Tätowiertes Gesicht, auffällige Piercing: Der Berghain-Türsteher Sven Marquardt ist optisch selbst ein Gesamtkunstwerk. Seine Fotokunst gibt es jetzt bald im Friedrichstadt-Palast zu sehen. Das Thema: Tänzer*innen nach der Show.

Gerade reden noch alle über die große Kunst-Schau "Studio Berlin", die gerade im Techno-Tempel Berghain, dem vielleicht berühmtesten Club der Welt, zu sehen ist – wenn man denn reinkommt. Denn diesmal ist nicht der beinahe genauso berühmte gnadenlose Türsteher Sven Marquardt das Problem, sondern die begrenzte Anzahl an Tickets: Man muss sich nämlich online anmelden – und die Slots für September sind restlos vergeben.

Wobei wir in zweierlei Hinsicht beim Thema sind: erstens, Sven Marquardt, zweitens, in eine Ausstellung kommen.

Berghain-Legende Sven Marquardt: Nicht nur Türsteher, sondern auch Fotograf

Denn wer das Berliner Nacht- und/oder Kulturleben kennt, weiß, dass Marquardt nicht nur Bouncer ist, sondern eben auch Fotograf – und zwar schon seit Jahrzehnten. Geboren 1962, wuchs er in Ost-Berlin auf und absolvierte mit 20 bei der DEFA (so etwas wie dem DDR-Hollywood) eine Ausbildung zum Kameramann und Fotograf. Dann arbeitete er als Assist von Rudolf Schäfer, der vor allem für seine Aktfotografien bekannt war. Es folgen Jahre als Modefotograf und Chronist der DDR-Subkultur inklusive ersten Ausstellungen.

Sven Marquardt: Berliner Türsteher-Legende und Fotograf

Türsteher wird er erst nach der Wende – weil er bei Partys im Ostgut, wo sein Bruder Oliver alias DJ Jauche auflegt, den "Einlasser" – ein Wort, das er selbst dafür bevorzugt – macht. Dadurch kommt er später auch zum Berghain.

Marquardt fotografiert vor allem Porträts; seine Bilder sind oft düster, beizeiten provokant, haben immer eine Aura.

Für die Ausstellung, die bald, vom 2. Oktober bis zum 29. November 2020 im Friedrichstadt-Palast zu sehen sein wird, hat er Mitglieder des internationalen Ensembles des Palasts unmittelbar nach einem Auftritt im Oktober letzten Jahres porträtiert. "Stageless" heißt die Ausstellung im Revuetheater, das wegen der Corona-Pandemie für den regulären Betrieb geschlossen ist – genauso wie das Berghain. Der Eintritt ist frei, man muss aber online ein Zeitfenster buchen.

Worum geht es in Sven Marquardts neuer Ausstellung "Stageless"?

Für die Foto-Ausstellung im Foyer des neuerdings denkmalgeschützten Friedrichstadt-Palasts schlossen sich das Theater und das Ausstellungshaus C/O Berlin zusammen. Beide Häuser vereine der Wunsch, "ein Zeichen der Solidarität zu setzen und Berlin als Kulturhauptstadt endlich wieder leuchten zu lassen", wie Theaterintendant Berndt Schmidt erklärte. C/O-Berlin-Chef Stephan Erfurt sagte: "Dabei verbindet uns der Glaube, dass in einer Krise keine Kunst auch keine Antwort ist, sondern vielmehr neue kreative Wege eingeschlagen werden können."

Marquardt ließ sich nach einem Besuch der "Vivid Grand Show" von den Tänzern und einem Video inspirieren: "Zu Hause angekommen, schaute ich gefühlt 100 Mal die wunderbare Annie Lennox, in ihrem Musikvideo 'Why', die sich darin Backstage melancholisch auf ihren großen Auftritt vorbereitet und mit jedem Pinselstrich zu einer Diva erstrahlt." So sei die Idee zu "Stageless" geboren worden.

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In der Ausstellungsbeschreibung heißt es zu den Fotos wie folgt: "Während in einigen der Gesichter und Posen noch der Adrenalinschub sichtbar ist, gelingen Marquardt in anderen Bildern intime Momentaufnahmen seiner Modelle. Ungeschönt zeigt er den Übergang von den dramatisch-maskenhaften Bühnenrollen zu den angestrengten und müden Gesichtern der Tänzer*innen nach der Show. Die Bilder oszillieren zwischen Schein und Sein, spiegeln Anspannung und Erschöpfung, Stolz und Enttäuschung. Hier und da sind Requisiten zu sehen, Schuhe für die Aufführung am Trapez oder Kostüme, die den Körper nicht mehr glamourös kleiden."

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Wer es nicht in die Ausstellung schafft, kann sich Sven Marquardts Kunst auch vermittels dreier Fotobände nähern: "Zukünftig vergangen: Fotografien 1984–2009", "Heiland", "Götterdämmerung" und "Wild verschlossen". Außerdem hat er gemeinsam mit Judka Strittmatter seine Autobiografie mit dem Titel "Die Nacht ist Leben" veröffentlicht.

Und hier sind noch einmal zehn seiner Fotos, die in der "No Fotos on the Dance Floor"-Ausstellung im C/O Berlin zu sehen waren:

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ml [mit Material der dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de