Die Serie spielt mit Stereotypen – aber in alle Richtungen.

Vielleicht sollte ich eine ähnliche Dokumentation anfertigen wie es Hari Kondabolu getan hat. In seinem Werk „The Problem with Apu“ wirft er den Simpsons-Machern vor, Amerikanern ein einseitiges Bild des Herkunftslands seiner Eltern einzupflanzen. Der Stereotyp, den der indische Supermarktbesitzer Apu bedient, sei rassistisch.

Nun gibt es in den Simpsons auch genau eine deutsche Figur. Uter ist ein kleiner, dicker, blonder Junge, der Lederhosen trägt und seine Zeit als Austauschschüler an der Schule von Lisa und Bart verbringt. Sein Englisch ist ungefähr auf dem Stand von Gerd Müller und Günther Oettinger. Wenn er erwachsen wäre, würde er wahrscheinlich noch Bier trinken und Weißwurst essen. Mit dem durchschnittlichen Deutschen hat das nicht viel zu tun.

Verspüre ich deshalb Groll gegen Simpsons-Erfinder Matt Groening? Natürlich nicht. Es sagt doch viel mehr über die Leute aus, die denken alle Inder oder Deutsche wären so wie Apu oder Uter, als über die, die sie kreiert haben. Die Simpsons haben niemals von sich behauptet, ein realistisches Bild der Welt zu malen. Sie spielen mit Stereotypen, keine Frage. Das jedoch in alle Richtungen.

Homer Simpsons wurde zum Inbegriff des dicken, etwas dümmlichen Amerikaners, der sich hauptsächlich für Bier und Football interessiert. Davon fühlt sich niemand angegriffen. Die Amis lachen jeden Sonntag millionenfach über sich selber. Damit könnten es Kondabolu oder andere Kritiker auch mal versuchen.

Interessanterweise ist er sogar Fan der Simpsons und findet Apu lustig. „Doch was lustig ist, muss nicht richtig sein“, sagte er kürzlich in der Daily Show. Was lustig ist, muss aber auch kein Rassismus sein. Die Simpsons sind in einer gewissen Weise Satire. Sie überspitzen Sachverhalte, um sich Themen von einer anderen Seite zu nähern. Man muss kein Fan des Humors der bald 30-jährigen Sendung sein. Doch genauso wenig muss man immer gleich die Moralkeule schwingen.

Diese Meinung vertritt auch Matt Groening, der sich bei USA Today kürzlich zum ersten Mal zu den Rassismusvorwürfen geäußert hat. Er meinte: „Ich bin stolz auf das, was wir bei der Show machen. Und ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der Menschen gerne so tun, als würden sie sich angegriffen fühlen.“

Mit Rassismus oder auch Sexismus ist nicht zu spaßen. Genau deshalb sollten wir diese Wörter aber auch nur dann in den Mund nehmen, wenn es angebracht ist. Alles andere lenkt nur von wirklich wichtigen Debatten ab. Übertriebende politische Korrektheit ist einfach nur anstrengend. Wenn ich bei jedem Satz aufpassen muss, nicht irgendjemanden irgendwie zu verletzen, ist die einzige Lösung, gar nichts mehr zu sagen.

Nun mag der eine oder andere sagen, es wird Zeit, dass die Simpsons genau das tun: still sein. Doch was wäre damit gewonnen? Die Zeichentrickserie ist eines der wenigen Formate auf FOX, das sich kritisch mit Themen wie überbordendem Patriotismus, dem maroden Krankenversicherungssystem oder immer stärker werdender Islamophobie auseinandersetzt - nur halt auf eine unterhaltsame Art, sodass nicht jeder gleich wegschaltet. Genau dieser Sendung dann Rassismus vorzuwerfen, ist einfach Schwachsinn.

Quelle: Noizz.de