"Ja Ja Nee Nee" – so der Name des Lauschangriffs.

Wir leben in Zeiten, in denen es so viele Kommunikationskanäle gibt wie noch nie. Beweise haben wir dafür nicht – kann sein, dass die Möglichkeiten in der Steinzeit noch mannigfaltiger waren als heute. Vielleicht hat man damals dank Dinosaurier-Express, Brieftauben oder Hieroglyphen noch viel mehr gesagt, als uns heute klar ist. Zweifellos ist das mit dem Mitteilen aller Art aber spätestens seit Aufkommen des Internets explodiert. Instagram, Facebook, Tellonym, Tik Tok, Youtube, Sprachnachrichten, Textnachrichten, Anrufe, Videochats, Chats aller Art, Facetime – diese Liste könnte ewig weiter gehen. Jede dieser Apps und Plattformen ist hauptsächlich deshalb so erfolgreich, weil es dem Selbstdarstellungsdrang von uns Menschen in die Karten spielt – und beweist wie unergründlich groß selbiger ist. Deshalb hat auch so ziemlich jeder Dödel heutzutage einen Podcast. Einfach um noch mehr Geschichten in die Welt zu labern – egal ob es was zu erzählen gibt oder nicht.

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Grob kann man Podcasts in zwei Sorten unterteilen: Die, bei denen es einen konkreten Erzählgegenstand und -strang gibt. Also quasi sowas wie eine Art flexibleres Hörbuch mit Anfang, Höhepunkt und Schluss. Und es gibt die Podcasts, wo scheinbar vollkommen lose und ohne großartige Vorgaben zum Ablauf drauflos gequatscht wird. Ist dann Typsache, was man lieber mag.

"Ja Ja Nee Nee" gehört eindeutig zu letzterer Kategorie. Nachwuchsschauspielerin Jasna Fritzi Bauer und Popliterat Benjamin von Stuckrad Barre (wir fragen uns gerade, wie doof die beiden Bezeichnungen wie "Nachwuchsschauspielerin" und "Popliterat" eigentlich finden) diskutieren in der ersten Folge ihres neuen Podcasts über alles mögliche. Am Ende entscheiden sie mit "Ja Ja" oder "Nee Nee" wie sie das Besprochene denn nun letztendlich finden. Das Ganze ist in erster Linie vor allem eines: belanglos.

Welche Funktion haben Büroküchen? Wie ist es um die Büroräumlichkeiten daheim bestellt? Ab wann ist Biertrinken eigentlich Ausgehen? Welcher nachdenkliche Spruch an den Wänden von Freunden beenden die gemeinsame Beziehung? Wie doof ist eigentlich ans Telefon zu gehen? Wie doof sind Emojis? Alles Fragen, die in aller Ausführlichkeit in gut 74 Minuten diskutiert werden. Manches wird nur angerissen, manches höchst subjektiv abgelehnt oder angenommen. Am Ende ist hier jedoch gar nicht so wichtig, wer was wie findet, denn: Der Weg ist das Ziel.

"Ja Ja Nee Nee" hört man sich sicherlich nicht wegen der ganzen tollen Erkenntnisse an – denn auf diese wäre man bei bierseeligem Blabla mit Freunden auch gekommen. Die Sache ist: Keiner von uns klingt cool dabei, wenn er oder sie darüber spricht, dass sich der Aktenvernichter für 59 Euro echt gelohnt hat. Oder dass sich die Barhocker in der Wohnung eben nicht gelohnt haben, weil man alleine im Wohnzimmer auf einem Barhocker einsam und lächerlich wirkt. Oder dass "Limette" klingt, als könnte es der Name einer der nächsten GNTM-Kandidatinnen sein. Dafür braucht man solche Leute, die einem verqueer und wortgewandt das Schnitzel ans Ohr quatschen. So wie Stuckrad-Barre. Seine Bücher liest auch keiner, weil da so wahnsinnig viel Spannendes passiert. Das, worum es geht, ist die Art und Weise wie der Typ seine Umwelt wahrnimmt und wie er seine Beobachtungen auseinandernimmt, Verhaltensweisen seziert und dabei die ganze Zeit zwischen Überheblichkeit und Selbstironie wankt. Bauer glänzt neben Stucki (ob er diese Abkürzung wohl auch hasst?) vor allem durch röhrendes Lachen und ein bisschen mehr Bodenständigkeit. Sie ist das Element, dass es dem Hörenden erlaubt, sich zu identifizieren. Heißt das jetzt, dass die Schauspielerin in diesem Podcast langweiliger wirkt als ihr Dialogpartner? Im Prinzip schon, ja. Aber wer wäre das neben Stuckrad-Barre denn bitte nicht? Tempo, Esprit und Wahnsinn brauchen halt auch ein bisschen Vanilla-Vibes – sonst würde hier wahrscheinlich alles knallen und man selbst als Lauschender zu schnell rauskatapultiert werden. So ist das Ganze aber ein durchaus hübsches Wort-Ping-Pong.

Überzeugt euch selbst:

Hier außerdem unsere Lieblingssätze des Podcasts, geäußert vom Popliteraten Stucki:

"Mein Schreibtisch sieht aus wie der Boden eines Drogenklos. So ein richtig schönes Drogenklo."

"Limette – das könnte auch der Name sein einer GNTM-Kandidatin sein, die irgendwann leider rausfliegt und dann eine Taschenkollektion macht. Auf Mallorca. Der Name ist dann kurz 'Limett'. Aber nur ausgeschrieben das Lim und dann das @-Zeichen."

"Für nur 20 Euro mehr hätte ich einen Vernichter gehabt, da cuttet der Schredder die langen Papier-Streifen auch ab. Und dann hast du Konfetti da. Und dann kannst du 'Atemlos' hören und dann geht's ab."

"Sitzbälle?! Geht gar nicht. Bedeutet für mich Abbruch der Beziehung zu den Menschen."

Die nächste Folge soll sich thematisch übrigens um Kreditkarten drehen. Welche, die bereits abgelaufen sind und die eigentlich nur noch zum Portionieren von Pülverchen benutzt werden. Zungen werden dabei nicht nur zum Sprechen sondern auch zum Ablecken der Karten verwendet. Zumindest wurde das von Jasna Fritzi Bauer und Benjamin von Stuckrad-Barre in Aussicht gestellt. Wir können es kaum erwarten.

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Quelle: Noizz.de