Denn nie zuvor wurden die Frauen so schwach gezeigt.

Ok, dann räumen wir das mal für alle Zeiten öffentlich ein: JA, ich schalte bei Germanys Next Topmodel ein. Und das schon jahrelang. Bis auf die zweite Staffel, hab' ich alle Folgen gesehen, ausnahmslos. Und dazu noch das britische und amerikanische Pendant.

Und ja: Ich bin Feministin. Volle Kanne. Dennoch: Eine Trash-TV Sünde sei mir doch gegönnt. Schöne Bilder, ein bisschen Mode und Glitzer-Glitzer statt nur Politik – why not?

Aber warum genau ich es geguckt habe?

Also rational wars jedenfalls nicht. „Du musst sexy gucken, sexier!!!”, hat mich schon seit Jahren aufgeregt. Und sich wahrscheinlich in das Gehirn einer ganzen Generation gebrannt. Nur: In welchem Universum außerhalb der Victoria's-Secret-Shows gucken denn alle Models dauerhaft sexy?

Die Sendung begrüßt stattdessen die stetige Verfügbarkeit der weiblichen Sexualität für den oder die ZuschauerIn. Hallo, beschissenes Vorbild für junge Mädchen! Denn auch ich fand so was als 14-Jährige toll und voll normal, wenn sich weibliche Stars pausenlos im BH räkelten.

Genau das fordert Heidi all ihren jungen Teilnehmerinnen stetig ab. Be sexy, or go home.

So viel, so fleischlastig. Über ungesunde Körperbilder bei GNTM wurde ohnehin schon viel geschrieben.

Kim Hnizdo - natürlich in Unterwäsche bei GNTM Foto: Sascha Baumann / all4foto.de / all4foto.de

Warum ich abschalte

Ich schalte ab, aber aus einem ganz anderen Grund: Denn die Show hat nun ein neues Level erreicht. Die Frauen dort werden so schwach und selbstausbeuterisch wie nie zuvor präsentiert. Und das finde ich wirklich untragbar.

Die Teilnehmerinnen scheinen auf der Suche nach Topmodel-Status das letzte bisschen Selbstbewusstsein an der Kleiderstange abgegeben zu haben. Es gibt gerade mal drei Folgen, sprich die Show ist erst am Anfang und die Frauen brechen schon jetzt vor lauter Selbstzweifel vor der Kamera zusammen. Nur weil sie fürchten, Heidi eventuell nicht gefallen zu haben!

Wenn sie weiter „dürfen”, fließen die Tränen erst recht. Der Juror wird so fest gedrückt, als sei es der verloren geglaubte Opa. So viel Glück, dass man es kaum fassen kann und das alles nur für einen weit entfernten Traum. Denn hey – noch sind wir wirklich ganz am Anfang der Staffel.

Sogar die eigentlich so toughe Victoria hat sich vor der Kamera als Nervenbündel präsentiert. Vielleicht auch, weil sie sich dermaßen unter Druck gesetzt hat, war sie beim Shooting eher verkrampft, anstatt ihre locker-natürliche Art auf die Fotos zu übertragen.

Das treibt mich an den Rande des Wahnsinns! „Frauen, vertraut doch einfach auf das eigene Talent! Warum tut ihr euch das an?!”, will ich ihnen und tausend anderen Frauen zurufen.

Dass wir unseren Körper normieren und vermarkten, daran scheine ich mich in meiner 21.-Jahrhundert-Abgestumpftheit gewöhnt zu haben. Doch sich auch seelisch derart fertig zu machen, vor laufender Kamera, das packe ich nicht. Und eine Show, die so etwas gezielt fordert und fördert, will ich nicht sehen.

Die Models so schwach und optimierungssüchtig zu zeigen, ist nämlich auch eine bewusste Entscheidung der MacherInnen der Show. Und vielleicht gibt es viele Frauen, die auch in diesem Jahr stark sind. Aber die werden nicht so oft gezeigt. Tränen ziehen eben. Und auch das finde ich scheiße.

Außerdem lauten so eben die Spielregeln bei Germanys Next Topmodel: Bloß nicht anecken und immer tun, was Heidi sagt, dann hast du gute Chancen auf den Sieg. Dass dazu viel Selbstausbeutung gehört, dass haben viele Teilnehemrinnen nach 12 Jahre GNTM nun scheinbar verinnerlicht.

Die Frauen sind selbstausbeuterisch und verschüchtert wie nie

Sonst gab es auch immer ein paar Kandidatinnen die erhobenen Hauptes rausgeflogen sind. „Ich bin eigentlich die Siegerin. Das hat nur außer mit keiner erkannt”, haben sie dann der Kamera noch mitgegeben. Nicht mal das gab es bis jetzt in der Staffel. Und selbst wenn man sich bei diesen Teilnehmerinnen auch nicht immer so sicher war, ob man sie weitergelassen hätte, ihr Auftritt war selbstbewusst und irgendwie mutig.

Das Spiel mir den Selbstzweifeln ist nur logisch bei einem Format wie GNTM

Stattdessen überhöhen die Mädels der Episode 12 reihenweise die Sendung zu ihrer einmaligen und einzigen Chance. Ein bisschen religiöse Züge nimmt das schon an. Heidi als Heilsversprecherin. Und wann immer es nur geht, wird an sich selbst gezweifelt.

Das gehörte schon immer zur Sendung und dass die jungen Frauen sich dem nun so schrecklich klein machen, ist letzte Konsequenz all dieser Jahre.

Ich kann das nicht mehr sehen. Ich kann nicht zuschauen, wie Frauen so wenig an sich glauben und sich so für etwas aufopfern, wo eh unklar ist, nach welchen Kriterien entschieden wird.

Das Traurige ist: Das machen viele Frauen so. Im Reallife, in echt. Wegen dem, von dem wir denken, dass es unser Arbeitgeber, unsere Mutter, der Freundeskreis will. Wir alle leiden unter dem Kontroll- und Selbstoptimierungswahn, #bodypositivity und #selflove zum Trotz.

Deswegen: Frauen, seid stolz und vertraut in euch! Erfüllung ist weder abhängig von einer Heidi Klum, noch von sonst wem. Es ist abhängig von euch! Und dem Glaube daran, dass irgendwie doch alles gut wird.

Quelle: Noizz.de