Die Kardashians sind Trash-Kult. Nun entscheidet deine Einstellung zu Kim & Co. auch über deine Liebe zu dir selbst

Es ist doch immer wieder schön, wenn sich WissenschaftlerInnen aus ihrem Elfenbeinturm herausschwingen und mit dem Real Life beschäftigen. In diesem Fall geht es um das Reality Life der Kardashians.

Bereits seit 2015 ist die Truppe um Momager Kris Jenner Untersuchungsgegenstand an Universitäten, etwa von der Wissenschaftlerin Meredith Jones. Diese ist Dozentin an der Brunel Universität in London und Initiatorin des ersten Symposiums rund um den Kardashian-Clan, namentlich "Kimposium".

Spiegel der Gesellschaft

So richtig verwundert es nicht, dass die Kardashians für die Cultural Studies spannend sind: Popkulturelle Phänomene weisen immer auch auf die Gesellschaft hin, die selbige hervorbringt. Im wissenschaftlichen Kontext werden die Kardashians dann aufs Unterschiedlichste untersucht: Körper- und Schönheitsideale, Kapitalismus, Feminismus oder Konsumverhalten.

In einem Interview mit VICE sagt Jones, dass die Kardashians deshalb so spannend und wichtig sind, weil sie die Werte unserer Gesellschaft so eindeutig widerspiegeln. Jones und ihre MitstreiterInnen sind der Meinung, dass die Kardashians unsere Gesellschaft am eindeutigsten auf den Punkt bringen: Sie beinhalten alles, was uns ausmacht. Wir betrachten die Argumente:

1. Der neue Feminismus

Man kann sich nun fragen, inwiefern die Kardashians tatsächlich für einen neuen Feminismus stehen, immerhin ist Kimmie durch ihren Amateur-Porno berühmt geworden – ausziehen für Aufmerksamkeit ist nun nicht unbedingt die Vorstellung, die man hat, wenn man an moderne, aufgeklärte und autonome Frauen denkt.

Allerdings sind die Kardashians tatsächlich ein Novum. Die Familie ist das wohl erfolgreichste Unternehmen, das als strenges Matriarchat organisiert ist. Männer haben in der Welt der Kardashians zwar durchaus eine Funktion und Wichtigkeit, aber diese kommt längst nicht an die der Frauen im Clan heran. Manche der Männer werden sogar selbst zu Frauen

2. Der neue Körper

Vor Kim Kardashian gab es Kate Moss – na gut, so ganz stimmt das nicht, aber die androgyne Frau der 2000er beherrschte durchaus immer noch das etablierte Bild einer perfekten Frau. Die Kurven der Kardashians durchbrachen diesen Trend und stellten ihn gleichzeitig in Frage.

3. Turbo-Social-Media

Intim-Rasuren, Ehe-Streitigkeiten, Familienprobleme und Geburten – es gibt nichts, was die Kardashians nicht auch mit ihrem Gefolge teilen würden. Das unbeirrte und bis aufs äußerste praktizierte Motto der Familie scheint "Was sich klickt, ist auch erlaubt" zu sein. Scham oder ein Gefühl für Privatssphäre gibt es dabei nicht.

Das kann verurteilt werden, allerdings muss man hier auch bedenken, dass eben auch die ganze Welt hinschaut. Ob man es will oder nicht: Die Kardashians befriedigen unseren Voyeurismus.

Dadurch entsteht Nähe und Nahbarkeit. Die Kardashians nutzen nämlich dieselben Werkzeuge, die vermeintlich auch uns zur Verfügung stehen. Dadurch sind sie auch das perfekte Beispiel eines DIY-Imperiums und das konsequenteste Vorbild des amerikanischen Traums: Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Betthäschen zur Milliardärin.

Sind wir nicht alle ein bisschen Kardashian?

Gut – und was sagt das nun über uns aus? Ungelenk heruntergebrochen sagt Jones, dass die Einstellung, die wir zu den Kardashians haben, zeigt, wie wir uns selbst finden.

Konsum, Narzissmus und Oberflächlichkeit sind das, was wir hervorgebracht haben und wofür wir stehen. Die Kardashians sind die purste Essenz dessen. Wenn wir sie doof finden, kommen wir nur mit unserer eigenen Gesellschaft nicht zurecht – oder sind unfähig zuzugeben, dass wir eigentlich am liebsten das Leben der Kardashians führen wollen würden.

Quelle: Noizz.de