Das sieht man doch sofort!

Wer würde nicht mal gerne Pop-Titan Dieter Bohlen interviewen? Richtig: jeder! Vor allem, seit er uns auf Instagram täglich mit seiner "Tagesschau" beglückt.

Auch Tanzverbot, unter den YouTubern kein Unbekannter (869k Abonennten), wollte sich die Chance nicht entgehen lassen. Und tatsächlich sitzt er in dem Video mit dem lapidaren Titel "Interview mit Dieter Bohlen" jemandem gegenüber, der ziemlich nach Dieter Bohlen aussieht und auch ziemlich so klingt.

Aber halt nur ziemlich. Denn fast alle Kommentatoren stellen sich verwirrt die Frage: Wie konnte der YouTuber nicht bemerkt haben, dass es sich um den Dieter-Bohlen-Doppelgänger Henry Matz handelte?

Nach dem Interview scheint er noch nichts geahnt zu haben, wie sein freudiger Ankündigungs-Tweet nahelegt:

Dann postete er sein Selfie auf Instagram – immer noch extrem guter Dinge.

Aber schon eine gute Stunde später schwante ihm, was passiert war:

Wer genau ihn reingelegt hatte, wusste er bis dahin noch nicht: ein anderer YouTuber namens Marvin Wildhage. Der 22-Jährige veröffentlichte am Tag nach dem Prank auf seinem Kanal "Startalking" ein Video, in dem er erklärte, wie das Ganze ablief:

Wow, was für ein Aufwand!

Selbst der echte Dieter Bohlen hat schon reagiert: Mit "ö" meint er wahrscheinlich "nö".

Dieter Bohlens Kommentar Foto: Instagram.com / Tanzverbot

Und da Marvin mal ein paar Monate bei NOIZZ verbracht hat, haben wir ihm direkt noch mal ein paar Fragen rübergeworfen.

Marvin Wildhage (rechts) mit dem Dieter-Bohlen-Double Foto: Marvin Wildhage

NOIZZ: Marvin, in Zeiten von Rezos "CDU-Zerstörung": Solltet ihr YouTuber da nicht zusammenhalten? Ist es nicht ein bisschen fies, als YouTuber einen anderen YouTuber so zu verarschen?

Marvin Wildhage: Ach Quatsch. Wenn ein YouTuber einen anderen reinlegt, ist das ja auch zeitgleich ein Kompliment. Bei dem Aufwand, den ich investiert habe, sollte sich Tanzverbot geschmeichelt fühlen. Als er sein Statement dazu veröffentlicht hat und noch nicht wusste, wer dahinter steckt, hat er auch noch darüber gelacht. Später hat er dann auf Twitter seine Fans angestachelt, mich zu haten. Schade.

Im Hinblick auf die Rezo-Debatte: Es müssen sich nicht alle untereinander liebhaben, nur weil "einer von uns" große Aufmerksamkeit bekommen hat, die auch mal die Ü40er erreicht hat. Es geht immer noch um Entertainment, und da geht auch manchmal ein Witz auf Kosten anderer.

 Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen? Und warum genau Tanzverbot? Wer war noch in der engeren Auswahl?

Marvin: Tanzverbot stand nicht von Beginn an fest. Zunächst hatte ich die Idee im Kopf, dann das Konzept und die Figuren. Dann musste es jemand sein, der kontrovers ist – und dermaßen von sich selbst überzeugt, dass er es (aufgrund seiner Bekanntheit) für selbstverständlich hält, die Möglichkeit zu bekommen, mit Bohlen zu drehen. Diejenigen, die in der engeren Auswahl standen, sind's immer noch. Wer weiß, was als nächstes entlarvt wird.

Sieht der Fake-Dieter-Bohlen in echt echter aus als auf YouTube?

Marvin: In dem Outfit auf jeden Fall. Er erzählte mir, dass er sich oft den Spaß macht, in dem Aufzug rauszugehen und dann ständig Fotos macht. Aber wenn man ganz genau hinsieht, sollte man es merken. Vor allem hat der Tanzverbot ordentlich in die Mangel genommen, der echte Bohlen wäre wohl nicht so derbe zu ihm gewesen.

Kurz vor dem Dreh war ich mir so sicher, dass es auffliegt. Als alles glattging, war ich sehr überrascht. Und noch mehr, als Tanzverbot das Interview unreflektiert hochgeladen hat.

Wie lang hast du dich vorbereitet?

Marvin: Die Idee kam mir vor zwei Monaten. Dann habe ich die Website erstellt und Tanzverbots Manager kontaktiert. Portfolio, Pressemitteilung, Prepaid-Handy – ich habe an alles gedacht. Außerdem habe ich bei Mails bewusst oft mehr als 24 Stunden gewartet, bevor ich antwortete. Sie sollten denken, dass unsere ausgedachte Marketingagentur mit viel relevanteren Medien schreibt. Dann habe ich Komparsen gecastet und eine Location gesucht.

Wie viel hat die ganze Aktion gekostet?

Marvin: Am kostspieligsten war das Double. Henry Matz verdient normalerweise tausende Euro, wenn er irgendwo auftritt. Doch da er meine Idee cool fand, hat er es für den Nervenkitzel gemacht. Anfahrt und Unterkunft habe ich ihm gestellt. Für die Location hatte ich eine Kooperation mit dem Hotel.

Zu welchem Zeitpunkt hattest du am meisten Angst?

Marvin: Im Grunde war alles durchgeplant. Für jede Ungereimtheit gab’s eine Ausrede. Hätte beispielweise der echte Bohlen zeitgleich etwas bei Instagram gepostet, hätten wir behauptet, dass das vorproduziert wäre.

Ich habe aber im Vorhinein nicht damit gerechnet, dass man Tanzverbot Vorsatz unterstellen würde. Leider hat er jetzt im Nachhinein einen echten Shitstorm bekommen, weil er es in dem Glauben hochgeladen hat, den echten Dieter Bohlen interviewt zu haben. Die User haben es ihm nicht geglaubt und ihm üblen Clickbait vorgeworfen. Das war nie meine Absicht!

Aber er hat es schon nach einer halben Stunde und tausenden Kommentaren gemerkt und das Video trotzdem so stehen lassen. Hätte er sofort reagiert und dazugeschrieben, dass er wahrscheinlich von irgendjemanden veräppelt wurde, wäre der Hate ausgeblieben. Nach meiner Auflösung wird mir nun der Vorwurf gemacht, ihm geschadet zu haben.

Dennoch steht das Interview 24 Stunden, nachdem der Schwindel aufgeflogen ist, unverändert online. Es war zwischenzeitlich sogar auf Platz 7 der YouTube-Trends und hat vergleichsweise viel mehr Klicks als all seine letzten Videos! Also hat es ihm mehr gebracht, als geschadet. Das sollte er sich auch eingestehen.

Was hättest du gemacht, wenn's aufgeflogen wäre?

Marvin: Hätte Tanzverbot es vor Ort gemerkt, wäre ich in alter "Verstehen Sie Spaß?"-Manier reingekommen  und hätte seine Reaktion gefilmt. Dann hätte er entweder gelacht oder uns angeschrien. Beides wäre auch cool gewesen, aber nicht so lustig wie jetzt. Denn er ist doppelt darauf reingefallen. Einmal vor Ort, einmal beim Hochladen.

In den Kommentaren fordern die User jetzt allerdings, dass ich den Prank fairnesshalber vor Ort hätte auflösen sollen. Aber das wäre ja nicht ansatzweise so ein Erfolg gewesen, wie wenn es auf seinem Kanal stattfindet. Ich weiß nicht, ob es fairer gewesen wäre, ihn danach einzuweihen. Lustiger wäre es definitiv nicht geworden. In Sachen Humor sollten einige Leute mal den Stock aus'm Arsch ziehen.

Könntest du dir vorstellen, ein gemeinsames Video mit Tanzverbot zu machen?

Marvin: Sofort. Ich habe es ihm sogar am Ende meines Videos öffentlich angeboten. Alleine das zeigt ja, dass ich ihm damit nicht schaden wollte. Ich hasse ihn nicht, bin aber auch kein Fan seines Humors. Aber setze mich jederzeit mit ihm an einem Tisch. Mit oder ohne Kamera.

ml

Quelle: Noizz.de