1.000 Einwohner und 10.000 Besucher am Tag, das kann nicht gut gehen ...

Der Wind streicht über mein Gesicht, im Hintergrund rauscht das Meer. Es ist heiß, Sommer in Dubrovnik, Kroatiens östliches Ende.

Bevor ich „Game of Thrones“ geschaut habe, wusste ich nicht, was Königsmund ist, wer da lebt – und, dass es mit dem Flugzeug nur zwei Stunden von Berlin entfernt ist. In Dubrovnik wurde die Serie gedreht, ebenso wie „Star Wars“-Episoden und bald kommt die Film-Crew vom neuen James Bond.

Pile Gate ist der Eingang zur Altstadt und vollkommen überfüllt

In der Stadt weiß man inzwischen, wie man damit Geld verdienen kann: Es gibt GoT-Stadtführungen und einen Souvenirshop neben dem nächsten.

Doch Dubrovnik ächzt unter den vielen Besuchern, ich habe das Gefühl, dass es der Stadt nicht gut geht, die engen Gassen sind verstopft mit Touristen, auch ich komme nur langsam voran. Die Papierkörbe quellen über, leere Flaschen stehen auf Fensterbänken.

Direkt hinter dem Stadttor steht ein Mann auf einem Schemel. Er streckt ein großes, silbernes Herz in den Himmel, Dubrovnik 2017 steht darauf. In seiner Hand hält er einen Korb und verkauft Bänder mit kleinen Herzen wie Medaillen an die Passanten, sein Lächeln verkauft er dazu ... Es wirkt angestrengt.

Leere Flaschen und Müll stehen herum

An den Straßenecken stehen Maler, die willige Touristen zeichnen. Die meisten von ihnen kommen mit Kreuzfahrtschiffen an – und bleiben für höchstens drei Stunden.

Wie eine Welle schwappen sie um die Mittagszeit in die Stadt und überspülen die Geschäfte. Die meisten geben nur wenig Geld aus, erzählt mir ein Café-Besitzer, der – wie viele andere Einwohner – anonym bleiben möchte. Vielleicht ein Eis und ein Spaziergang auf der zwei Kilometer langen Stadtmauer, dann trötet schon wieder das Schiff – und weiter geht’s.

Nicht mal für ein Mittagsessen sei Zeit, die Kreuzfahrtschiffe bieten ja all-inclusive an. Manche Touristen wüssten nicht mal, dass sie in Kroatien sind, fragten, warum sie nicht in Euro, sondern in Kuna zu zahlen hätten, das sei doch hier Italien.

Ein Mann verkauft Andenken

Andere kommen extra aus den USA, sie wollen unbedingt die Originaldrehorte ihrer Lieblingsserie sehen. Wenn man auf der Festung Lovrijeniac steht – in der Serie der Rote Bergfried –, hat man einen schönen Blick über die Bucht, ein Fotokalender- oder Bildschirmhintergrund-Panorama, mindestens zwei Kreuzfahrtschiffe gehören inzwischen dazu. Einmal pro Woche, meist donnerstags oder freitags, legen fünf von ihnen gleichzeitig im Hafen an, erzählt Ivana Radic. Auch die 33-Jährige verdient ihr Geld mit GoT-Touren.

Die Tüten verraten die GoT-Fans

An einem besonders krassen Tag vor ein paar Jahren seien es sogar zwölf Schiffe gewesen. Ich habe das Gefühl, dass viele Einwohner von den Touristen genervt, in jedem Fall aber mit ihnen überfordert sind.

Heutzutage leben noch gut 1.000 Menschen in der Altstadt, im letzten August haben 10.000 Menschen eine Eintrittskarte für die Stadtmauern gekauft, und das an einem Tag – Tendenz steigend. Wenn das so weitergeht, droht Dubrovnik ein Schicksal wie Venedig – es wird zur touristischen Geisterstadt und zerfällt langsam.

Kreuzfahrtschiffe in der Bucht

Auch die Regierung hat dieses Problem erkannt – und will ein Besucherlimit festlegen. Doch wie soll das gehen, fragt sich auch GoT-Tourguide Ivana Radic. Touristenbusse kommen für Tagesausflüge aus anderen Städten und benachbarten Ländern, Kreuzfahrtschiffe von anderen Kontinenten – wem will man denn den Zugang zur Stadt gewähren und wem verbieten? Es ist vielleicht der Jahresurlaub, die Touristen haben viel Geld für die Reise bezahlt.

Vielleicht ebben die Fluten von GoT-Besuchern nach dem Staffelfinale etwas ab – dafür buchen aber vielleicht schon die James-Bond-Fans ihre Flüge. Ich jedenfalls fühle mich schlecht, dass ich einer von ihnen war.

So sieht die Stadt von oben aus
  • Quelle:
  • Noizz.de