Lächeln, bitte!

Der Weltmeisterschafts-Gastgeber Russland ist vielleicht kulturell berühmt für seine deftigen Speisen, für den Alkoholreichtum und für die, sagen wir mal nicht ganz saubere Politik, doch sicherlich nicht für Freundlichkeit und Wärme gegenüber Fremden. Russen wird eher ein Resting Bitch Face zugesprochen.

Grund für die stets ernsten Gesichter ist etwa der Spruch „смех без причины - признак дурачины“ -  zu Deutsch: „Lachen ohne Grund ist ein Zeichen der Dummheit“. Freundlichkeit ist in Russland also eher eine versteckte Tugend und hat auch was mit Ehrlichkeit zu tun.

Doch für die Fußball-WM soll sich das ändern: Alle großen russischen Firmen – unter anderem die öffentlichen Verkehrsmittel und die FIFA-Angestellten –, haben Trailer eingestellt, damit sie den Mitarbeitern beibringen, einen freundlichen Eindruck zu machen, die Mundwinkel nach oben zu ziehen und Zähne zu zeigen. Und das nicht nur während der Weltmeisterschaft, sondern als generelle Einstellung.

Die BBC hat solch einen Kurs begleitet und sogar eine russische Lachyoga-Gruppe gefunden:

Zudem erzählt die russische Regisseurin Yulia Melamed dem Fernsehsender von einer Begegnung mit einem Polizisten, der sie anhielt, weil sie auf der Straße einfach lächelte – das habe verdächtig gewirkt. Offene gute Laune ist in Russland also tatsächlich ein Problem.

Wenn die Kurse wirken, sollen die Besucher aller Welt nicht von grimmigen Einsiedlern begrüßt werden, sondern sich willkommen fühlen und die Fußball-WM genießen. Das alles ist Teil der Image-Kampagne, die der russische Staat auf die Beine gestellt hat. Denn Großereignisse wie die Fußball-WM, aber auch die Olympischen Spiele, werden von den Gastgeberländern oft dazu genutzt, um den Ruf des Landes zu verbessern – da kann das größte Land der Welt ja einiges tun. Und bei etwa 1,5 Millionen Touristen, die das Land in den kommenden Wochen besuchen werden, kann man ja mit einem freundlichen Lächeln anfangen.

Quelle: Noizz.de