Vor allem niemandem, der einen Dating-Show-Vertrag unterschrieben hat.

„Dein Ernst?“ – Kandidat Daniel brachte es in der gestrigen letzten Nacht der „Bachelorette“-Rosen auf den Punkt. Nadine Klein hat sich tatsächlich für Alex entschieden. Und das, nachdem sie und RTL uns zwei Stunden subtil weismachen wollten, dass eigentlich Daniel der Mann der Stunde ist. Ich bin wütend auf Nadine und auf mich. Habe ich nach acht „Bachelor“- Staffeln und nun fünf „Bachelorette“-Teilen denn immer noch nicht verstanden, wie der Hase läuft? Augenroll.

Ich, der Zuschauer-Trottel.

Auf meiner Couch sitzend bin ich wirklich felsenfest davon überzeugt, dass sich Nadine an diesem Abend für den lockeren Masterabsolventen Daniel entscheidet. Nicht, dass ich diese Entscheidung befürwortet hätte. Aber die Berlinerin wird eben nicht müde, am laufenden Band grinsend zu unterstreichen, wie entspannt es doch mit ihm sei. In Sachen Alex wird mir hingegen immer wieder sein ganz großes Manko unter die Nase gerieben: Der Boy ist einfach ultraschüchtern.

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Sogar in meiner Insta-Story verkünde ich analyse-sicher: „Sie nimmt Daniel, Alex muss gehen und wird heulen.“ Ich prophezeie den genauen Tathergang und rege mich vorzeitig auf, dass sich Nadine so „typisch Frau“ für den Mann entscheiden wird, der sie nicht nah genug an sie herangelassen hat. Schließlich konnte Daniel in der vergangenen Episode gerade so herausarbeiten, dass er „so etwas wie verknallt“ in die Brünette ist. Alex hingegen lieferte Nadine Folge um Folge die ganz große Gefühlspalette.

Ich klopfe mir innerlich auf die Schulter, weil ich so sehr an meine Menschenkenntnis und meine geniale Beobachtungsgabe glaube. Pustekuchen.

Warum ich Nadine vertraut habe.

Nadine wird den meisten TV-Dating-Anhängern wie ein regelrechter Mattscheiben-Segen vorgekommen sein. Vor allem im Vergleich zum vorherigen Kuppelshow-Protagonisten, den RTL ins Rennen schickte: Bachelor Daniel Völz. Seine Performance erschütterte mich so tief im Authentizitäts-Mark, dass ich Nadine einfach nur ins Herz schließen konnte.

Das Auftreten des Immobilienmaklers aus Miami jagte mir episodenweise einen Peinlichkeits-Schauer nach dem anderen über den Rücken. Bei Daniel hatte man einfach während jeder Einblendung den Redakteur hinter der Kamera vor Augen, der ihm Zeile für Zeile sämtlichen Sendungsinhalt in den Mund soufflierte. Sein Gehabe war ihm einfach so wenig abzunehmen wie sein Interesse an den Kandidatinnen. Bei Nadine war das anders. Endlich saß da jemanden, der normale Sätze ablieferte, die nicht völlig durchgetaktet und ohne grammatikalische Fehlstellungen daherkamen. Nadine war meine Frau! Klar war auch Nadine nicht an jedem interessiert. Aber man kaufte ihr ihre ernsten Absichten ab. Tränen inklusive.

Warum alles auf Daniel hindeutete.

Versetzen wir uns kurz zurück in die Gefühlslage, mit der uns RTL aus der vorletzten „Bachelorette“-Folge ins Finale entlassen hat. Nadine schleppte sowohl Daniel als auch Alex auf ein sogenanntes Dreamdate. (Filipe auch, aber der flog raus.) Auf den ABC-Inseln durften beide Männer um die finale Gunst ihrer Angebeteten buhlen.

Im Falle Daniel überrollte uns ein Mix aus guter Laune, Nadines verliebtem Grinsen und der regelmäßigen Feststellung, dass zwischen den beiden einfach alles so locker sei.

Bei Alex sah das Ganze etwas steifer aus. Er kam nicht so richtig aus sich heraus. Seine Zurückhaltung sprintete auf das Rendezvous zu und nahm erneut überhand. Nadine stellte messerscharf fest: Zwischen den beiden sei es manchmal wie bei Teenagern, die nicht wüssten, wie man miteinander umgeht.

Mit diesem Daniel-top-Alex-flop-Feeling sitze ich also vor der Mattscheibe – und dann steht das Treffen mit der Mama an. Die süße Mutti der Bachelorette hat eigentlich nur ein Anliegen: „Ich wünsche mir bei Nadine, dass sie einfach ankommt im Leben.“ Und siehe da: RTL beschert der blondierten Dame zwei Träume von einem Schwiegersohn. Findet sie auch. Beide „haben den Test bestanden.“ Recht diplomatisch die Aussage – und natürlich die Erfüllung jeglicher TV-Dating-Dramaturgie. Auch Mama weiß einfach nicht, wer am Ende die letzte Schnittblume in den Händen halten soll. Mensch, wie spannend.

Für mich, den Zuschauer, machen allerdings nicht die Aussagen ihrer Mutter die Musik, sondern die von RTL ausgewählten Schnittbilder, die O-Töne und die Melodien im Hintergrund.

Nadine wird uns mit Daniel am Arm unentwegt grinsend und anscheinend völlig liebesbetört gezeigt. Die beiden küssen sich sogar in Anwesenheit ihrer Erzeugerin. Ja, WTF. Neben Alex wirkt die Liebessuchende nicht ganz so hin und weg. Als er von ihrer liebevollen Art schwärmt, zeigt die Kamera auch Nadines Gesicht: ein recht abgeklärtes Lächeln in Richtung Mutter. Da kam keine verlegene Verliebtheit herüber, wie zuvor bei Daniel.

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Die O-Töne fallen für Alex ebenfalls nicht gerade positiv aus. Nach seinem Treffen mit der potenziellen Schwiegermutter wird er von der Bachelorette noch einmal bedeutungsschwer beiseite genommen. Nadine stellt ihm eine Frage, die sie im Falle Daniel nicht bekümmert. „Wie geht es dir bei dem Gedanken, dass du die letzte Rose nicht bekommst?“, blickt sie ihm rehäugig entgegen. Das ist jawohl verdammt nochmal die Vorbereitung darauf, dass er mit gebrochenem Herzen nach Hause geht, sprudelt es durch meinen Kopf.

Dann wird noch einmal nachgelegt. Nadine formuliert ihre Gefühle für Alex mit einem großen ABER: „Ich weiß nicht. Ich habe definitiv Schmetterlinge im Bauch, aber … ja …“ Mein Analysetool namens Kopf meldet sich: Das war's, er wird die letzte Rose nicht bekommen.

Daniel hingegen bekommt nach dem Schwiegermama-Talk nicht nur ein weiteres Mini-Date (Alex nicht), sondern auch viel wärmere Worte von der Rosenverteilerin: „Jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, ist es noch inniger und noch vertrauter geworden. Und ich glaube, damit hätte ich nicht so ganz gerechnet“, führt Nadine ihre Gefühlslage aus, während sie neben ihm mit Prosecco in der Hand im Hotelzimmerbett liegt.

Anschließend wird die Kirsche der Gefühlsduselei serviert. Auch Daniel, der seine Feelings nie so richtig auf den Punkt bringen konnte, fängt zu säuseln an: „Ich habe sehr viele Gefühle für dich und die fühlen sich gut an. Von meiner Seite aus, eine überragende Basis für eine Partnerschaft.“

Die große Entscheidung

Der Höhepunkt der Verwirrung wird – natürlich – während der Rosenvergabe erreicht. Jeweils in schicke Smokings gesteckt stehen Daniel und Alex einzeln vor Nadine. Da ist er endlich, der ganz große Moment, in dem die Bachelorette noch einmal die Staffel rekapituliert.

Ihre gesamte Rede an Alex fühlt sich dabei an wie ein Abschiedsgedicht. Warum? Weil die sonst so überzeugend lächelnde La Klein nur seltenst die Miene verzieht. Mir kommt es vor wie die subtile und vor allem angemessene Botschaft: Ich bin zwar nett, freu dich aber bitte nicht zu früh! Bei Daniel sieht das anders aus. Hier wird das ganz großes Grinsekino aufgefahren. Der Vortrag kommt irgendwie mit ein bisschen mehr Schwung und vermeintlicher Vorfreude daher.

Endgültig überzeugt davon, dass Daniel der Mann der Stunde ist, bin ich dann aber nach zwei hintereinander weg geschnittenen Rückblenden der beiden Jungs. Zwei Situationen, bei denen man nicht unbedingt sagen könnte, welche der perfektere Date-Moment gewesen ist – wäre da nicht die irreführende Musik im Hintergrund.

Zunächst sehen wir Nadine zusammen mit Alex auf der Terrasse eines Sisi-artigen Schlosses, es wird gekuschelt. Das Melodie im Hintergrund kommt der Schlummerfunktion meines Weckers gleich. So richtig in Wallung kommen meine Feels bei diesem Gedudel nicht. Das ändert sich schnell als RTL auf einmal die Schnittbilder mit Daniel einblendet. Die beiden werden bei ihrem ersten Date in Athen gezeigt. Sie sitzen an einem Tisch, der von einem Kran in die Höhe gezogen wird. Eine epische Ballade à la Ludovico Einaudi ist zu hören. Hach. Ein abenteuerliches Dinner, das wahrscheinlich sehr viel romantischer wirkt als es ist – wegen der Musik.

Und dann, nach dieser Szene, die uns an die Romantik hat glauben lassen – der wirklich, wirklich dreiste Schluss für Daniel. „Bei unserem Letzten Treffen hast du mir gesagt, wie ernst dir das alles ist und wie nie zuvor hast du dich mir emotional geöffnet. Deshalb fällt es mir unglaublich schwer, dir heute zu sagen, dass ich mich für Alex entschieden habe.“ BOOM.

Nadine, dein Ernst?!

Quelle: Noizz.de