Eine Mutter zeigt auf TikTok einen Clip von ihrem acht Monate alten Baby, das von einer Schwimmlehrerin in einen Pool geschmissen wird. "Er ist ein kleiner Fisch", sagt sie. Ist das moralisch vertretbar?

Krysta Meyer ist eine 27-jährige Mutter von zwei Jungs im US-Bundesstaat Colorado. Seitdem sie im Februar auf TikTok aktiv ist, sammelt sie nicht nicht gerade viele Views – doch dann landet sie mit einem Video einen viralen Hit. Darin zeigt sie, wie eine Schwimmlehrerin ihr acht Monate altes Kind Oliver einfach in einen Pool schmeißt. Das Baby taucht für eine Weile unter, dann ploppt es wieder an die Oberfläche, und die Mama freut sich. Der Clip wurde schon über 51 Millionen Mal angeschaut, auf Twitter 20 Millionen Mal.

Die Mutter schreibt in der Beschreibung des Videos, dass sie "Bewunderung für ihr Kind" hätte, das schon nach zwei Monaten Unterricht so viel lernen würde. "Er ist ein kleiner Fisch", so Krysta.

Ist Krysta eine "schlechte Mutter"?

Auf TikTok battlen sich die TikTok-Jünger darum, wer den lustigsten Kommentar zu dem skurrilen Video dalassen kann. Andere meinen, was für eine schlimme Mutter Krysta wäre, dass sie ihre Kinder traumatisieren würde.

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Tatsächlich ist das Video im Rahmen eines "Säugling Survival"-Unterrichts entstanden. Darin würden sie Säuglingen beibringen, ihre Situation zu analysieren und lernen, selber einen Ausweg zu finden. Sie lernen, wie man sich im Wasser umdreht und wie sie auf ihrem Rücken auf dem Wasser liegen können. Mit jungen Kindern geht das noch gut, weil ihre Muskeln Wasser noch von der Gebärmutter gewohnt sind. Die Schwimmlehrer*innen, die diesen Kurs unterrichten, müssen monatelang dafür trainieren.

Diese Kurse sind umstritten

Manche, wie die "American Academy of Pediatrics" oder die Nonprofit-Organisation "Water Smart Tots", argumentieren, dass jedes Kind über dem Alter von 12 Monaten schwimmen lernen sollte. Allerdings gibt es auch Gegner dieser speziellen Methode, wie die Anthropologin Dr. Francoise Freedman, die argumentiert, dass ein solcher Unterricht traumatisierend für Kinder wäre.

Gründerin des wohltätigen Vereins "Parents Preventing Childhood Drowning" Jenny Bennett ist zwar für den Unterricht, sagt aber, dass diese spezifische Schwimmschule die Kinder von unrealistischen Höhen schmeißen würde, die selbst sie schockieren würden. Teilweise würden die Kinder sogar mit dem Kopf nach unten ins Wasser geschmissen werden – unnötig, findet Bennett.

Die Gründerin der nun viralen Schwimmschule argumentiert allerdings, dass sie nachahmen, wie ein Baby von hinten von einem Boot herunterfällt – das Worst Case Szenario.

Krysta selber findet den Kurs super und vertraut den Schwimmlehrer*innen.

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Quelle: Noizz.de