In 62.000 Tweets rechnet er gnadenlos mit dem deutschen Fernsehen ab!

Eine Z-Prominente futtert Känguru-Hoden, eine zickige Single-Dame offenbart ihre Schönheitsoperationen und eine Modell-Hoffnung quält sich auf Highheels. Im Fernsehen alles schön und lustig – doch richtig Spaß macht Trash-TV erst mit den richtigen Twitter-Accounts an eurer Seite!

Im Januar und Februar hat Trash-TV im deutschen Fernsehen Hochsaison: Mit neuen Staffeln von "Der Bachelor", "Ich bin ein Star, holt mich hier raus", "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germany's Next Topmodel" vergeht kein Fernsehabend ohne Schmerzen, Skandale und Schreie.

Seit August 2009 immer mit an Bord: Der selbsternannte "Trash-TV-Haupttwitterer" Anredo. Mit über 62.000 Texten, Bildern und Videos hat er sich bisher über die Fernsehlandschaft ausgelassen. Und sogar in einem eigenen Podcast, dem Trash TV Talk, zieht er regelmäßig über Dschungelcamp, Bachelor und Co. her.

Trotz Dauer-Dosis Fernsehen sagt er: "Trash-TV ist mein Leben!" und geht sogar noch einen Schritt weiter: Für ihn steckt in Trash-TV sogar Kunst. Warum? Das verrät er im Interview mit NOIZZ!

Verdienst Du als Twitterer eigentlich genug oder musst Du nebenbei auch manchmal noch arbeiten? Wenn ja, als was denn?

Anredo: Twitter ist im Gegensatz zu YouTube oder Instagram nicht so krass vermarktbar –dementsprechend muss ich mein Brot irgendwie anders verdienen. Da passt es ganz gut, dass ich meine Leidenschaft für Trash-TV quasi auch beruflich ausleben kann. Ich wollte schon immer „irgendwas mit Medien“ machen, habe „irgendwas mit Medien“ studiert und dann führt einen der Weg früher oder später auch in die Medienbranche.

Und Trash-TV-Haupttwitterer: Ist das ein Ausbildungsberuf? Kann man das lernen?

Anredo: Ich hoffe, die IHK macht sich 2018 dafür stark. Als Ausbildungslehrer wäre ich auf jeden Fall gern dabei! Wobei – wirklich lernen kann man das nicht. Man entwickelt mit der Zeit seinen eigenen Stil und ehe man sich versieht, sitzt man 17 Stunden pro Tag vor der Glotze.

Wann hast Du angefangen, Dich für ausgerechnet diese Art von TV-Sendungen zu begeistern?

Anredo: Trash-TV ist mein Leben! Seit ich denken kann, faszinieren mich besonders die Formate, die von der Mehrheit der Gesellschaft meist als Abfall bezeichnet werden. Ich erinnere mich an die erste „Big Brother“-Staffel und die Anfänge des Dschungelcamps, die Liebe zum Trash war wirklich recht früh da. Und wenn man einmal im Sog ist, dann will man nicht mehr raus: Oft tauchen Kandidaten bei anderen Sendungen wieder auf und ehe man sich versieht, fängt ohnehin wieder eine neue Staffel an.

Wie entsteht ein Tweet von Dir? Vorbereitung oder spontane Kommentare?

Anredo: Mein Arbeitstag beginnt um 8:30 Uhr, dann kurzes Meeting mit meinem Autorenteam, dann Mittagspause und danach erst mal ein paar Stunden chillen und Playsi. Gegen 18:30 Uhr stehen dann alle 50 Tweets für den Abend fest und werden im Vorfeld zeitlich eingeplant, damit ich den Quatsch abends nicht gucken muss. Manchmal mach ichs aber auch spontan.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch bei Dir irgendwann eine Routine einkehrt. Bachelor, Ich bin ein Star, DSDS und Co. – fast jeden Abend „Trash-TV“. Muss Du Dich manchmal vor den Fernseher zwingen oder freust Du Dich auf jede Folge?

Anredo: Meistens freue ich mich tatsächlich auf jede Folge. Es gibt wenige Ausnahmen, in denen mir meine Trash-TV-Sucht etwas im Weg steht. Vor zwei Jahren hat ein guter Freund Geburtstag gefeiert, während das Dschungelcamp lief. Ich war bei ihm, zum Glück hat er Zuhause gefeiert und der Fernseher lief – die Folge habe ich trotzdem nicht genießen können. Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis für mich, weil ich die Lachnummer auf der Party war. Das war der Moment, an dem ich dachte: Jetzt musst du was ändern! Seitdem habe ich keine Freunde mehr.

Du schreibst bei Twitter über Dich selbst: „I put the 'art' in Hartz IV“. Ist das Fernsehprogramm wirklich so schlimm?

Anredo: Das Fernsehprogramm in Deutschland ist viel besser als sein Ruf. Wenn Menschen TV Formate mit einem sozialen Status oder „Hartz IV“ vergleichen, ist das absoluter Bullshit. Weil es aber trotzdem passiert, will ich mit dem Spruch, der in meiner Twitter-Bio steht, zeigen dass meist deutlich mehr drinsteckt, als man zunächst vermutet. Und manchmal eben auch eine Form von Kunst.

Kannst Du Dich wirklich für alle Formate begeistern oder schüttelst Du über Manches auch einfach nur den Kopf?

Anredo: Ich bin da relativ hart im Nehmen. Grundsätzlich interessieren mich neue Fernsehformate am Anfang immer, meistens ist es die Neugierde, die mich zum Einschalten treibt. Aber eine Sendung muss dann auch inhaltlich überzeugen, damit ich dran bleibe.

In Deiner Twitter-Geschichte: Was ist Dein Highlight, was Dein größer Flop, auf das und den Du zurückblickst?

Anredo: Der größte Trash-TV-Flop war eindeutig Newtopia. Was am Anfang so spannend klang, stellte sich sehr schnell als Mega-Fake heraus. Während die Fernsehzuschauer das recht spät oder gar nicht merkten, war Twitter damals die ideale Plattform für alle, die etwas über den Tellerrand blicken wollten. Highlights gab es eine ganze Menge. Das Dschungelcamp natürlich, insbesondere die Staffel mit Larissa und die Promi Big Brother Staffel mit Hubert, Ronald und dem Wendler waren besondere Trash-TV-Perlen der letzten Jahre.

Hast Du Tipps für Leute die auch ins Social-Media-Läster-Business einsteigen wollen?

Anredo: Läster-Business? Das ist feinste TV-Kritik, die ich betreibe! Nein, mal im Ernst: Einfach anfangen und das schreiben, was man selbst lustig findet. Alles andere gibt’s ja schon.

Zum Abschluss nochmal eine persönliche Frage: Wie würden Dich Deine Freunde beschrieben? Können die sich auch vor fiesen Sprüchen nicht mehr retten?

Anredo: Wenn ich Freunde hätte, würden die vermutlich sagen: „1 cooler dude vong lustikeit her“. Nein, Quatsch. Fiese Sprüche gibt’s aber schon hin und wieder. Meine Freunde können aber immerhin froh sein, dass ich in Gesprächen nicht mit GIFs antworten kann.

Quelle: Noizz.de