Wir haben "The Mister" von E. L. James für euch gelesen.

Ich druckse mich vor dem Bücherregal, blicke nach rechts und links, schnappe mir das fette Buch und husche an die Kasse. "The Mister – Von der Autorin des Weltbestseller 'Fifty Shades of Grey'" steht in schnörkeliger Schrift auf dem Cover.

Es ist der Nachfolger der erfolgreichen Erotik-Trilogie von E. L. James. 150 Millionen Mal haben sich ihre Romane verkauft – und so harten Sex kommerziell gemacht. "Fifty Shades of Grey" ist seitdem für viele der Inbegriff von Bondage und Sadomaso. Der Kauf des Buches ist daher mit einer gewissen Scham verbunden. Völlig zu Unrecht. Wer sich mit den Romanen auseinandergesetzt hat, weiß: Nicht jedes Produkt, auf dem "Fifty Shades of Grey" steht, hat wirklich etwas mit BDSM zu tun. Genauso wenig der Nachfolgeroman: "The Mister" enttäuscht alle Leser, die in die heiße Welt von Lack und Leder tauchen wollen.

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In "The Mister" geht es um Maxim Trevelyan, der unverhofft den Adelstitel und das Vermögen seiner Familie erbt. Seine Freizeit besteht aus Geld ausgeben und Frauen vögeln – bis eines Tages eine wunderschöne Frau in seinem Flur steht. Ständer auf dem ersten Blick: Maxim findet die 23-jährige Alessia, die im Roman mit Schneewitchen verglichen wird, einfach hinreißend.

Die Geschichte ertrinkt dabei nicht nur in Kitsch, sondern auch in Klischees. Alessia – die ihre Wörter nie ausspricht, sondern immer mit Akzent versehen haucht – ist seine neue Putzfrau. Sie flieht aus Albanien und wird dabei von bösen Männern verfolgt. Der tapfere Maxim ist ihre letzte Rettung und geht in seiner Heldenrolle auf. Er verliebt sich in die hübsche Jungfrau und … na ja, lest einfach selbst. Knick-Knack. Zwinker. Zwinker.

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E. L. James beschreibt den Roman als leidenschaftliche Liebesgeschichte. Leidenschaftlich sind auch die Sexszenen beschrieben – allerdings beginnen die erst nach der zweihundertsten Seite. Das liegt wohl daran, dass sich viele Bilder wiederholen. Irgendwann hat der Leser begriffen, dass Alessia dunkle, schöne, lange Haare hat und wunderbar auf dem Klavier klimpern kann. Die Autorin wechselt zwischen der Erzähl- und der Ich-Perspektive von Maxim. So werden die gleichen Szenen aus unterschiedlichen Sichtweise erzählt. Das ist einerseits nett zu lesen, Wiederholungen sind dadurch aber kaum vermeidbar.

Wer ein wenig Inspiration für Dirty Talk beim Chatten braucht, dem ist mit "The Mister" definitiv geholfen. Ansonsten hat der Roman wenig mit der Erotik von "Fifty Shades of Grey" zu tun. Fans von BDSM werden enttäuscht. Doch trotz Kuschelsex, Wiederholungen und Klischees ertappt man sich nach kurzer Zeit auf der letzten Seite des Buches. E. L. James gelingt es, den Leser auf eine Liebesreise mitzunehmen. Dabei zieht sie einen aber nicht in das verruchte Sexzimmer, sondern auf Wolke Sieben – und das kann durchaus gefallen, wenn man's darauf angelegt hat.

Quelle: Noizz.de