Euer dummer Streit um die russische Sängerin Julia Samoilova zeigt: Es reicht!

Liebe Ukraine, Liebes Russland: Hört auf damit, den ESC zu versauen! Die Meldung darüber, dass die russische Kandidatin Julia Samoilowa nicht nach Kiew einreisen darf, ist doch wohl ein Witz – ebenso wie die vorangegangenen Provokationen von russischer Seite.

Die im Rollstuhl sitzende russische Sängerin hat ein Konzert auf der von Russland annektierten Krim gespielt – und das offenbar illegal. Denn die Ukraine sieht die Annexion der Krim durch Russland – zu Recht – nicht ein. Sie erlaubt es Russen nicht, ohne ukrainische Einreiseerlaubnis auf die Halbinsel einzureisen. Doch genau das tat Samoilowa und bekam daraufhin eine Wiedereinreisesperre in die Ukraine.

Eine gezielte Provokation

Russland hat die Sängerin nun dennoch ins ESC Rennen geschickt – obwohl ihnen klar war, dass die Ukraine Samoilowa nicht Einreisen lassen würde. Sie haben damit gezielt provoziert – denn wie blöd sieht es denn aus, wenn die Ukraine eine Teilnehmerin beim traditonell auf Einigkeit ausgelegtem ESC nicht einreisen lässt?

Vor allem: Nun könnte es vielleicht gar keinen russischen ESC-Beitrag geben. Denn die Anmeldefrist für Künstler bei der European Broadcast Union (EBU) ist bereits abgelaufen. Die EBU ist der Veranstalter des Songcontests.

Was soll der ganze Scheiß?

Wie können beide Seiten eine Sängerin mit Behinderung zum politischen Spielball machen? Und das ausgerechnet beim ESC? Die sind wohl nicht mehr ganz dicht!

Natürlich darf man den Konflikt nicht unter den Teppich kehren, aber den ECS als Bühne dafür zu benutzen, geht gar nicht. Denn dieser harmlose Wettbewerb ist für viele Zuschauer die letzte Bastion, in die man sich noch vor den schlechten Nachrichten der Welt flüchten kann.

Glitzer, Feuer, Euro-Trash und Butter stampfende Polinnen – der ESC ist das absolute Highlight für jeden Trash-Liebhaber – und darf sich nicht von politischen Streithähne vereinnahmen lassen.

Seit Jahren tragen Russland und die Ukraine ihren Konflikt beim ESC aus. 2015 wurde die Sängerin Polina Gagarina auf offener Bühne ausgebuht, 2016 der Wettkampf des Russen Sergei Lazarow mit der Ukrainerin Jamala zum Stellvertreterkrieg stilisiert – und natürlich war es nicht zufällig, dass Jamala einen Song über das tragische Schicksal der Krim-Tataren während der Stalinzeit gesungen hat. Und jetzt der Skandal um Julia Samoilowa.

Es reicht! Der ESC soll eine friedliche Veranstaltung bleiben, ohne provozierende Russen, ohne beleidigte Ukrainer und ohne Deutsche, die ständig rumheulen, dass die Griechen ihnen nur deshalb keine Punkte geben, weil Wolfgang Schäuble ihr Land kaputtspart.

Haltet es doch einfach wie Nicole: Nehmt eine Gitarre, stellt euch auf die Bühne und singt „Ein bisschen Frieden”. Das würde nicht nur euch, liebes Russland und liebe Ukraine, entspannter machen, sondern den Zuschauern wieder das zurückgeben, was der Eurovision Song Contest ist: eine Augen- und Ohrenkrebs verursachende Spaßveranstaltung, bei der man sich zumindest ein Mal im Jahr in eine Blase aus Glitzer und Pailletten flüchten kann. Amen!

Quelle: Noizz.de