Mateusz Gugałka war hautnah dran an den Ereignissen von "Tiger King"– und hat NOIZZ alle Fragen beantwortet, die uns seit der Doku im Kopf herumschwirren. Wie geisteskrank ist Joe Exotic wirklich? Hat Carole ihren Ehemann umgebracht? Hat Joe heimlich Tiger getötet?

Die Geschichte von Joe Exotic, dem Hauptcharakter der Serie "Tiger King " auf Netflix, hat das Interesse von Menschen auf der ganzen Welt erweckt. Losgelöst von der Realität ist die Welt der Tigerzüchter neben dem Coronavirus zum beliebtesten Thema im Internet geworden – in nur zehn Tagen wurde die Serie von 34 Millionen US-Amerikanern gesehen. Mateusz Gugałka verbrachte drei Jahre im Park von Joe Exotic. Er arbeitete als Kameramann, verfolgte alles, was vor Ort passierte.

NOIZZ hat er die Geschichte des Tigerkönigs aus seiner Sicht erzählt und einige spannende Fakten über Joe und den Rest des Casts verraten, die dich garantiert schockieren werden.

Worum geht es bei "Tiger King"?

Joe Exotic war jahrelang der Besitzer eines privaten Zoos mit Wildtieren – hauptsächlich Tiger und andere Raubkatzen – in Oklahoma. Neben seiner großen Liebe zu Wildkatzen ist Joe für seine exzentrische Art bekannt, er ist ein Polyamorist (er hatte insgesamt fünf Ehemänner), er konsumierte harte Drogen und trat sogar mal als Kandidat bei den US-Präsidentschaftswahlen an. Sein fragwürdiges Geschäftsmodell des privaten Tierparks mit vom Aussterben bedrohten Tierarten florierte bis zum Erscheinen seiner Rivalin Carole Baskin, alias "Mutter Teresa der Katzen", reibungslos. Die Witwe eines Millionärs, der unter ungeklärten Umständen starb, beziehungsweise verschwand, betrieb ein ähnliches Geschäftsmodell in Florida, deklarierte ihren Zoo "Big Cat Rescue" allerdings nicht als Unterhaltungsort, sondern als Rettungszentrum für Wildkatzen. Ihr Ziel war es, Joe Exotics Zoo zu schließen. Der Höhepunkt der Rivalität: Joe heuerte angeblich einen Auftragskiller an, um Carole zu töten. Seitdem sitzt er im Gefängnis.

In der Netflix-Serie "Tiger King" lernen wir auch Rick Kirckham – Produzent der Reality-Show von Joe, John Reinke – seinen Zoomanager und Jeff Lowe kennen – einen mysteriösen Millionär mit einer kriminellen Vergangenheit, der Joe aus finanziellen Problemen helfen sollte. Auch mit dabei: Tigerzüchter Doc Antle, der neben einer Herde wilder Katzen einen privaten Harem hatte. Mateusz Gugałka arbeitete als Kameramann für Joes Reality-Show und hatte tagtäglich Kontakt mit den exzentrischen Figuren der Doku. Im Interview hat er uns erzählt, wie verrückt es in Joes Zoo wirklich abging.

Willkommen im Königreich

NOIZZ: Wie bist du in die Welt von Joe Exotic geraten?

Mateusz Gugałka: 2014 habe ich in Polen für die Mediengruppe Agora ungefähr 100 Stunden pro Woche gearbeitet: Modenschauen, Premieren ... Ich fühlte mich ausgebrannt und beschloss, drei Wochen in die USA zu reisen. Während ich dort war, habe ich mir Stellenangebote angesehen, "Video Editor" eingegeben und in Oklahoma einen Job bei Joe Exotic gefunden. Ich hatte keine Ahnung, wo Oklahoma ist und wer Joe Exotic war, aber ich beschloss, es einfach auszuprobieren. Ungefähr eine halbe Stunde nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, rief mich Produzent Rick Kirckham an. Er sagte mir, ich solle vorbeikommen und mir ansehen, was ich für sie tun könne. Nach 15 Stunden Fahrt war ich in Oklahoma. Die Arbeit schien interessant zu sein, schließlich ging es um die Arbeit mit Tigern, also entschied ich mich, den Job anzunehmen und zu bleiben.

Mateusz Gugałka mit einem Tiger von Joe

Du bist direkt in eine Welt eingetaucht, die man nicht so richtig in den Kopf bekommt. Tiger sind in den USA, so etwas wie in Europa Alpakas: Sie sind eine Touristenattraktion und für die richtige Menge Geld kann man sogar mit ihnen spielen. Wie hast du dich in dieser Welt zurechtgefunden?

Ich hatte keine Ahnung von der Welt der Wildkatzenzüchter. Was mich am meisten überraschte, war die Größe des Ganzen. Alls ich im Juli dort ankam, war es furchtbar laut: einerseits die ohrenbetäubenden Zikaden, andererseits brüllende Tiger und Löwen. Diese Geräusche zusammen waren so absurd. Darüber hinaus geschah alles in Oklahoma, was die meisten Menschen nicht einmal auf einer Landkarte finden können. Dort hielt dieser Typ 200 Tiger in seinem Park.

Du warst Teil der Welt von Joe Exotic – empfindest du die Dokumentation als übertrieben oder wurde uns vielleicht sogar nicht mal die ganze Wahrheit darüber gezeigt, was dort wirklich geschah?

Netflix zeigt nicht einmal fünfzig Prozent von dem, was dort passiert ist. Als ich Leuten von meiner Arbeit erzählte, glaubten sie mir nicht. Dieser Wahnsinn war unglaublich und schwierig in Worte zu fassen.

Joe Exotic hinter den Kulissen: Der wahre "Tiger King"

Mateusz lernte Joe Exotic 2014 kennen und hatte die Gelegenheit, dessen Höhen und Tiefen aus nächste Nähe zu beobachten. Er setzte seine abstrakten Ideen um und begleitete ihn bei Wutausbrüchen, die von seiner Erzfeindin Carole Baskin hervorgerufen wurden. Er war bei Streitigkeiten mit seinen Ehemännern dabei und beobachtete Joes Fürsorge gegenüber kleinen Tigern, die er gerade ihren Müttern weggenommen hatte.

Welchen ersten Eindruck hat Joe Exotic auf dich gemacht?

Als ich ihn zum ersten Mal sah, betrat er das Studio, legte seine Waffe auf den Schreibtisch und begann mit mir zu reden, als hätte er nie etwas anderes getan. Es war verrückt – du kommst aus Polen, du siehst nie eine Waffe und plötzlich landet sie direkt vor deiner Nase. So begann unsere Beziehung. Er fragte mich, woher ich komme und was ich hier mache. Joe mag es, die klügste Person im Raum zu sein. Deswegen mochte er es nicht, dass er mein Englisch nicht richtig verstand. Er konnte meinen Namen Matt nicht aussprechen, also beschloss er, mich Mott zu nennen. Wenn er etwas nicht verstehen oder sagen konnte, fand er einen Weg, es auf seine eigene Weise zu regeln.

Als ich "Tiger King" das erste Mal gesehen habe, dachte ich, dass Joe die Quintessenz von allem ist, was Konservative hassen – ein schwuler Polygamist, ein Haarschnitt eines tschechischen Fußballers aus den 80ern, extreme Ansichten, ein Schausteller und dann hat er auch noch Tiger. Wie hast du ihn wahrgenommen?

Meine Gefühle für Joe haben sich während meines Aufenthalts geändert. Am Anfang mochte ich ihn sehr. Wir wussten offiziell nichts davon, aber Joe hat gerne gekokst. Dann ging er ins Studio, sprang auf die Tische, startete YouTube live und rief den Zuschauern, die seinen Kanal sahen, 30 Minuten lang irgendetwas zu. Es gab Tage, an denen Joe schwer zu ertragen war, aber im Allgemeinen hatte er immer gute Absichten.

Er war nicht der Intelligenteste – er lebte nach Bauernweisheiten, woraus er auch kein Geheimnis machte. Wenn sich ein Pferd oder eine Kuh in einem Dorf in den Vereinigten Staaten ein Bein gebrochen hat oder wenn ein Tier aus irgendeinem Grund leidet, dann wird dem Leiden normalerweise mit einem Kopfschuss ein Ende gesetzt. Das ist dort normal und Joe hat das Gleiche getan. Daher stammen all die Überreste von Tigern, die im Zoo gefunden wurden. Joe hat sie tatsächlich getötet, aber er hat es nicht zum Spaß gemacht, er dachte, er würde ihnen helfen.

Rick Kirckman, Mateusz und Joe bei Filmarbeiten

Der Produzent der Reality-Show, Rick Kirckham, sagte, dass Joe eine völlig andere Person ist, wenn die Kameras aus sind.

Meiner Meinung nach ist Joe viel sympathischer, wenn keine Kameras an sind. Es ist mal nach Texas gegangen, um über das Wrestling in Kleinstädten zu berichten. Er mietete eine Limousine und nahm uns mit. Er hat uns Bier gekauft, wir haben uns unterhalten, es war sehr schön. Er konnte auch so sein.

Man muss wissen, dass Joe eine sehr strenge Regel hatte – er duldete keinen Alkohol im Park, weil sein Bruder bei einem Unfall starb, der von einem betrunkenen Fahrer verursacht wurde. Er mochte keinen Alkohol, gab aber Alkoholikern eine Chance. Einer der Tigerhalter, Erik, war alkoholabhängig, ein ehemaliger Soldat. Joe behandelte ihn immer gut, half ihm sehr, auch als Erik irgendwann die Kontrolle über das Trinken verlor, bezahlte Joe ihm die Reha. Er behandelte ihn wie seinen eigenen Sohn. In der Dokumentation habe ich gesehen, dass Erik jetzt leider wieder trinkt.

Joe ist ein ungestümer Exzentriker, aber auch ein einfacher Typ – der immer eine Waffe dabei hatte. Hattest du Angst vor ihm?

Ich hatte mehr Angst vor einem seiner Ehemänner, Travis, der nie ohne Waffe aus dem Haus ging. Joe trug auch eine Waffe, aber nur wegen der Tiere. Er konnte überhaupt nicht schießen, er traf nie etwas. Wenn ihn also etwas geritten hätte, hätte es eine Chance gegeben zu fliehen. Vor Travis hatte ich Angst, weil an seinen Basketballshorts immer eine Waffe hing. Wenn ich daran denke, dass er durch eine Waffe gestorben ist und wie oft er sie auf Menschen wie mich im Park gerichtet hat, ist das einfach nur schrecklich.

Mateusz und Travis, Joes Ehemann, der sich das Leben nahm

Irgendwann beschließt der Exzentriker Joe, sich für die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten und dann des Gouverneurs zu bewerben. Hast du ihn damals begleitet?

Ja, und ich habe die Aktion verstanden. Zuerst war er ein großer Anhänger von Donald Trump, er verehrte ihn. Er ging zu seinen Events, schrieb ihm E-Mails, Trump ignorierte ihn aber. Er hat bessere Dinge zu tun, als einen Zoobesitzer zu treffen. Am Ende beschloss Joe, einfach selbst Präsident zu werden.

Hat dich das überrascht?

Bei alledem was passiert ist, war das eines der normaleren Dinge, die dort passiert sind. Irgendwie hat es uns nicht mehr wirklich beeindruckt. Joe will Geld für eine Präsidentschaftskampagne ausgeben? OKAY. Wenn du eine Kampagne startest, erhältst du auch Subventionen – für Lebensmittel, Transport und so weiter. Joe ist Joe und er tut die Dinge, die Joe tut. Danach wollte er Gouverneur werden, weil er merkte, dass die Kampagne ihm Publicity brachte. Die Leute sprachen über ihn, sogar John Oliver zeigte seinen Wahlwerbespot in seiner Show. Er dachte nie, dass er gewinnen würde, aber er wollte Aufmerksamkeit und Geld.

In dem privaten Zoo wurde es nie langweilig

Joe nahm auch Musikvideos für Country-Musik auf. Hast du auch daran gearbeitet?

Ja, aber es ist schwierig, es "Arbeit an Musikvideos" zu nennen. Joe dachte tatsächlich, dass er die Musik gemacht hätte – aber natürlich war es nicht er, der sang. Er konnte überhaupt nicht singen. Joe wachte manchmal auf und sagte, er wolle ein Musikvideo aufnehmen. Wir nahmen einen großen Lautsprecher, eine Kamera und gingen irgendwohin, ohne eine Ahnung zu haben, was wir aufnehmen würden, wie und wo. Das war auch beim Musikvideo zu "Here Kitty Kitty" mit der Frau der Fall, die Joes größter Feindin, Carole Baskin, sehr ähnlich aussah. Ich habe keine Ahnung, wo er sie aufgetrieben hat. Ein anderes Mal meinte er, wir sollten nach Florida gehen, um ein Musikvideo mit Elefanten aufzunehmen.

Du hattest die Idee, Joe für das Intro der Reality-Show auf den Thron zu setzen – wurdest du von einem Video von Lana del Rey inspiriert?

Irgendwann überlegten Rick und ich, der Regisseur der Reality-Show, wie man das aufgenommene Material am besten ans Fernsehen verkauft. Ich erinnerte mich an Lana del Reys Musikvideo "Born to Die" – eine Einstellung, in der Lana auf dem Thron sitzt und zwei Tiger an ihrer Seite hat. Ich schlug vor, eine ähnliche Szene für Joes Reality-Show zu drehen. Aber seine Tiger waren keine Hunde – sie wären nicht an einem Ort sitzen geblieben. Joe sprach mit einem Freund, der Zirkus-Tiger ausgebildet hatte. Er brachte tatsächlich einen Tiger mit, und ich überredete Joe, uns eine Drohne zu kaufen, denn sorry, aber ich wollte den Käfig mit den Tigern nicht betreten. Ich stand auf einem Hügel und lenkte die Drohne von oben, um die Aufnahme ähnlich wie in Lanas Musikvideo zu machen. Die Krone kam später dazu, aber das war nicht meine Idee.

Dreharbeiten für die Reality-TV-Show von Joe Exotic

Wem im Zoo konnte man vertrauen?

Schaut man "Tiger King", ist es schwer, mit einem der Charaktere zu sympathisieren: Scheinbare Freunde kehren sich in einem für sie günstigen Moment den Rücken, und Ehrenbündnisse sind von geringem Wert. Auf die Frage, ob man jemanden im Umfeld von Joe jemals richtig mögen könnte, antwortet Mateusz, dass die wahrscheinlich einzige positive Person John Reinke war, der Zoomanager, der beide Beine verloren hatte.

Ich habe mich gefragt, ob die Dokumentarfilmer einfach Glück beim Casting hatten oder ob jemand, der sich mit der Zucht von Tigern befasst, immer ein Freak ist?

Ich glaube nicht, dass dort jemand normal ist, zumindest habe ich niemanden getroffen. In jedem Bundesstaat gibt es mehrere Parks mit Wildkatzen – allein in Oklahoma gibt es drei. Ich denke, jeder in dieser Branche ist ein bisschen verrückt, denn um dort zu überleben, muss man Adrenalin mögen.

Mateusz Gugałka, wie er mit einer Raubkatze in Joes Zoo spielt

Neben den Besitzern von Parks mit Tigern zeigt die Doku auch andere wichtige Charaktere, die viel zur Geschichte beitragen – die Tierpfleger. Joe stellte Leute in seinem Park ein, um ihnen dabei zu helfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Obwohl sie für Hungerlöhne arbeiteten, weil Joe sie von der Straße holte, ist es offensichtlich, dass die Tiere ihnen viel bedeutet haben.

Es gab einige Leute, die lange Zeit im Zoo arbeiteten, hauptsächlich diejenigen, die in der Dokumentation zu Wort kamen. Aber im Allgemeinen gab es eine hohe Rotation unter der Besatzung im Park. Manchmal kam jede Woche eine neue Person. Im Zoo gab es klare Regeln – es gab keine Toleranz für Menschen, die die kostenlosen Wohnungen verwüsteten, tranken und versuchten, mit anderen Mitarbeitern anzubandeln. Wer das tat, flog über Nacht aus dem Park. Auch Veterinärstudenten kamen, um eine bezahlte Freiwilligenarbeit oder ein Praktikum zu absolvieren.

Joe stellte eine Wohnung mit Kabelanschluss in jedem Zimmer zur Verfügung, aber das Gehalt war dafür etwas niedriger ... wenn auch nicht so niedrig wie in der Serie angegeben – weil ein Teil des Geldes unter der Hand verteilt wurde. Ich bekam 400 bis 500 Dollar pro Woche plus eine freie Unterkunft und meine Lebensunterhaltungskosten wurden bezahlt, also gab es nichts zu beanstanden. Joe spürte, wer eine Leidenschaft für Tiere hatte. Wenn jemand diese Leidenschaft nicht hatte, ließ er die Leute von allein gehen. Viele gingen, weil es sowieso harte körperliche Arbeit war, die nicht allen gefiel.

Der König und seiner Tigerbabies

In den überraschenden Wendungen absurder Tatsachen, die in jeder Minute von "Tiger King" geschehen, vergisst man schnell, worum es eigentlich geht. Denn zu Beginn ging es angeblich wirklich darum, wilde Tiere zu retten – auch bei Joe Exotic.

Glaubst du, die Tiger wurden gut behandelt? Es ist schwer zu behaupten, dass Tiger in Gefangenschaft ein gutes Leben haben, aber in der Serie wirkten sie ziemlich ruhig. Haben sie ihnen etwas gegeben, um sich zu beruhigen, damit die Leute sich ihnen nähern konnten? Man hört von solchen Praktiken in Asien.

Nein. Die in Gefangenschaft aufgezogenen Tiger sind unseren Katzen sehr ähnlich – wenn sie gefüttert werden und dich kennen, werden sie dir nichts antun. Der Unterschied besteht darin, dass, wenn deine Hauskatze stark kratzt und sie dir mit der Pfote eine wischt, du höchstens Kratzspuren hast – wenn ein Tiger dich kratzt, verlierst du möglicherweise deine Hand.

Womit verdient man hauptsächlich in diesem Geschäft?

Mit kleinen Tigern. Jedes Wochenende veranstaltete Joe Rundgänge im Zoo. Sie begannen damit, dass Joe einen Käfig mit zwei Tigern betrat, sie den Menschen vorstellte, mit ihnen spielte und zeigte, wie nett Tiger sind. Danach ging es weiter, um den gesamten Park zu besichtigen. Und am Ende wartete auf die Touristen eine Spielstunde mit Tigerbabys.

Werden die Tiger dabei nicht verletzt, stört sie das nicht?

Joe behandelte sie sehr gut – wie kleine Kinder. Er lebte mit ihnen zusammen, kümmerte sich sehr um sie, sorgte dafür, dass die Leute sie richtig hielten, und wenn einer der Tiger anfing zu weinen, brachte er ihn sofort zurück, damit er sich ausruhen konnte. Aus meiner Sicht kümmerte sich Joe so gut er konnte um sie. Eine andere Sache ist natürlich die Frage, ob sich Tiger überhaupt in einer solchen Situation befinden sollten.

Die Filmcrew um Joe Exotic

Es gibt eine Szene, in der Joe einen Tiger trägt und sagt, er habe 2.000 Dollar in der Hand. Ging es ihm um die Tiere oder um das Geld?

Sicherlich hatte er die Mission, sich um Tiger zu kümmern, er hatte bis zu 200 Tiere, denn wenn ein Zoo schloss, nahm er alle Tiere auf. Diese Tiere waren nicht in der Lage, in freier Wildbahn zurechtzukommen, und sie konnten nirgendwo anders hingebracht werden. Er kümmerte sich um sie, aber wahrscheinlich wurde ihm irgendwann klar, dass er diesen Ort ohne finanzielle nUnterstützung nicht behalten konnte. Und die einzige gewinnbringende Attraktion war es, mit Babys zu spielen. Schwer zu sagen, ob es ein geringeres Übel war, weil Tiger natürlich überhaupt nicht an diesem Ort sein sollten. Aber in seinem Kopf war das Geldverdienen mit Kätzchen eine Chance, erwachsene Tiere bei sich zu behalten.

Der Fall des Königreichs von Joe Exotic

Am Ende der Geschichte um die fantastischen Welt von Joe Exotic gab es viele Faktoren, die zu seinem Fall geführt haben – ob sein explosiver Charakter, die schwierige Industrie, Gier, Hass, der ihn blind machte oder einfach Dummheit. Aber sicherlich haben auch die Menschen, die ihn umgaben, dazu beigetragen.

Irgendwann waren alle gegen Joe, sogar sein ehemaliger Ehemann John. Was hat diesen Verrat verursacht?

Ich weiß nicht, warum John sich von Joe abgewandt hat. Als sie sich trennten, war es schrecklich. Sie gingen in den Park und standen sich mit Waffen gegenüber, wie in einem Western. Aber dann beruhigte es sich irgendwie – Joe stellte John wieder im Park ein, selbst als seine Freundin ein Kind bekam, wurde Joe der Pate. Vielleicht hatte John eine Vereinbarung mit dem FBI, weil der Park jahrelang in Joes Namen lief und er wusste, was dort vor sich ging – er also also als mitschuldig hätte gelten können .

Die Dinge wurden ernsthaft kompliziert, als Jeff Lowe sich Joes anschloss.

Es hat uns von Anfang an nicht gefallen, und schließlich stellte sich heraus, dass Jeff keine Rettung für den Park war. Er war ein Verbrecher, er hatte seine zwielichtigen Geschäfte. Journalisten stellten fest, dass die Häuser derjenigen, die ihm unangenehme Fragen stellten, plötzlich niederbrannten. Wir hörten schnell auf zu fragen, wer er ist und was er im Zoo tut.

Wir müssen noch einen anderen Charakter vorstellen, ohne den Joes Geschichte nicht vollständig wäre. Carole Baskin, eine Aktivistin, die mit Big Cat Rescue für Tierrechte kämpft. Für einige ist sie eine Heldin mit einer Mission und Millionen, für andere eine rachsüchtige Karrieristin, die ihren Mann an die Tiger verfüttert hat. Hast du sie jemals getroffen?

Ja. Sie hat mehrmals versucht, über Joes Mitarbeiter an Informationen zu kommen. Und wenn es um das Verschwinden ihres Millionärs geht – das ist eine interessante Geschichte. Carole sagt, dass sie nach einem Streit mit ihrem ersten Ehemann spazieren gegangen ist.

Jeder in dieser Stadt weiß, dass die Straße, min der sie spazieren ging, eine "Rotlichtstraße" ist. Viele Leute sagen, dass Carole nur eine Prostituierte als sie diesen Millionär getroffen hat. Niemand weiß, was er getan hat, und es gibt Spekulationen, dass Kokain für ein Kartell importiert wurde. Und plötzlich verschwindet er. Ob er verschwunden ist, weil er einen Streit mit dem Kartell hatte oder wegen Carol – wir werden es wahrscheinlich nicht herausfinden. Aber die Art, wie sie darüber sprach, sagte viel aus – sie schaute nie direkt in die Kamera. Ich denke, sie ist eine großartige Manipulatorin. Wir wissen wahrscheinlich nichts über die meisten ihrer Sünden.

Carole Baskin

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Joe wünschte sich viele Male ihren Tod und schoss auf Puppen, die Carole ähnelten. Glaubst du, Joe hat tatsächlich einen Auftragsmörder engagiert?

Joe sprach so viel darüber, Carole zu töten, dass wir es nicht ernst nahmen. Er hat in seiner Show die Kamera bedroht, aber das war nur Geschwätz. Ich denke, Jeff hätte ihn dazu bringen können, indem er ihm die realen Möglichkeiten aufzeigte. Es war eine Zeit, in der Joe den Verstand verloren hatte, vielleicht hat er deshalb zugestimmt. Die ganze Geschichte, wer wen gemeldet hat, wer mit wem in Absprache war, ist schrecklich unklar. Ich glaube nicht, dass Joe jemanden bezahlt hat, um Carole zu töten. Es wären mehr Beweise notwendig. Alle schämen sich in Oklahoma für Joe Exotic, weil das Bundesland sehr konservativ ist. Wenn es ein anderer Richter in einem anderen Staat gewesen wäre, hätte der Fall anders enden können. Aber es scheint, dass Cardi B, Kim Kardashian und Kanye West sich für ihn einsetzten, also wird sich die Lage vielleicht bald ändern.

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Denkst du, dass es richtig war, Joe zu 22 Jahren Gefängnis zu verurteilen?

Joe braucht psychiatrische Hilfe und kein Gefängnis. Sein Vater hat Schizophrenie. Joe hatte seit einiger Zeit den Verstand verloren, das merkte man. Es gibt einige Tragödien aus seiner Vergangenheit – sein erster Ehemann starb in den 90er Jahren an HIV, dann wurde sein Bruder bei einem Autounfall von einem betrunkenen Fahrer getötet. Ein anderer Ehemann erwies sich als Pädophiler, Joe trennte sich von ihm und sprach nie über ihn, weil er sich dafür schämte. Später verlobte er sich mit John und Travis, die, wie sich herausstellte, Frauen statt Männer bevorzugten. Schließlich erschoss sich Travis und John kam mit einer Zoomitarbeiterin zusammen. Und all dies überschneidet sich mit dem Konflikt mit Carole Baskin ...

Was passiert jetzt mit Joes Zoo?

Anscheinend hat Jeff einen Deal mit Carole Baskin gemacht – sie übernimmt das Land des Zoos von Joe Exotic, aber ohne Tiere und dafür wird sie ihn gehenlassen. Jeff baut einen Zoo an der Grenze zwischen Texas und Oklahoma in der Nähe des größten Casinos der USA.

"Tiger King" ist eine Detektivgeschichte, eine dunkle Komödie und eine Seifenoper in einem. Wenn du selbst erzählen müsstest, worum es in dieser Geschichte geht – wie würdest du die Geschichte von Joe Exotic zusammenfassen?

Das Leben schreibt die besten Skripte – so etwas hätte man sich nicht ausdenken können. Diese Dokumentation zeigt eine sehr seltsame Seite Amerikas – die man sonst in keinem Film sieht. Joe hatte eine Idee, die niemand vor ihm hatte, aber die ganze Zeit war er sich selbst im Weg. Es ist schwer, das in einem Satz zusammenzufassen, weil einfach so viele lächerliche Situationen passiert sind.

Mateusz Gugałka

Quelle: Noizz.de