimmte Karriere zu verfolgen. Da geht es nicht um Können oder Talent, sondern eine veraltete Moral und Rollenvorstellung. Wo denn eigentlich der Vater des Kleinen abgeblieben ist, wird nämlich in keiner Sekunde hinterfragt. Herzlich willkommen in den 50er Jahren!

Jana: Das Mutti-Meeedchen sorgt bei mir für Nervenzusammenbrüche, aber aus anderen Gründen. Mäuschen, sei froh, dass Heidi dich heim geschickt hat! Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass Kinder, die bis zu ihrem dritten Lebensjahr lange von der Mutter getrennt wurden, später keine stabile emotionale Bindung zu einem Menschen aufbauen können. Vor allem bei Jungs ist der Effekt der fehlenden Mum, besonders schlimm! Also sei froh, dass sie dich rausgeworfen haben und pass auf deinen Kleinen auf, damit er später kein gebranntmarktes Opfer der “Generation Beziehungsunfähig 4.0” wird!

Gespräch des Abends

Jana: Juhu, Heidi und ihre Juuungs konnten sich in diesem Jahr dazu durchringen, ein “PLUS SIZE MODEL” (dreifache Anführungszeichen!!) in die nächste Runde zu lassen. Natürlich durfte Heidis Kommentar bei der Vorstellung von Sara, die by the way maximal eine 38 trägt und deshalb sicher kein Plus Size Model ist, nicht fehlen. “Ich finde es toll, dass sich so viele unterschiedliche Mädchen beworben haben”, quietscht sie mit ihrer unverkennbaren Stimme. Im nächsten Schnitt kommt nach dramatisch-trauriger Musik aber noch der Nachsatz: “Aber ob sie auch alle das Zeug dazu haben?”. Klar, dass Heidi das nochmal in Frage stellen muss. Ehrliche Toleranz sieht anders aus.

Laura: Das grandios geskriptete Gespräch zwischen den „besten Freundinnen“ Zoe und Victoria beim Casting. Woher sie sich kennen?

„Sind wir ehrlich?“, fragt Victoria. „Sie hatte Sex mit meinem Freund.“

„Halt den Mund!“, sagt Zoe. „Wir haben uns beim Feiern kennengelernt.“

„Ja, danach im Club wollte ich sie schlagen.“

„Nicht mich!“

„Ja, ihre beste Freundin ... auch!“

„Ich hab sie dann beruhigt und sie hat an dem Abend dann sogar noch bei mir geschlafen.“

Hä? Was denn jetzt? Unglaubwürdiger als die Geschichte ist nur die Art wie die beiden Meeedchen sie erzählen. Da hätten die Autoren der Show die beiden mal besser briefen sollen.

Spruch des Abends

Jana: Ganz wichtig ist in der neuen Staffel GNTM vor allem eins: “Dieses Mal ist alles anders!” Schon klar, bei Staffel 13 ist natürlich alles gaaanz anders. Come on! Der größte Unterschied zu den vorherigen Staffeln: “Meeedchen muss heute auch sprechen können!”. Danke für diesen geistreichen und durchaus grammatikalisch unbedenklichen Satz, liebe Hexen-Heidi!

Laura: “Anders ist das neue normal” betonen die Juroren vollmundig und Michael Michalskys “Team Diversity” ist Motto des Abends! Schwarz, weiß, klapprig oder “curvy” (was bei GNTM offenbar schon bei Größe 36 beginnt) und das mittlerweile obligatorische Transmodel – die Modewelt scheint ein Paradies der Vielfalt! Blöd nur, dass die “Andersartigen” letztlich wieder nur in Schablonen gedrückt werden.

Das gläubige schwarze Gospel-Meeedchen Toni mit der sozialen Ader, das Transmeeedchen Soraya mit dem Fächer, das voll die Drama-Queen raushängen lässt - und natürlich das “pummelige” Curvey-Girl Sarah, das sich nur oberflächlich “total wohl” in seinem Körper fühlt, später dann aber die ganze Zeit heult, weil sie zu fett sei. Die vermeintlich “Anderen” werden zum Feigenblatt der “Diversity” und sind letztlich genauso fiese Karikaturen wie die anderen. Nur, dass man über sie besser lachen kann.

Publikumsreaktion des Abends:

Laura: Das Raunen im Kinosaal, als Transmeeedchen Soraya über den Runway läuft. Man merkt gerade den wenigen Männern im Raum ihr Unbehagen an: Einer ruft sogar was Unflätiges in den Saal. Wie soll man auch damit umgehen, dass dieses hotte Girl da mal einen Penis hatte? Oder hat sie vielleicht – Gott bewahre! – sogar noch einen?! Was sagt das über meine hart gefährdete Männlichkeit aus? Aaah, lieber schnell rauswerfen, bevor ich meinen eigene Vorstellungen von Normalität noch infrage stellen muss. Puh. Das war knapp gewesen!

Jana: Ganz ehrlich? Ich würde gerne etwas Gehässiges über die Zuschauer sagen und mich darüber aufregen, dass sie die Meeedchen aus voyeuristischen Gründen begafft und ausgelacht haben. Aber meine Lieblingsreaktion kam einfach von meiner geschätzten Kollegin Laura. Mit ihrem Entsetzen und ihrer Fassungslosigkeit hat sie für mich den Vogel abgeschossen: “Ich glaub… Ich muss sterben!”, ist sie sich nach gut einer halben Stunde Meeedchen-Zirkus und Höllen-Heidi sicher!

Schockmoment des Abends:

Jana: Das Screening war ja nicht nur für Presse-Heinis sondern auch für echte GNTM-Fans. Wir wollten natürlich wissen, warum die Meeedels die Sendung auch nach 13 Staffeln noch feiern. Die 19-Jährige Justine verrät uns: Sie ist ein absoluter Fan von GNTM! Sich selbst zu bewerben ist für sie keine Alternative, weil sie sich nicht dünn genug fühlt (obwohl sie super schlank ist!). Heftig, dass die Sendung die Selbst-Wahrnehmung der Zuschauer so verzerrt. Girl, du bist nicht dick und hast beim Sitzen sicher auch keine Rollen! Und selbst wenn: Don’t care!

Laura: Der ultraknappe Badeanzug von Transmodel Soraya, der offensichtlich nur dazu gedacht war den Zuschauer rätseln zu lassen, was da wohl zwischen ihren Beinen los ist. Schockmoment: Als Soraya im Badeanzug neben einem Stuhl steht, auf dem ein Meeedchen interviewt wird und die Kamera “zufällig” direkt auf ihren Schritt zoomt. Als Soraya das bemerkt, tritt sie schnell einen Schritt zur Seite hinter die Stuhllehne. Voyeuristischer und geschmackloser geht’s echt nicht, RTL… äh ich meine natürlich Pro7!

Fremdschäm-Moment

Jana: Beim Zusammenstellen von Michael Michalskys Team Diversity und Thomas Hayo’s Bad-Cop-Team-Schwarz erleiden die Meeedels regelmäßig Freuden-Orgasmen: “Oh jaaa.. ich will in dein Team”, quietschen sie um die Wette und wir sind kurz irritiert, weil wir nicht mehr wissen, ob wir hier gerade GNTM auf der Kinoleinwand gucken oder doch beim Porno-Karaoke gelandet sind. Auch nicht schlecht: Die Wackel-Kandidatinnen bekommen beim Casting noch eine zweite Chance – dafür laufen sie Runde für Runde wie beim Ententanz auf dem Laufsteg im Kreis. Uns erinnert das an einen Sushi-Circle – vielleicht ist das ein Grund, warum wir nie eine Chance bei GNTM gehabt hätten ...

Laura: Eigentlich dauerte der ca. 2,5 Stunden lang an. Wenn ich mich entscheiden müsste: Entweder das Meeedchen, das im Casting erklärte: “Ich schreib mir immer FAME auf die Hand, damit ich nicht vergesse, was ich im Leben erreichen will!” Oder die Super-Slow-Motion-Einstellung als ein Meeedchen mit etwas größerer Oberweite im Bikini über den Laufsteg lief. Vor meinem inneren Auge sah ich schon die Zuschauer mit wippende Köpfen wie beim Tennisspiel vorm Fernseher sitzen. Argh!

Fazit

Wenn Germany’s Next Topmodel auf den Öffentlich-Rechtlichen laufen würde, hätten wir schon längst aufgehört Steuern zu zahlen. So können wir einfach nur hoffen, dass niemand wirklich auf diese aufpolierte Dauerwerbesendung reinfällt, hätten wir für jeden eingeblendeten Lipton-Eistee einen Kurzen getrunken, wären wir schon nach zehn Minuten besoffen gewesen. Daher nochmal zum Mitschreiben:

Nein, diese Meeedchen sehen nicht normal aus.

Nein, die Dialoge sind nicht echt.

Und nein: So wird man garantiert kein Model. So kriegt man höchstens das Freiticket für’s Dschungelcamp.

Quelle: Noizz.de