Filme, Mode, Musik – Keanu Reeves ist gerade überall.

Im Blockbuster-Franchise "John Wick" gibt Keanu Reeves den knallharten Action-Star. In Talk-Shows teilt der Schauspieler seine Weisheiten. Nebenbei synchronisiert er Filme wie "Toy Story 4", und Keanu ist das neue Gesicht von Saint Laurent. Sogar Rapper Logic hat einen Song nach ihm benannt. Und jetzt wurde auch noch bekannt gegeben, dass Keanu im vierten Teil "Matrix" erneut die Hauptrolle übernehmen wird. Ergo: Keanu Reeves ist fucking everywhere.

Doch woran liegt das? Warum ist Keanu der Messias des Jahres 2019? NOIZZ auf Spurensuche.

Wenn man an Keanu denkt, denkt man an schwarze Ledermäntel und rote oder blaue Pillen, die über den weiteren Verlauf des eigenen Lebens entscheiden. 1999 spielte Keanu die Rolle des Neo im Kultfilm "Matrix". Die 90er sind heute angesagter als in den 90ern selbst. Damit feiern auch Stars wie Keanu ein Comeback.

Das ist aber nicht der Grund, wieso Keanu so beliebt ist: Trotz seines Superstar-Status' wirkt der 54-Jährige nahbar. Er macht's nicht wie andere Promis und schottet sich ab, redet nur über seine Projekte und bringt Produkte auf den Markt, die keiner braucht.

Gründe für seine Nahbarkeit liegen in seiner Vergangenheit und damit in den Verletzungen, die er erlitten hat. Mit drei verließ ihn sein Vater. Seine Mutter heiratete mehrere Male, sie zogen oft um. Keanu brach die Schule wegen Dyslexie ab. Durch die Krankheit kann man Wörter und Texte nur schlecht lesen, obwohl man normal sieht und hört. Sein bester Freund starb 1993 an einer Überdosis. Kurz danach starb Keanus Freundin bei einem Autounfall. Zuvor erlitt sie eine Todgeburt. Seitdem hat er ernsthafte Beziehungen vermieden. Auf Instagram sucht man Keanu vergebens. Er kämpfe jahrelang gegen Depressionen.

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All diese Erlebnisse scheinen ihm eine gewisse Demut, eine Liebe für seine Mitmenschen und auch eine Selbstsicherheit verliehen zu haben, die sich viele Menschen wünschen.

Als Kontrast zu seinen übermäßigen Erfolgen mit "John Wick" und "Matrix" liefert er immer wieder unterirdische Filme wie "Always Be My Maybe" ab. Schlechte Drehbücher rettet er mit seiner schauspielerischen Leistung nicht. Im Gegenteil. Er lässt sich voll auf den Klamauk ein. Dass er nicht auf Instagram ist, zeugt davon, dass er sich selbst nicht vermarkten möchte. Es scheint, als würde ihn das alles nicht interessieren.

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Dafür setzt er sich für gegenseitigen Respekt ein. Auf Bildern mit Frauen wurde Keanu in letzter Zeit in einer erst merkwürdig anmutenden Pose gesehen: Er fasst Frauen darauf nicht an, lässt seine Hand über ihren Körpern schweben, so wie hier mit Dolly Parton.

In der Talkshow mit Stephen Colbert gab er zuletzt eine verblüffend menschliche Antwort auf die Frage, was passieren würde, wenn wir sterben. Keanu: "... Ich weiß, dass die, die uns lieben, uns vermissen werden."

Keanu ist menschlicher als die meisten Menschen. Er präsentiert eine Menschlichkeit, die uns in Zeiten von Instagram-Perfektionismus abhandenkommt. Keanu ist wie ein Sarah-Connor-Song. Er spricht simple Wahrheiten aus, die wir zu gerne vergessen. Das kann beeindrucken und schockieren. Es berührt aber vor allem. Keanu ist manchmal etwas kitischig, ein bisschen zum Fremdschämen, aber so ist das Leben. So sind Gefühle. Und er beruht sich auf das, wozu er nun einmal geschaffen wurde: das Menschsein.

Quelle: NOIZZ-Redaktion